{"id":6439,"date":"2018-09-20T08:02:14","date_gmt":"2018-09-20T06:02:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6439"},"modified":"2018-09-20T08:02:14","modified_gmt":"2018-09-20T06:02:14","slug":"loyalitaeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6439","title":{"rendered":"Loyalit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/52438854n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6440\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/52438854n-194x300.jpg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/52438854n-194x300.jpg 194w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/52438854n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Delphine de Vigan, Loyalit\u00e4ten, Dumont 2018, ISBN 978-3-8321-8359-2<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das neue Buch von Delphine de Vigan hat mich tief beeindruckt und bewegt. Sie erz\u00e4hlt daran von Menschen, die allesamt eine B\u00fcrde mit sich herumtragen, die aber nicht offensichtlich werden darf. Ihr Leiden am Leben und ihrem Schicksal, ihre Scham, ihre L\u00fcgen anderen gegen\u00fcber und die Geschichten, die sie erz\u00e4hlen, um andere nicht zu verletzen, sie zu sch\u00fctzen und um selbst irgendwie zu \u00fcberleben \u2013all das sind \u201eLoyali\u00e4ten\u201c, denen sie sich unausgesprochen verpflichtet wissen und die sie an den Rand ihrer Kr\u00e4fte bringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Hauptpersonen des kleinen Romans, dem es gelingt auf knappem Raum mehr zu erz\u00e4hlen als so mancher dicker W\u00e4lzer, sind der 12-j\u00e4hrige Theo, seine Lehrerin Helene, seine Mutter Cecile und sein Freund Mathis. Abwechselnd l\u00e4sst de Vigan diese Personen in einer fortlaufenden, sich durchaus spannend zuspitzenden Handlung erz\u00e4hlen, wobei die beiden Erwachsenen in der Ich-Form berichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Helene, der Lehrerin, f\u00e4llt der neue Sch\u00fcler Theo Lubin bald auf. Sie sp\u00fcrt, dass mit dem Jungen irgendetwas nicht in Ordnung ist, und bem\u00fcht sich, in Gespr\u00e4chen mit dem Schulleiter zu erkl\u00e4ren, was sie sp\u00fcrt.\u00a0 Auch einem befreundeten Kollegen namens Frederic \u00f6ffnet sie sich, doch der, durchaus auch beunruhigt, h\u00e4lt ihren seelischen Zustand f\u00fcr \u201ekurz vor dem Zerspringen\u201c und r\u00e4t ihr, alles nicht so ernst zu nehmen.<\/p>\n<p>Helene ist nicht \u00fcberzeugt, zumal sie bei Theo die ganze Zeit der Handlung \u00fcber immer mehr besorgniserregende Ver\u00e4nderungen feststellt. Doch sie scheint in den Loyalit\u00e4ten ihrer Schulb\u00fcrokratie gefangen und als sie endlich durchbricht, scheint es zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch mit den Eltern hat Helene gesprochen, aber die sind geschieden und scheinen nur mit sich selbst besch\u00e4ftigt. Theo indes, ein ruhiger und guter Sch\u00fcler, k\u00fcmmert sich (Loyalit\u00e4ten!) um die ungl\u00fcckliche Mutter und den vereinsamenden und verwahrlosenden Vater.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Theo ist mit allem \u00fcberlastet und trinkt heimlich Alkohol. Der w\u00e4rmt ihn und sch\u00fctzt ihn vor der ihm als unwirtlich erscheinenden Welt. Nur sein Freund Mathis wei\u00df von Theos immer st\u00e4rker werdendem Alkoholkonsum, schweigt aber. Theo wei\u00df genau, was der Alkohol schlussendlich mit ihm machen wird, doch er ist hilflos. Er sp\u00fcrt, dass seine Lehrerin Helene ihm helfen m\u00f6chte, aber er kann doch nicht seine Eltern verraten!<\/p>\n<p>Auch Mathis w\u00fcrde gerne seiner Mutter von seiner Angst um Theo erz\u00e4hlen, doch er ist doch sein einziger Freund. Au\u00dferdem w\u00fcrde er dann seinen \u00e4lteren Bruder blo\u00dfstellen, der den Alkohol f\u00fcr Theo und andere Minderj\u00e4hrige besorgt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Immer mehr spitzt sich die Lage zu, keiner wagt wirklich einzugreifen, zu viele Loyalit\u00e4ten stehen dagegen. Und als Mathis` Bruder ein Spiel im schneebedeckten Park vorschl\u00e4gt, ist Theo bereit, seinen eigenen Tod in Kauf zu nehmen und zu suchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Spiel l\u00e4uft aus dem Ruder und als die endlich von Mathis informierte Helene im Park ankommt, und zwei Mal zu dem leblosen Theo sagt: \u201eIch bin da\u201c, wei\u00df man nicht, ob es nicht schon l\u00e4ngst zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Delphine de Vigans Roman dieselt wie auch ihrer fr\u00fcheren B\u00fccher sehr lange im Leser nach. Er geht ihm unter die Haut. Man kann das Buch und vor allen Dingen die Personen lange nicht vergessen. Wie viele Theos und Mathisse sitzen da in unseren Klassenzimmern und wie viele Lehrer nehmen \u00fcberhaupt noch wahr, was mit ihnen los ist?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Delphine de Vigan, Loyalit\u00e4ten, Dumont 2018, ISBN 978-3-8321-8359-2 &nbsp; Das neue Buch von Delphine de Vigan hat mich tief beeindruckt und bewegt. Sie erz\u00e4hlt daran von Menschen, die allesamt eine B\u00fcrde mit sich herumtragen, die aber nicht offensichtlich werden darf. 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