{"id":7025,"date":"2019-01-17T09:03:10","date_gmt":"2019-01-17T07:03:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7025"},"modified":"2019-01-17T09:03:10","modified_gmt":"2019-01-17T07:03:10","slug":"die-schwere-hand-avi-avraham-ermittelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7025","title":{"rendered":"Die schwere Hand. Avi Avraham ermittelt"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/49473293n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7026\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/49473293n-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/49473293n-184x300.jpg 184w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/49473293n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dror Mishani, Die schwere Hand. Avi Avraham ermittelt, Zsolnay 2018, ISBN 978-3-552-05884-2<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dror Mishani ist als Literaturprofessor in Jerusalem seit langem spezialisiert auf die Geschichte der Kriminalliteratur. Sich auf diesem Gebiet hervorragend auszukennen, war aber keine Versicherung daf\u00fcr, dass der erste eigene Versuch, einen Kriminalroman zu schreiben, auch erfolgreich sein w\u00fcrde und eine entsprechende Qualit\u00e4t haben w\u00fcrde. Dennoch schlug im Jahr 2013 sein erster Roman \u201e Vermisst\u201c nicht nur in Israel voll ein und begeisterte die Kritik und die Leser. Auch der damals noch lebende Henning Mankell nannte das Buch von seinem Verlag um eine Stellungnahme gebeten \u201eoriginell und hervorragend\u201c und war von Mishanis Hauptfigur Avi Avraham begeistert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit ihm hat ein ganz spezieller Ermittler die B\u00fchne der internationalen Kriminalliteratur betreten. Seine F\u00e4lle spielen in Cholon, einem Vorort der israelischen Metropole Tel Aviv. Dort ist der zun\u00e4chst noch alleinstehende, ziemlich schrullige Kommissar Avi Avraham zust\u00e4ndig f\u00fcr allerlei kleinere und gr\u00f6\u00dfere Delikte. Mal ist es eine Schulhofpr\u00fcgelei, mal ein Diebstahl. Nichts Weltbewegendes und vor allen Dingen nichts, was Avi aus der Ruhe bringen k\u00f6nnte. Er strahlt zun\u00e4chst etwas aus wie Langeweile und eine subtile Form von Inkompetenz, und man fragt sich als Leser, wie ein solcher Ermittler erfolgreich sein kann.<\/p>\n<p>Im ersten Band, als er nach einem verschwundenen Jungen sucht, l\u00e4sst er zu dessen Eltern die n\u00f6tige Distanz vermissen und leidet in der Folge schwer unter seinen Fehlern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er nimmt eine Auszeit und lernt in Belgien eine Frau kennen. Die nicht unkomplizierte Entwicklung der Beziehung von Avi Avraham zu dieser Frau ist neben einem neuen Fall das Thema des 2015 erschienenen zweiten Bandes der Reihe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun, nach dreij\u00e4hriger Pause. Legt der Zsolnay Verlag den dritten Band der Reihe vor, mit dem sich nach Meining des Krimiexperten der ZEIT, Tobias Gohlis, endg\u00fcltig in die Weltspitze der Krimiautoren geschrieben hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Handlung spielt 2014 oder 2015 wieder in Cholon. (Das Buch ist in Israel schon 2015 erschienen). Marianka, die Frau, die er Belgien kennen- und lieben gelernt hat, ist mittlerweile zu ihm nach Tel Aviv gezogen und sie kann beruflich auch wegen er mangelnden Sprachkenntnisse noch nicht Fu\u00df fassen. Sehr zum\u00a0 Leidwesen ihrer Eltern, die sie bei einem Besuch der davon \u00fcberzeugen wollen, wieder nach Hause nach Belgien zu kommen. Wie schon in Band zwei verfolgt Mishani die Entwicklung dieser Beziehung in einem Nebenstrang, der aber wie zu erwarten war wohl bis zum vierte band offen bleibt. Der Rezensent ist skeptisch ob diese junge Beziehung angesichts der Problem, mit denen sie konfrontiert ist, \u00fcberleben kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu seiner gro\u00dfen \u00dcberraschung ist Avi Avraham vor einiger Zeit zum Leiter der Ermittlungsbeh\u00f6rde von Cholon-Ayalon ernannt worden und wird gleich zu Beginn des neuen Buches mit seinem ersten Mordfall betraut, den er in eigener Verantwortung l\u00f6sen muss.<\/p>\n<p>Avi kennt die ermordete Lea J\u00e4ger, denn sie war vor einigen Jahren das Opfer einer Vergewaltigung, die Avi bearbeitet hat. Der damalige T\u00e4ter kommt nicht in Frage, weil er wegen der Tat verurteilt, noch im Gef\u00e4ngnis sitzt. Avis Chef und sein bei der Bef\u00f6rderung \u00fcbergangener missg\u00fcnstiger Kollege gehen sehr schnell davon aus, dass Lea J\u00e4gers Sohn der T\u00e4ter war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch Avi Avraham folgt einer anderen Spur. Denn es taucht in den Ermittlungen bei den Zeugenbefragungen die Figur eines Polizisten auf, der Vergewaltigungsopfer anruft und sie noch einmal verh\u00f6ren will.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem Erz\u00e4hlstrang, den Dror Mishani geschickt im\u00a0 Lafe des buches mit dem ersten ich verbinden l\u00e4sst, wenn er der \u00fcberraschenden L\u00f6sung des Falls n\u00e4herkommt, wird erz\u00e4hlt von der jungen Mali. Sie ist vor einigen Jahren bei einem betrieblichen Aufenthalt in einem Hotel in Eilat vergewaltigt worden. Die damaligen Ermittler der Polizei hatten damals erhebliche Zweifel an ihrer Darstellung des Geschehens und so\u00a0 muss sie damit leben, dass der T\u00e4ter immer noch nicht gefasst worden ist. Immer noch leidet sie unter Albtr\u00e4ume, wenn sich \u201edie schwere Hand\u201c des T\u00e4ters auf sie legt. Ihr Mann Coby ist ihr bis auf den heutigen Tag immer mit z\u00e4rtlichem Verst\u00e4ndnis begegnet, doch er hat Probleme seine Jobs zu behalten. Immer wieder wird der ehemalige Mitarbeiter des Geheimdienstes entlassen, weil er seine Gef\u00fchle nicht im Griff hat. Er zieht sich immer weiter zur\u00fcck und wird Mali immer fremder. Und zunehmend ahnt Mali zun\u00e4chst gegen viele innere Widerst\u00e4nde k\u00e4mpfend, dass ihr Mann Coby nicht nur Probleme damit hat, dass er seine Familie nicht ern\u00e4hren kann, sondern dass hinter seinem immer seltsamer werdenden Verhalten mehr steckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon bald wird dem Leser deutlich. Dass dieser zweite Erz\u00e4hlstrang etwas mit dem Mordfall zu hat. Doch Mishani kommt es weniger darauf an, die Aufkl\u00e4rung bis zur letzten Seite offen zu lassen, sondern sein Interesse liegt in der sensiblen Beschreibung der seelischen Zust\u00e4nde der Menschen, die auf unterschiedliche Weise Opfer eine Vergewaltigung geworden sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Mishanis neues Buch ist Krimikunst vom Feinsten, von hoher Intensit\u00e4t. Er wechselt gekonnt zwischen der Sicht des Ermittlers und der der Beteiligten, und doch bleibt bis zum Ende etwas offen, was den Leser lange weiter bewegen wird.<\/p>\n<p>Die B\u00fccher Dror Mishani und seine Hauptfigur Avi Avraham sind nichts f\u00fcr Freunde von Actionthrillern und toughen Kommissaren.\u00a0 Dieser hier macht Fehler, ist absolut menschlich und wird vielleicht durch die Beziehung zu seiner neuen Partnerin weiter reifen. Es ist, nachdem er sich im Beruf wieder gefangen hat, das gr\u00f6\u00dfte Problem, das er zu l\u00f6sen haben wird. Sind wir gespannt, ob und wie ihm das im vierten Band gelingen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Dror Mishani, Die schwere Hand. Avi Avraham ermittelt, Zsolnay 2018, ISBN 978-3-552-05884-2 &nbsp; Dror Mishani ist als Literaturprofessor in Jerusalem seit langem spezialisiert auf die Geschichte der Kriminalliteratur. 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