{"id":7011,"date":"2019-01-09T14:58:20","date_gmt":"2019-01-09T12:58:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7011"},"modified":"2019-01-09T14:58:20","modified_gmt":"2019-01-09T12:58:20","slug":"zuhause-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7011","title":{"rendered":"Zuhause"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/52461016n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7012\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/52461016n-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/52461016n-184x300.jpg 184w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/52461016n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Marilynne Robinson, Zuhause, S. Fischer 2018, ISBN 978-3-10-002458-9<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Marilynne Robinson, geboren 1943, gilt seit langem als eine der besten Schriftstellerinnen Amerikas. Die Protagonisten ihrer B\u00fccher zeichnen sich durchweg aus durch eine F\u00e4higkeit zur Empathie, die selten ist, und wie nicht von dieser Welt.<\/p>\n<p>Marilynne Robinsons erst sehr sp\u00e4t in einer deutschen \u00dcbersetzung bei S. Fischer erschienene Romantrilogie um den erfundenen Ort Gilead z\u00e4hlt zu dem besten, was die zeitgen\u00f6ssische amerikanische Literatur zu bieten hat. Sie hat, ein Buch nach dem anderen, mit Gilead und seinen Menschen einen Kosmos geschaffen, der seine Leser mit jedem Buch mehr gefangen nimmt. In den USA erschienen die drei Romane in der Reihenfolge \u201eGilead\u201c, \u201eZuhause\u201c und \u201eLila\u201c.<\/p>\n<p>In Deutschland hat S. Fischer 2018 mit dem letzten Roman begonnen, vielleicht weil die ber\u00fchrende Geschichte der ehemaligen Wanderarbeiterin Lila, die w\u00e4hrend des Koreakriegs nach Gilead kommt und den kongregationalistischen Prediger John Ames heiratet, dem schon \u00fcber siebzigj\u00e4hrigen Mann einen Sohn schenkt und mit ihm herrliche und tiefsinnige theologische Debatten f\u00fchrt, auf dem deutschen Markt zun\u00e4chst mehr Erfolg versprach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich schrieb neben anderen lobenden Rezension die Autorin Zsuzsa Bank schon bald nach Erscheinen des Buches begeistert:<\/p>\n<p>\u201eEtwas zutiefst Tr\u00f6stliches liegt in dem Wissen, das zwei sich nicht nur finden k\u00f6nnen \u2013 sondern auch sch\u00fctzen und halten. Diese Ann\u00e4herung wird so zur\u00fcckgenommen, so tastend behutsam erz\u00e4hlt, dass man sich ein wenig sch\u00e4mt, wenn man Lila und John weiter beobachtet, w\u00e4hrend sie reden, sich \u00f6ffnen und bekennen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie auch in \u201eLila\u201c ging es in dem zweiten bei S. Fischer erschienenen Band \u201eGilead\u201c um viel Theologie und Glauben. Immer wieder ist bei Marilynne Robinson\u00a0 die Rede davon und der Bedeutung des Glaubens dabei, die Ungeheuerlichkeit des Lebens zu begreifen, was allerdings immer nur in der R\u00fcckschau funktioniert. Beide Romane atmen eine tiefe Glaubensgewissheit, die tr\u00f6stet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tr\u00f6stend und sehr bewegend ist auch der hier vorliegende Band \u201eZuhause\u201c, der wie eine Fortsetzung zu \u201eGilead\u201c gelesen werden kann.<\/p>\n<p>In diesem Buch kehrt die Tochter des presbyterianischen Predigers Robert Boughton im Alter von vierzig Jahren mit relativ leeren H\u00e4nden und alleinstehend nach Gilead zur\u00fcck, um dort ihren mittlerweile verwitweten sterbenden Vater zu pflegen und ihm beizustehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter kehrt auch ihr Bruder Jack nach 20 Jahren in der Fremde heim. Jack ist ein Mann, der schon fr\u00fch bei allen angeeckt ist, viel trinkt und mit nichts richtig Erfolg hat. Dennoch war und ist er den Liebling seines Vaters, der ihn deshalb aber zeitlebens nicht weniger streng angefasst hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Geschickt mit dem biblischen Thema des verlorenen Sohnes spielend, erz\u00e4hlt Robinson davon, wie sich Glory und Jack langsam ann\u00e4hern und wie auch der Vater versucht, trotz all seiner Entt\u00e4uschung wieder einen Draht zu seinem Sohn\u00a0 zu finden. Doch was ist, wenn der verloren Sohn sich selbst f\u00fcr verloren h\u00e4lt, weil er eben schon immer so ist wie er ist, schlecht und verdorben. Die calvinistische Lehre von der Pr\u00e4destination, mit der als Kind eines Predigers aufgewachsen ist, hat hier wohl volle Wirkung gezeigt. Alle Liebe seiner Schwester und alle Vergebungsbereitschaft des Vaters scheinen vergeblich.\u00a0 Und auch dem Vater Robert Boughton scheint so etwas wie ein theologischer Lebensirrtum zu d\u00e4mmern, als er in einem der zahlreichen theologischen Debatten mit seinem Freund John Ames, die man mit gro\u00dfer Lust in allen drei Romanen verfolgen kann sagt:<\/p>\n<p>\u201eJa, ich habe lange gegr\u00fcbelt, wie sich das R\u00e4tsel der Pr\u00e4destination mit dem R\u00e4tsel der Erl\u00f6sung in Einklang bringen l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wahrscheinlich gar nicht, insinuiert Robinson, die nicht m\u00fcde wird, in der Liebe und der Vergebung jenes Tor zu sehen, durch das die Menschen gehen m\u00fcssen, um ihre alte Lasten abzulegen und neu mit ihrem Leben zu beginnen.<\/p>\n<p>Robinsons Romane haben \u00fcber ihre hohe literarische Qualit\u00e4t hinaus wie nur wenige B\u00fccher eine gro\u00dfe vision\u00e4re Kraft. Und das h\u00e4ngt mit der Zeitlosigkeit oder Ewigkeit des Glaubens an einen Sch\u00f6pfer zusammen, aus dem ihre Protagonisten ihr ganzes Leben ihre Kraft und ihren Trost gezogen haben und von dem auch die Autorin tief durchdrungen scheint.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht ohne Grund endet dieser urspr\u00fcnglich zweite Teil der Trilogie mit den Worten \u201eGro\u00df sind die Wunder des Herrn.\u201c In \u201eLila\u201c wird diese Gnade noch einmal aus der Sicht von John\u00a0 Ames und seiner jungen Frau erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Welche Reihenfolge man w\u00e4hlt bei der Lekt\u00fcre dieser wunderbaren B\u00fccher, man wird den Eindruck haben, den die jeder religi\u00f6sen \u00dcberzeugung\u00a0 unverd\u00e4chtige Carolin Emcke so beschrieben hat:<\/p>\n<p>\u201eWas f\u00fcr ein Geschenk. Marilynne Robinsons Texte \u00fcben eine magische Wirkung aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Marilynne Robinson, Zuhause, S. Fischer 2018, ISBN 978-3-10-002458-9 &nbsp; &nbsp; Marilynne Robinson, geboren 1943, gilt seit langem als eine der besten Schriftstellerinnen Amerikas. Die Protagonisten ihrer B\u00fccher zeichnen sich durchweg aus durch eine F\u00e4higkeit zur Empathie, die selten ist, und wie nicht von dieser Welt. 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