{"id":6604,"date":"2018-10-16T08:17:00","date_gmt":"2018-10-16T06:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6604"},"modified":"2018-10-16T08:17:00","modified_gmt":"2018-10-16T06:17:00","slug":"grenzgaenger-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=6604","title":{"rendered":"Grenzg\u00e4nger"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/52243892n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6605\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/52243892n-196x300.jpg\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/52243892n-196x300.jpg 196w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/52243892n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mechthild Borrmann, Grenzg\u00e4nger, Droemer 2018, ISBN 978-3-426-28179-6<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In ihrem 2016 erschienenen Bestsellerroman \u201eTr\u00fcmmerkind\u201c schilderte die schon mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnete Mechthild Borrmann in einer Geschichte aus der deutschen Vergangenheit die schmerzliche Suche einer Frau nach der Wahrheit. Eine Frau, die erkennen muss, dass und wie ein Verbrechen auf schicksalhafte Weise mit der Geschichte ihrer Familie verbunden ist. Ich habe diesen sehr gelungenen Roman damals geradezu verschlungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entsprechend gespannt war ich auf ihren gerade erschienenen neuen Roman \u201eGrenzg\u00e4nger\u201c. Wieder siedelt sie den einen Teil der Handlung in den Nachkriegsjahren an und den anderen in das Jahr 1970. Und wieder schafft sie es mit einer ausgefeilten Sprache ihren Leser wie in einem Sog sofort an sich zu binden mit einem Plot, der die Geschichte einer lebenshungrigen Frau erz\u00e4hlt, die trotz einer langen und brutalen Vergangenheit als Heimkind an die Gerechtigkeit glaubt und fast daran zerbricht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Familie Sch\u00f6ning, um die es geht, lebt in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in einem kleinen Dorf nahe der deutsch-belgischen Grenze. Dort bl\u00fcht der Kaffeeschmuggel, ohne den viele Menschen dort nicht \u00fcberleben k\u00f6nnten. Auch die 17- j\u00e4hrige Henni, die nach dem fr\u00fchen Tod der Mutter die Familie f\u00fchrt und die j\u00fcngeren Geschwister versorgt, macht bald dabei mit und kann mit den Erl\u00f6sen des Schmuggels den totalen Ausfall des Vaters mehr als ausgleichen. Der hatte sich, nachdem er aus der Gefangenschaft heimkehrte, keine Arbeit gesucht, auch zuhause nichts gemacht und -fromm geworden- seine ganze Zeit in der Kirche und bei dem katholischen Priester verbracht, der im Laufe der Handlung noch eine sehr unr\u00fchmliche Rolle spielen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als dann aber irgendwann eine Schmugglergruppe erwischt wird, wandern die Erwachsenen ins Gef\u00e4ngnis und Hennis Vater will sie mit der Unterst\u00fctzung des Priesters in ein Heim geben und die anderen Kinder mit dazu. Doch noch kann Henni das verhindern, indem sie heimlich erst allein und dann auch mit ihren Geschwistern und anderen alte Schmugglerouten durch das t\u00fcckische Moorgebiet der Hohen Venn nutzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lange geht das gut und Henni kann f\u00fcr ihre Geschwister sorgen, doch eines Tages werden sie erwischt und ihre j\u00fcngere Schwester wird von einem Z\u00f6llner erschossen, der im Dorf wohnt. Henni wird daraufhin, 1951, in eine Besserungsanstalt gesteckt und ihre Geschwister werden vom Vater mit tatkr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung der Pfarrers in ein kirchliches Kinderheim in Trier gegeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Roman schildert eindrucksvoll und bewegend die Zust\u00e4nde sowohl in der Besserungsanstalt, wo Henni geduldig wartet bis sie vollj\u00e4hrig ist, als auch in dem kirchlichen Heim in Trier, in dem ihr Bruder Matthias nach einer wahren Folterbehandlung an Lungenentz\u00fcndung stirbt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem Henni nach ihrer Entlassung bei der Familie eines Landtagsabgeordneten als Haushaltshilfe unterkommt, ruht sie nicht, Kontakt mit ihren Geschwistern aufzunehmen. Als sie vom Tod des Bruders erf\u00e4hrt, dreht sie fast durch und sucht verzweifelt nach Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch als sie schon verheiratet ist, gibt sie die Suche nicht auf. Immer gegen den Willen ihres Vaters, der sich immer noch weigert, sich um seine Kinder zu k\u00fcmmern.\u00a0 Als der bei einem Brand seines Hauses ums Leben kommt, wird Henni angeklagt.\u00a0 Und viele fr\u00fchere Freunde trauen sich aus der Deckung um ihr zu helfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mechthild Borrmann erz\u00e4hlt eine unter die Haut gehenden Geschichte, in der sie Tausende von Opfern gerade kirchlicher Kinderheime in den Jahrzehnten nach dem Krieg so etwas wie Gerechtigkeit erfahren l\u00e4sst. Man kann es aus heutiger Sicht kaum glauben, welche brutalen und menschenunw\u00fcrdigen Zust\u00e4nde dort unter dem Deckmantel der Religion herrschten und kleine Menschenkinder f\u00fcr ihr ganzes Leben zerst\u00f6rten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Roman, der sich liest wie ein Krimi und doch auch ein Teil deutscher Sozialgeschichte erz\u00e4hlt. Auf den n\u00e4chsten Roman von Mechthild Borrmann darf man gespannt sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Mechthild Borrmann, Grenzg\u00e4nger, Droemer 2018, ISBN 978-3-426-28179-6 &nbsp; In ihrem 2016 erschienenen Bestsellerroman \u201eTr\u00fcmmerkind\u201c schilderte die schon mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnete Mechthild Borrmann in einer Geschichte aus der deutschen Vergangenheit die schmerzliche Suche einer Frau nach der Wahrheit. 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