{"id":6536,"date":"2018-10-04T13:57:00","date_gmt":"2018-10-04T11:57:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6536"},"modified":"2018-10-04T13:57:00","modified_gmt":"2018-10-04T11:57:00","slug":"bruder-und-schwester-lenobel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6536","title":{"rendered":"Bruder und Schwester Lenobel"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/52360876n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6537\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/52360876n-196x300.jpg\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/52360876n-196x300.jpg 196w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/52360876n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Michael K\u00f6hlmeier, Bruder und Schwester Lenobel, Hanser 2018, ISBN 978-3-446-25992-8-<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Michael K\u00f6hlmeiers neuer volumin\u00f6ser Roman \u201eBruder und Schwester Lenobel\u201c ist ein neues Beispiel seiner gro\u00dfen Erz\u00e4hlkunst. Manche Rezensenten seines Buches haben ihm vorgeworfen, seine Geschichten und Episoden, die das Buch bev\u00f6lkern, seien ausgeufert und h\u00e4tten den roten Faden aus dem Blick verloren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich kann das nach meiner Lekt\u00fcre nicht best\u00e4tigen. Ich war begeistert von dieser unb\u00e4ndigen Lust am Erz\u00e4hlen, von der poetischen Kraft von K\u00f6hlmeiers Sprache und seiner Kunst, in den Ablauf seiner Handlung eine Vielzahl sehr interessanter Themen einzuflechten.<\/p>\n<p>Es geht um die Familie Lenobel in Wien. Robert Lenobel, etwa 56 Jahre alt, Jude ohne spirituelle Heimat, arbeitet als Psychoanalytiker der klassischen Freudschen Schule unweit der ehemaligen Wirkungsst\u00e4tte seines gro\u00dfen Lehrers. Er ist verheiratet mit Hanna. Sie f\u00fchrt zusammen mit einer Freundin die einzige j\u00fcdische Buchhaltung in Wien, obwohl beide nicht von Juden abstammen. Doch Hanna hat eine Affinit\u00e4t zum Judentum.<\/p>\n<p>Robert hat eine sechs Jahre j\u00fcngere Schwester namens Jetti, eine sch\u00f6ne und beruflich erfolgreiche Frau, der es jedoch trotz vieler Beziehungen zu M\u00e4nnern nie gelungen ist, den \u201eRichtigen\u201c zu finden. Als sie doch einmal nahe dran ist mit einem Mann konstatiert sie: &#8222;Er ist der Richtige f\u00fcr mich, aber ich bin nicht die Richtige f\u00fcr ihn.&#8220; Ihr Leben zerrinnt ihr zwischen den Fingern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist Mai, Jetti lebt seit einigen Jahren in Irland, wo sie mit anderen eine erfolgreiche Kulturagentur betreibt, als sie von ihrer Schw\u00e4gerin Hanna eine fast panische Mail bekommt. Sie soll sofort nach Wien kommen, ihr Bruder Robert werde anscheinend verr\u00fcckt. Jetti fliegt nach Wien und findet ihre Schw\u00e4gerin aufgel\u00f6st. Robert ist ohne irgendeinen Hinweis zu geben, verschwunden. Doch Jetti glaubt nicht daran, dass ihr Bruder verr\u00fcckt geworden ist. Sie kennt ihre sehr ungew\u00f6hnliche j\u00fcdische Familie, deren bewegte und f\u00fcr alle folgenreiche Geschichte K\u00f6hlmeier in vielen R\u00fcckblicken erz\u00e4hlt. Das eine Gro\u00dfelternpaar von Robert und Jetti, die KZ-Gro\u00dfeltern, wie sie in der Familie seit jeher genannt werden, sind im Holocaust ermordet worden. Und die anderen Gro\u00dfeltern, die rechtzeitig vor den Nazis nach Pal\u00e4stina geflohen sind, haben sich 1967 in Israel gemeinsam umgebracht. Keine Frage, dass eine solche Geschichte bis in die zweite und dritte Generation der Nachkommen folgenreiche Auswirkungen hat. Jetti wei\u00df aus Erfahrung, dass in ihrer Familie immer mit allem zu rechnen ist.<\/p>\n<p>Dann, nach einigen Tagen, kommt eine Email-Nachricht von Robert: \u00a0\u201eIch bitte dich, dass Du mit niemandem dar\u00fcber sprichst!!! Ich will es so. Ich bin in Israel, dem Land der V\u00e4ter. Aber an die V\u00e4ter denke ich nicht.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In m\u00e4andernden Erz\u00e4hlungen und Geschichten, die von der Gegenwartsebene immer wieder zur\u00fcckblicken auf die Geschichte vor allem von Robert und Jetti, aber auch von Hanna und auch dem gemeinsamen Freund und Schriftsteller Sebastian Lukasser, folgt Michael K\u00f6hlmeier den merkw\u00fcrdigen und verschlungenen Lebensl\u00e4ufen dieser Menschen. \u00dcberbordend, Worte wie ein sprudelnder Brunnen hervorbringend in einer kraftvollen und poetischen Sprache erz\u00e4hlt er von dem, was jeder in dieser j\u00fcdischen Familie ein Leben lang mit sich herumtr\u00e4gt und von den oft vergeblichen Versuchen, sich daraus zu befreien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man sp\u00fcrt jeder Satzkonstruktion, jeder eingesprengten Untererz\u00e4hlung die Lust am Fabulieren ab. Doch niemals verliert K\u00f6hlmeier seinen Erz\u00e4hlungsfaden. Deshalb folgt man als Leser gerne seinen Umwegen. Ich war von diesem Buch, das voller Tragik steckt und gleichzeitig voller hintergr\u00fcndigem Witz, regelrecht begeistert und habe mich \u00fcber mehrere Tage von seiner erz\u00e4hlerischen\u00a0 Leidenschaft und seiner inhaltlichen und menschlichen Tiefe entf\u00fchren lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfartiges und meisterhaft geschriebenes Buch.<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Michael K\u00f6hlmeier, Bruder und Schwester Lenobel, Hanser 2018, ISBN 978-3-446-25992-8- &nbsp; Michael K\u00f6hlmeiers neuer volumin\u00f6ser Roman \u201eBruder und Schwester Lenobel\u201c ist ein neues Beispiel seiner gro\u00dfen Erz\u00e4hlkunst. 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