{"id":670,"date":"2015-10-16T10:32:37","date_gmt":"2015-10-16T08:32:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=670"},"modified":"2015-10-16T10:32:37","modified_gmt":"2015-10-16T08:32:37","slug":"lila","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=670","title":{"rendered":"Lila"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/42671815z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-671\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/42671815z-183x300.jpg\" alt=\"42671815z\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/42671815z-183x300.jpg 183w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/42671815z.jpg 290w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Marilynne Robinson, Lila, S. Fischer 2015, ISBN 978-3-10-002430-5<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Marilynne Robinson, geboren 1943, gilt seit langem als eine der besten Schriftstellerinnen Amerikas. Die Protagonisten ihrer B\u00fccher zeichnen sich durchweg aus durch eine F\u00e4higkeit zur Empathie, die selten ist, und wie nicht von dieser Welt.<\/p>\n<p>So auch die Menschen, die in dem Roman \u201eLila\u201c beschrieben werden. \u201eLila\u201c bildet den Abschluss einer Trilogie, deren beiden ersten Teile \u201eGilead\u201c (2004) und \u201eHome\u201c jeweils mit Preisen \u00fcberh\u00e4uft wurden.<\/p>\n<p>Lila ist zur der Zeit, in der die Haupthandlung des Buches spielt, Anfang der 50 er Jahre \u2013 die USA f\u00fchren Krieg in Korea &#8211; eine erwachsene Frau, die es irgendwann in den kleinen Ort Gilead in Iowa verschl\u00e4gt. Mit diesem Ort und den Menschen, die dort wohnen, erinnert Marilynne Robinson an die vergessene Geschichte des Mittleren Westens der USA. Hier in Gilead wird sie von dem g\u00fctigen, weit \u00fcber 70 Jahre alten Prediger John Ames aufgenommen. Er heiratet Lila und zeugt einen Sohn mit ihr, den sie auch gl\u00fccklich zur Welt bringt. Das alles wei\u00df der Leser des Romans schon nach wenigen Seiten.<\/p>\n<p>In zwei Zeitebenen, der Gegenwart des neuen Lebens von Lila mit dem alten Prediger in Gilead und ihrem Versuch, die G\u00fcte und den f\u00fcr einen calvinistischen Theologen erstaunlich offenen und zweiflerisch-philosophischen Glauben ihres Mannes zu verstehen und anzunehmen, und der Vergangenheit Lilas in den zwanziger und drei\u00dfiger Jahren des 20. Jahrhunderts wird die Geschichte Lilas erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Von der Zeit, als sie als Findelkind von der Wanderarbeiterin Doll mitgenommen wird. Doll schlie\u00dft sich einer Gruppe von Wanderarbeitern unter der F\u00fchrung von Doane an. Acht Jahre lang ziehen sie mit ihm und seinen Leuten durchs Land, doch wegen einer gro\u00dfen D\u00fcrre und wegen der im Crash von 1929 gipfelnden Wirtschaftskrise finden sie bald keine Arbeit mehr bei den Farmern.<\/p>\n<p>Nachdem Doll mit ihrem Messer einen Mann get\u00f6tet hat (war es Lilas Vater?) sieht sie sich auf sich allein zur\u00fcckgeworfen und muss sich fortan unter anderem in einem Hurenhaus in St. Louis allein durchs Leben k\u00e4mpfen. Als sie von dort weggeht, findet sie unterwegs eine alte H\u00fctte, in der sie unterschl\u00fcpft und wo sie nach wenigen Tagen von John Ames gefunden wird.<\/p>\n<p>Langsam werden dem Leser in zahlreichen R\u00fcckblenden das Leben und das Schicksal Lilas vor dieser Zeit beschrieben. Immer wieder zweifelt sie, was sie davon ihrem Mann, der sich r\u00fchrend um sie k\u00fcmmert, offenbaren kann und was sie lieber f\u00fcr sich beh\u00e4lt, zumal sie als Frau des Pfarrers in dessen Gemeinde nun eine \u00f6ffentliche Person ist.<\/p>\n<p>Ganz am Ende, der Sohn ist geboren und hat nach einer kurzen lebensbedrohlichen Schw\u00e4che nach der Geburt \u00fcberlebt, nach vielen Gespr\u00e4chen dar\u00fcber, dass Lila angesichts des hohen Alters ihres Mannes noch vor dem Erwachsenwerden des Kindes wieder alleine sein wird, ist ihr Vertrauen und ihre Liebe zu dem alten Mann so stark geworden, dass die Autorin sicher ist: \u201eEines Tages w\u00fcrde sie ihm sagen, was sie wusste.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr mich stehen die zahllosen Gespr\u00e4che von John Ames und Lila Dahl, wie man sie bald bei den Wanderarbeitern nannte, \u00fcber theologische und philosophische Fragen im Mittelpunkt eines Buches, von dem die Autorin Zsuzsa Bank, die in ihrem Entwicklungsroman \u201eDie hellen Tage\u201c 2012 auf \u00e4hnliche Weise das Erwachsenwerden dreier vom Schicksal schwer getroffener Kinder beschrieb, sagt:<\/p>\n<p>\u201eEtwas zutiefst Tr\u00f6stliches liegt in dem Wissen, das zwei sich nicht nur finden k\u00f6nnen \u2013 sondern auch sch\u00fctzen und halten. Diese Ann\u00e4herung wird so zur\u00fcckgenommen, so tastend behutsam erz\u00e4hlt, dass man sich ein wenig sch\u00e4mt, wenn man Lila und John weiter beobachtet, w\u00e4hrend sie reden, sich \u00f6ffnen und bekennen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eLila\u201c ist so etwas wie der andere Zwilling von \u201eGilead\u201c, wo die Geschichte von John und Lila aus einem anderen Blickwinkel erz\u00e4hlt wird, steht aber als Buch v\u00f6llig f\u00fcr sich. Es ist ein Buch, das in die Tiefe geht und den Leser dort auch ansprechen will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Marilynne Robinson, Lila, S. Fischer 2015, ISBN 978-3-10-002430-5 &nbsp; Marilynne Robinson, geboren 1943, gilt seit langem als eine der besten Schriftstellerinnen Amerikas. Die Protagonisten ihrer B\u00fccher zeichnen sich durchweg aus durch eine F\u00e4higkeit zur Empathie, die selten ist, und wie nicht von dieser Welt. 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