{"id":7155,"date":"2019-02-06T12:30:48","date_gmt":"2019-02-06T10:30:48","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7155"},"modified":"2019-02-06T12:30:48","modified_gmt":"2019-02-06T10:30:48","slug":"abendrot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7155","title":{"rendered":"Abendrot"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/52384387n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7156\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/52384387n-190x300.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/52384387n-190x300.jpg 190w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/52384387n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Kent Haruf, Abendrot, Diogenes 2019, ISBN 978-3-257-07045-3<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor zwei Jahr hatte ich mit vielen anderen \u00fcberraschten Lesern das Gl\u00fcck, den amerikanischen Schriftsteller Kent Haruf mit seinem letzten Roman kennenzulernen, der wohl auch zur gro\u00dfen \u00dcberraschung des Diogenes Lektorats sich zu einem gro\u00dfen Verkaufserfolg mit begeisterten Kritiken entwickelte und 2017 verfilmt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eUnsere Seelen bei Nacht\u201c erschien in den USA als Kent Harufs f\u00fcnfter Roman, kurz bevor er starb. Im vergangenen Jahr hat Diogenes nach diesem gro\u00dfen Erfolg den zuerst 1999 erschienenen Roman \u201ePlainsong\u201c unter dem deutschen\u00a0 Titel \u201eLied der Weite\u201c vorgelegt und gezeigt, dass er beabsichtigt, in den n\u00e4chsten Jahren alle B\u00fccher von Kent Haruf zu verlegen. Ich begr\u00fc\u00dfe das sehr. Als im Jahr 2001 bei btb das gleiche Buch unter dem Titel \u201eFl\u00fcchtiges Gl\u00fcck\u201c erschien, hat es kaum jemand bemerkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kent Harufs Romane spielen alle in der fiktiven Kleinstadt Holt in der Pr\u00e4rie des US-Bundesstaats Colorado, die wahrscheinlich viel \u00c4hnlichkeit hat mit der Stadt, in der er mit seiner Familie als Lehrer und Autor lebte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit \u201eLied der Weite\u201c begann Kent Haruf seinen f\u00fcnfteiligen Zyklus \u00fcber das Leben, Leiden und Lieben von unterschiedlichen Menschen in einer ganz normalen amerikanischen Kleinstadt. Es geht mit vielen Nebenhandlungen und -personen um das Schicksal des 17- j\u00e4hrigen M\u00e4dchens Victoria Roubideaux, die ungewollt schwanger geworden, von ihrer tendenziell asozialen Mutter aus dem Haus geworfen wird. Victoria fl\u00fcchtet sich zu Maggie Jones, eine Lehrerin ihrer Schule, die sie zun\u00e4chst tr\u00f6stet und verst\u00e4ndnisvoll aufnimmt. Zur gleichen Zeit ger\u00e4t die Ehe vom Maggies Lehrerkollegen Guthrie in die Krise und Haruf verfolgt sehr einf\u00fchlsam, wie sich die Krankheit der Mutter auf den Vater und seine beiden Sohne Ike und Bobby auswirkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Etliche Meilen au\u00dferhalb von Holt leben die beiden \u00e4lteren Br\u00fcder McPherson relativ abgeschieden und schlicht auf einer Farm, mit der sie mit Viehzucht seit Jahrzehnten ihren Lebensunterhalt bestreiten, nachdem die Eltern gestorben waren. Maggie Jones verfolgt nun zielstrebig und schlu\u00dfendlich auch erfolgreich ihren Plan, Victoria Roubideaux bei diesen beiden alten M\u00e4nnern unterzubringen, bis sie ihr Kind zur Welt gebracht hat und sich mehr dar\u00fcber klar geworden ist, wie ihr Leben weiter gehen soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst eher widerstrebend, willigen die beiden M\u00e4nner in Maggies ungew\u00f6hnliches Begehren ein, doch dann geschieht nicht nur mit den beiden, sondern auch mit Victoria und den anderen beschrieben Protagonisten Guthrie, Maggie, Ike und Bobby etwas ganz Ungew\u00f6hnliches. Aus einem Akt der G\u00fcte werden liebevolle und heilende Beziehungen, die die daran beteiligten Menschen wohl f\u00fcr ihr ganzes Leben verwandeln werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein warmherziges, stellenweise den Leser sehr bewegendes\u00a0 Buch \u00fcber Liebe und sozialen Zusammenhalt, \u00fcber menschliche St\u00e4rken und Schw\u00e4chen und \u00fcber Menschlichkeit und Hoffnung, die man nie aufgeben darf, egal was passiert und gleich, wie ausweglos die Lage scheint.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit \u201eAbendrot\u201c (im Original: \u201eEventide\u201c) folgt nun der zweite Band der Reihe, der sich liest wie eine Fortsetzung des ersten Bandes. Wie begegnen den beiden McPherson- Br\u00fcdern wieder, die nun die meiste Zeit des Jahres wieder alleine lebe, nachdem ihre Ziehtochter Victoria Roubideaux mit ihrer kleine Tochter in die Stadt gezogen ist um dort zu studieren. Auch Maggie und Guthrie tauchen wieder auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir begegnen aber auch neuen Bewohnern jener Kleinstadt in Colorado, wo alles den Rhythmen der Natur in den ungeschriebenen Gesetzen einer Kleinstadt gehorcht. Da sind etwa Betty und Luther, die zusammen mit ihren Kindern in gro\u00dfer Armut in einem verwahrlosten Trailer ihr tristes Leben fristen, und t\u00e4glich um ein St\u00fcck W\u00fcrde f\u00fcr sich und ihre Kinder k\u00e4mpfen. Sie werden von der Sozialarbeiterin Rose betreut, die im Verlauf des Buches nach einem schrecklichen\u00a0 Ungl\u00fcck einem der beiden alten Br\u00fcder nahe kommen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Junge namens DJ k\u00fcmmert sich r\u00fchrend um seinen alten kranken Gro\u00dfvater. Zusammen mit der ebenfalls elfj\u00e4hrigen Dena, deren Familie gerade zusammenbricht, schafft er sich in einem verlassenen Haus ein Ersatzzuhause.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ohne seine Figuren zu bewerten, beschreibt Kent Haruf ihr Leben, ihre Einsamkeit und ihre Gef\u00fchle. Jeder von ihnen hat in dieser Kleinstadt Holt mit seinen pers\u00f6nlichen Lebensumst\u00e4nden zu k\u00e4mpfen, tragische und emp\u00f6rende Umst\u00e4nde zuweilen. Doch Haruf ist kein politischer Schriftsteller, er teilt geradezu das Schicksal seiner Figuren, indem er es mit seiner gro\u00dfen Erz\u00e4hlkunst mitf\u00fchlend und warmherzig beschreibt. Immer wieder gibt es in seinen B\u00fcchern so etwas wie Hilfsbereitschaft und Hoffnungsschimmer, die das zuvor recht dunkle Leben seiner Protagonisten erhellen. F\u00fcr den Leser macht diese Menschlichkeit die Lekt\u00fcre seiner B\u00fccher zu einem begl\u00fcckenden Erlebnis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie gut, dass noch zwei B\u00e4nde seiner Romanreihe zur deutschen Ver\u00f6ffentlichung offen stehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Kent Haruf, Abendrot, Diogenes 2019, ISBN 978-3-257-07045-3 &nbsp; Vor zwei Jahr hatte ich mit vielen anderen \u00fcberraschten Lesern das Gl\u00fcck, den amerikanischen Schriftsteller Kent Haruf mit seinem letzten Roman kennenzulernen, der wohl auch zur gro\u00dfen \u00dcberraschung des Diogenes Lektorats sich zu einem gro\u00dfen Verkaufserfolg mit begeisterten Kritiken entwickelte und 2017 verfilmt &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7155\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Abendrot<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-7155","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7155","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7155"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7155\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7157,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7155\/revisions\/7157"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7155"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7155"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}