{"id":6344,"date":"2018-09-06T12:02:07","date_gmt":"2018-09-06T10:02:07","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6344"},"modified":"2018-09-06T12:02:07","modified_gmt":"2018-09-06T10:02:07","slug":"die-liebesbriefe-von-montmartre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6344","title":{"rendered":"Die Liebesbriefe von Montmartre"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/52361640n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6345\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/52361640n-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/52361640n-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/52361640n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nicolas Barreau, Die Liebesbriefe von Montmartre, Thiele Verlag 2018, ISBN 978-3-85179-410-6<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Julien Azoulay ist ein relativ bekannter und erfolgreicher Schriftsteller romantischer Kom\u00f6dien. Vor einigen Jahren hat er auf dem Friedhof Montmartre am Grab von Heinrich Heine seine Frau Helene kennengelernt. Sie haben geheiratet und einen Sohn namens Arthur bekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter stirbt Helene an Krebs und l\u00e4sst einen am Boden zerst\u00f6rten Julien zur\u00fcck. Sie hat vor ihrem Tod in weiser Voraussicht ihrem Mann ein ungew\u00f6hnliches Versprechen abgenommen. Er soll ihr nach ihrem Tod dreiunddrei\u00dfig Briefe schreiben, f\u00fcr jedes ihrer 33 Lebensjahre einen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Julien bei einem Steinmetz den Grabstein f\u00fcr Helenes Grab auf dem Friedhof Montmartre, wo sie begraben werden wollte, in Auftrag gibt, l\u00e4sst er ein geheimes Fach in den Sockel einer Engelstatue auf dem Grab, die aussieht wie seine Frau, einbauen, in das er die Briefe, die er seiner verstorbenen Frau schreiben wird, einlagern will.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sein Verleger Jean-Pierre Favre, der nach dem Erfolg von Juliens letztem Buch sehns\u00fcchtig auf eine neues Manuskript von ihm wartet, zeigt f\u00fcr Juliens Situation Verst\u00e4ndnis. Der indes macht trotz tiefer Trauer die Erfahrung, dass die ersten Briefe an seine Frau ihn auf eine ganz besondere Weise tr\u00f6sten. Schon an dieser Stelle bewundert man als Leser die Klugheit von Helene, die wusste, dass nur die bewusste Auseinandersetzung mit seiner Situation als junger Witwer und alleinstehender Vater eines kleinen Sohns ihn retten wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Helenes langj\u00e4hrige Freundin Catherine, die im gleichen Haus wohnt und manchmal auf Arthur, der tags\u00fcber in einen Kindergarten geht, aufpasst, trauert auch sehr um ihre Freundin. Sie versucht Julien eine Hilfe zu sein und sp\u00fcrt doch schon bald, dass sie mehr f\u00fcr ihn empfindet. Das wird zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt des Buches noch zu erheblichen Verwirrungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Julien hat vielleicht zwei oder drei Briefe geschrieben, als er eines Tages wieder zusammen mit Arthur am Grab von Helene weilt. Wieder hat er ihr geschrieben von seiner gro\u00dfen Liebe zu ihr, die nun keine Antwort mehr findet, wieder hat er seiner Frau erz\u00e4hlt von seinem Leben, das er nun alleine ohne sie f\u00fchren muss. W\u00e4hrend Julien seinen Brief versteckt, ist Arthur in der n\u00e4heren Umgebung des Grabes unterwegs und entdeckt eine Frau, die auf einem Baum sitzt.<\/p>\n<p>Diese Frau, die bald vom Baum heruntersteigt, ist Sophie, eine Bildhauerin, die fast jeden Tag auf dem Friedhof ist, wo sie Grabfiguren restauriert. Sophie und Julien kommen ins Gespr\u00e4ch, man sp\u00fcrt gleich, sie sind sich sympathisch. Immer wieder werden sie sich in der n\u00e4chsten Zeit begegnen, ja mit jedem weiteren Besuch wartet Julien mehr darauf, dass sie erscheint.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Julien bald danach wieder einen Brief in das Fach unter der Engelstatue legen will, stellt er v\u00f6llig \u00fcberrascht fest, dass sie verschwunden sind. Stattdessen liegt ein Herz aus Stein in dem Fach, das er mit nach Hause nimmt. Und so geht es nun mit jedem weiteren Brief von ihm. Der letzte ist verschwunden und eine neue Botschaft an ihn\u00a0 liegt im Fach. Mal ist es ein Gedicht von Prevert, mal ist es eine Blume, mal sind es Kinokarten f\u00fcr den Film \u201eOrphee\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Julien folgt den Botschaften, ist manchmal sogar aus lauter schmerzhafter Trauer \u00fcberzeugt, sie stammten auf irgendwelchen unerkl\u00e4rlichen Wegen von seiner Frau.<\/p>\n<p>Was Julien zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt, ist, dass jemand ihn die ganze Zeit beobachtet. Jemand, der seine Briefe liest und den nach wie vor mit seinem Schicksal hadernden Julien mit sanfter Hand in die Welt der Lebenden zur\u00fccklenken will. Jemand, der sich in ihn verliebt hat \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit viel Herzensw\u00e4rme und Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen f\u00fcr seine am Boden zerst\u00f6rte Hauptperson begleitet Nicolas Barreau Julien auf seinem Weg zur\u00fcck ins Leben. Wieder einmal f\u00fchrt er seine Leser nach Paris, dieses Mal nach Montmartre mit seinen stillen G\u00e4sschen, seinen K\u00fcnstlern, Gesch\u00e4ften und dem Blick von Sacre-Coeur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie Liebesbriefe von Montmartre\u201c ist ein Roman dar\u00fcber, wie aus etwas unendlich Traurigem etwas Wundersch\u00f6nes werden kann. Ein Buch dar\u00fcber, wie das Leben und die Liebe \u00fcber den Tod siegt. M\u00f6gen m\u00f6glichst viele vom fr\u00fchen Tod ihres Ehepartners betroffene Menschen diese Erfahrungen machen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Nicolas Barreau, Die Liebesbriefe von Montmartre, Thiele Verlag 2018, ISBN 978-3-85179-410-6 &nbsp; Julien Azoulay ist ein relativ bekannter und erfolgreicher Schriftsteller romantischer Kom\u00f6dien. Vor einigen Jahren hat er auf dem Friedhof Montmartre am Grab von Heinrich Heine seine Frau Helene kennengelernt. 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