{"id":6573,"date":"2018-10-11T11:39:47","date_gmt":"2018-10-11T09:39:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6573"},"modified":"2018-10-11T11:39:47","modified_gmt":"2018-10-11T09:39:47","slug":"mein-ein-und-alles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6573","title":{"rendered":"Mein Ein und Alles"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/51399285n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6574\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/51399285n-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/51399285n-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/51399285n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gabriel Tallent, Mein Ein und Alles, Penguin 2018, ISBN 978-3-328-60028-2<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eMein Ein und Alles\u201c ist ein Romandeb\u00fct, das in den USA eine gespaltene Rezeption erfahren hat, denn in einem solchen Ton wurde so vorher dort noch nie \u00fcber Gewalt und Kindesmissbrauch geschrieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist ein Roman voller wunderbarer und sprachlich in einer solchen Form noch nie gelesenen Beschreibungen der nordkalifornischen Natur, die der Autor jahrelang als Guide durchstreift und kennengelernt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der wirklich unter die Haut gehenden Roman erz\u00e4hlt die Befreiungsgeschichte der 14-j\u00e4hrigen Julia Alveston, genannt Turtle, die\u00a0 seit dem fr\u00fchen Tod ihrer Mutter allein mit ihrem waffennarrigen Vater Martin zusammenlebt. Sie w\u00e4chst in einem heruntergekommenen M\u00e4nnerhaushalt auf und teilt die Vorstellung ihres Vaters, dass man mit der Waffe in der Hand jeden Tag um sein \u00dcberleben k\u00e4mpfen muss. Der Vater \u00fcbt schon von fr\u00fch auf mit Turtle den Umgang mit Waffen und sie ist auch eine hervorragende Sch\u00fctzin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch so sehr sie ihren Vater liebt, so sehr f\u00fcrchtet sie seine sexuellen \u00dcbergriffe und die fast t\u00e4glichen Vergewaltigungen. In stundenlangen M\u00e4rschen durch die Natur, wo sie jede Pflanze und jedes Lebewesen genau mit Namen kennt, sucht sie vor diesen \u00dcbergriffen Zuflucht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Beschreibungen dieses permanenten physischen und psychischen Missbrauchs und wie sie Turtle in eine H\u00f6lle sich widersprechender Gef\u00fchle st\u00fcrzen, sind schwer zu ertragen weil sie \u00e4hnlich genau und differenziert formuliert sind wie Tallents au\u00dfergew\u00f6hnliche Naturbeschreibungen. Ich nehme an, es waren diese Szenen und die Kritik an dem Waffenfetischismus des Vaters, die das Buch in den USA so umstritten machten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Turtles Schicksal scheint aussichtslos. Auch der in der N\u00e4he wohnende Gro\u00dfvater, der seinen Sohn genau kennt und offenbar ahnt, was sich in dessen Haus abspielt, kann dem M\u00e4dchen nicht helfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Turtle in der Schule einen Jungen namens Jacob kennenlernt und in einer langsamen Ann\u00e4herung erf\u00e4hrt, wodurch sich wahre Freundschaft auszeichnet, findet sie schrittweise den Mut, sich gegen den Vater aufzulehnen. Ihre zuvor enge Welt \u00f6ffnet sich und viele neue, aber angsterregende M\u00f6glichkeiten liegen offen vor ihr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Martin sp\u00fcrt sehr schnell, das seine Tochter sich von ihm absetzt: Mit brutaler Gewalt versucht er Turtle wieder in die Zucht zu nehmen. Er kann und will seine Tochter nicht loslassen. Als er eines Tages ein j\u00fcngeres M\u00e4dchen mitbringt, die er genauso missbraucht, da fallen Turtle alle Schuppen von den Augen und es beginnt ein langer Kampf um Leben und Tod.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Buch schildert, mit Wucht und Zartheit gleicherma\u00dfen, den Befreiungskampf eines zuvor in der H\u00f6lle der v\u00e4terlichen Macht und Begierde gefangenen M\u00e4dchens. Gabriel Tallent tut das als Romandeb\u00fctant in einer so vorher noch nie gelesenen Sprache, einer Sprache, die einen nicht losl\u00e4sst, regelrecht \u00fcberw\u00e4ltigend und trotz aller furchtbaren Gewalt, die beschrieben wird, mit einer z\u00e4rtlich-poetischen Sch\u00f6nheit. Sie aus dem Amerikanischen zu \u00fcbersetzen war sicher nicht leicht ist aber Stephan Kleiner hervorragend gelungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer solch einen Erstling vorlegt, dem traut man viel zu. Doch nach einem solchen \u201eMeisterwerk\u201c (Stephen King) einen Nachfolger zu pr\u00e4sentieren, wird nicht leicht werden. Ich jedenfalls warte gespannt darauf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Gabriel Tallent, Mein Ein und Alles, Penguin 2018, ISBN 978-3-328-60028-2 &nbsp; \u201eMein Ein und Alles\u201c ist ein Romandeb\u00fct, das in den USA eine gespaltene Rezeption erfahren hat, denn in einem solchen Ton wurde so vorher dort noch nie \u00fcber Gewalt und Kindesmissbrauch geschrieben. &nbsp; Es ist ein Roman voller wunderbarer und sprachlich &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6573\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Mein Ein und Alles<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6573","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6573","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6573"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6573\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6575,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6573\/revisions\/6575"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6573"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6573"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6573"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}