{"id":6254,"date":"2018-08-27T12:37:01","date_gmt":"2018-08-27T10:37:01","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6254"},"modified":"2018-08-27T12:37:01","modified_gmt":"2018-08-27T10:37:01","slug":"der-sprengmeister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6254","title":{"rendered":"Der Sprengmeister"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/52363955n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6255\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/52363955n-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/52363955n-184x300.jpg 184w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/52363955n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Henning Mankell, Der Sprengmeister, Zsolnay 2018, ISBN 978-3-552-05901-6<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Jahr 1973, Henning Mankell war gerade 21 Jahre alt, wurde in Schweden der erste kleine Roman des sp\u00e4ter so bekannten Henning Mankell ver\u00f6ffentlicht. Schon in dieser Geschichte \u00fcber den Sprengmeister Oskar Johansson und sein hartes Arbeiterleben ist Mankells zentrales Thema die fehlende soziale Gerechtigkeit, ein Thema, das ihn in vielen Schattierungen begleiten sollte bis zu seinen letzten B\u00fcchern und auch in seinen Wallander-Romanen immer eine wichtige Rolle spielte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oskar Johansson verliert an einem Samstagnachmittag des Jahres 1911 bei einer Tunnelsprengung nicht nur alle seine blonden Haare und sein linkes Auge, sondern ein Splitter schneidet die rechte Hand direkt am Handgelenk ab. Ein weiterer dringt ihm in den Unterleib und verletzt sein Glied schwer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem er schon in ganz jungen Jahren sich einem Sprengtrupp angeschlossen und es schlie\u00dflich bis zum Sprengmeister gebracht hatte, liegt er nun monatelang im Krankenhaus. Seine Freundin Elly besucht ihn zwar tapfer, findet aber bald einen anderen Mann, den sie heiraten wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wieder genesen, kann Oskar bei seinem alten Sprengtrupp wieder arbeiten. Er bleibt dort Sprenger, bis er in den f\u00fcnfziger Jahren in Rente geht. Mit der Schwester Ellys, Elvira, die er bald kennenlernt, ohne erst zu wissen wer sie ist, hat er drei Kinder und eine unverbr\u00fcchliche gemeinsame politische Haltung. Als sie irgendwann mit der politischen Richtung der Sozialdemokraten nicht mehr einverstanden sind, treten sie beide aus und schlie\u00dfe sich einer kleineren linken Partei an, deren Name aber nicht genannt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein \u201eErz\u00e4hler\u201c, der Oskar nach seiner Rente oft in seiner kleinen Sauna auf einer der vielen Sch\u00e4ren besucht und mit ihm\u00a0 fischen geht, hat \u00fcber die Jahre, die er Oskar kennt, immer wieder M\u00fche, etwas aus ihm herauszubekommen \u00fcber sein Leben und seine Gedanken:<\/p>\n<p>\u201eDie Informationen, die Oskar dar\u00fcber gew\u00e4hrt, sind karg und d\u00fcrftig. Der Erz\u00e4hler muss die Fragmente zu einem schmutzgrauen Ganzen zusammenf\u00fcgen. Ausk\u00fcnfte gibt Oskar lediglich als Zugabe, wenn er \u00fcber andere Dinge spricht.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Erz\u00e4hler sammelt aber so viel, dass es f\u00fcr einen bewegenden Lebensbericht eines Mannes reicht, der sein Leben lang Arbeiter war, wie seine Vorfahren. Ein Mann, der mit Frau und drei Kindern ein bescheidenes Leben f\u00fchrt, weil sonst der Lohn nicht reicht. Ein Mann, der nicht aufgibt nach einem schrecklichen Unfall, der zur\u00fcckkehrt und zusammen mit seiner Frau politisch aktiv wird. Auf seine zur\u00fcckhaltende Weise glaubt er an die Revolution. Als sein Wohnblock abgerissen wird und seine Frau gestorben ist, kauft er auf einer Sch\u00e4re ein Saunah\u00e4uschen, wo er im Sommer leben kann. Dort finden auch die zahllosen Begegnungen mit dem Erz\u00e4hler statt, dessen Interesse an diesem Mann und seinem Leben wohl identisch ist mit dem des jungen Mankell.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der schreibt in einem Nachwort zur 1993 in Schweden erfolgten Wiederauflage des Buches: \u201eW\u00e4hrend ich das Buch nach all den Jahren nun aufs Neue lese, stelle ich fest, dass das Vierteljahrhundert eigentlich gar nicht so lang war. Was in diesem Buch steht, gilt auch weiterhin unver\u00e4ndert.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So wie in all seinen sp\u00e4teren B\u00fcchern gibt schon der junge Mankell den Benachteiligten und Vergessenen eine unverwechselbare, eindrucksvolle Stimme.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wurde wirklich Zeit, dass dem deutschsprachigen Publikum dieses Romandeb\u00fct nun zug\u00e4nglich gemacht wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Henning Mankell, Der Sprengmeister, Zsolnay 2018, ISBN 978-3-552-05901-6 &nbsp; Im Jahr 1973, Henning Mankell war gerade 21 Jahre alt, wurde in Schweden der erste kleine Roman des sp\u00e4ter so bekannten Henning Mankell ver\u00f6ffentlicht. 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