{"id":7018,"date":"2019-01-10T15:42:03","date_gmt":"2019-01-10T13:42:03","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7018"},"modified":"2019-01-10T15:42:03","modified_gmt":"2019-01-10T13:42:03","slug":"verwirrnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7018","title":{"rendered":"Verwirrnis"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/52365186n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7019\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/52365186n-179x300.jpg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/52365186n-179x300.jpg 179w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/52365186n.jpg 239w\" sizes=\"auto, (max-width: 179px) 100vw, 179px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Christoph Hein, Verwirrnis, Suhrkamp 2018, ISBN 978-3-51842822-1<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der neue Roman von Christoph Hein erz\u00e4hlt auf dem Hintergrund der Nachkriegsgeschichte der DDR die Geschichte zwei homosexueller Freunde.<\/p>\n<p>Friedeward Ringeling und Wolfgang Zernick wachsen beide in Heiligenstadt im streng katholischen Eichsfeld auf. In beiden Elternh\u00e4usern spielt die Religion auch im neuen sozialistischen Staat eine gro\u00dfe Rolle. Friedewards Vater ist ein strenger Lehrer, der ihn und seinen Bruder Hartwig bei jedem m\u00f6glichen Vergehen mit dem Siebenstriemer schl\u00e4gt. Wolfgangs Vater ist Kantor der \u00f6rtlichen Kirchengemeinde und regiert in seiner Familie weitaus weniger streng.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Friedewald und Wolfgang lieben sich und erleben auf vielen Zelturlauben an der Ostsee ihr Coming-Out. Nat\u00fcrlich darf keiner im katholischen Heiligenstadt von ihrer verbotenen Liebe erfahren. W\u00fcrde ihre Beziehung entdeckt, w\u00fcrden die beiden in der Schule sehr erfolgreichen jungen M\u00e4nner alles verlieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach ihrem erfolgreichen Abitur gehen beide nach Leipzig zum Studium. W\u00e4hrend Friedeward nach einem Semester in Jena schon sein Fach wechselt, nach Leipzig zieht und schlie\u00dflich mit wachsender Begeisterung und gro\u00dfem Erfolg Germanistik studiert, widmet sich Wolfgang dem Studium der Musik und wird sp\u00e4ter mit wechselndem Erfolg als Kantor arbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Leipzig entfliehen sie der Enge des Eichsfelds, tauchen ein in eine Welt von ber\u00fchmten und gefeierten Intellektuellen und erleben eine vorher nicht gekannte Freiheit. Sie lernen die sympathische Jacqueline kennen, die eine heimliche Beziehung zu einer \u00e4lteren Dozentin namens Herlinde hat, die sie ein Leben lang f\u00fchren wird. Diese Freundschaft zu Jacqueline wird Friedeward lange sch\u00fctzen und auch die junge Frau hat mit ihrer Beziehung zu dem bald zum Assistenten aufsteigenden Friedeward ein willkommenes Alibi.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, als nach dem 17. Juni 1953 und erst recht nach dem Mauerbau 1963 die Verh\u00e4ltnisse rigider werden und auch der ber\u00fchmte Hans Mayer, der bald schon zum v\u00e4terlichen Mentor von Friedeward geworden ist, seine Privilegien verliert und schlie\u00dflich in den Westen flieht, kann nur noch die Heirat Friedewards mit Jacqueline ihn in der Fakult\u00e4t weiter sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christoph Hein nimmt seinen Leser mit in die Geschichte Leipzig zwischen 1950 und 1993, seine ber\u00fchmte Universit\u00e4t und ihre auch im Westen bekannten und anerkannten Gelehrten, &#8222;auf die ganz Leipzig stolz war und die \u00fcberall in der Stadt, in jedem Caf\u00e9 mit bewundernden Blicken bedacht wurden und deren Namen selbst den Taxifahrern vertraut waren\u2026, die heimlichen, die eigentlichen F\u00fcrsten von Leipzig&#8220;.<\/p>\n<p>Sein Roman ist eine ber\u00fchrende Geschichte zweier homosexueller M\u00e4nner, die sich sp\u00e4ter trotz verschiedener Wege nie aus den Augen verlieren und gleichzeitig ein lebendiges Panorama deutschen Geisteswesens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er wirft, wenn er die Zeit nach der Wende beschreibt, einen sehr kritischen Blick darauf, wie nach der Wende auch die Universit\u00e4ten abgewickelt und unz\u00e4hlige wissenschaftliche Existenzen f\u00fcr immer zerst\u00f6rt wurden. Gleichzeitig ist es eine Hommage an den unvergessenen Germanisten Hans Mayer, in dessen geistige N\u00e4he Hein seinen Protagonisten Friedeward angesiedelt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Friedewards trauriges Lebensende 1993 zeigt nicht nur die pers\u00f6nlichen Folgen einer rigiden Wendepolitik, sondern auch, wie noch vor 25 Jahren bei aller Liberalit\u00e4t Homosexuelle ihre Sexualit\u00e4t und Liebe verstecken mussten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eVerwirrnis\u201c ist deshalb ein doppeldeutiger Titel eines Buches, das n\u00fcchtern erz\u00e4hlt ist und doch zu seinen Figuren eine gro\u00dfe N\u00e4he sp\u00fcren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht nur wegen diesem neuen Buch z\u00e4hlt Christoph Hein zu den wichtigsten Zeitzeugen der Geschichte der DDR und der Wendezeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Christoph Hein, Verwirrnis, Suhrkamp 2018, ISBN 978-3-51842822-1 &nbsp; Der neue Roman von Christoph Hein erz\u00e4hlt auf dem Hintergrund der Nachkriegsgeschichte der DDR die Geschichte zwei homosexueller Freunde. 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