{"id":7223,"date":"2019-02-27T14:44:36","date_gmt":"2019-02-27T12:44:36","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7223"},"modified":"2019-02-27T14:44:36","modified_gmt":"2019-02-27T12:44:36","slug":"frau-im-dunkeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7223","title":{"rendered":"Frau im Dunkeln"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/54341276n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7224\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/54341276n-180x300.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/54341276n-180x300.jpg 180w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/54341276n.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Elena Ferrante, Frau im Dunkeln, Suhrkamp 2019, ISBN 978-3-518-42870-2<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem gro\u00dfen Erfolg der \u201eNeapolitanischen Saga\u201c ver\u00f6ffentlicht der Suhrkamp Verlag nun auch die fr\u00fcheren Romane der von Anfang unter dem Alias Elena Ferrante schreibenden italienischen Schriftstellerin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ihr 2006 in Italien erschienener Roman \u201eLa figlia obscura\u201c wurde schon 2007 unter dem Titel \u201eFrau im Dunkel\u201c von DVA einem deutschen Publikum vorgestellt, mit wenig Resonanz. Dies wird nun nach der Saga anders sein, wenn Suhrkamp nach \u201eL\u00e4stige Liebe\u201c auch \u201eFrau im Dunkeln\u201c pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wieder erz\u00e4hlt eine Frau im mittleren Alter aus ihrem Leben. Leda ist 49 Jahre alt, ist geschieden und unterrichtet Englisch an der Universit\u00e4t in Florenz. Ihre schon erwachsenen T\u00f6chter leben seit etlicher Zeit beim Vater in Kanada, wo er seit langem arbeitet und lebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon kurz nachdem sie zum Vater und zum Studieren nach Kanada gingen und \u00a0sich von der Mutter trennten, sp\u00fcrte diese nicht die erwartete Sehnsucht nach ihren T\u00f6chtern, sondern haupts\u00e4chlich und vor allem gro\u00dfe Erleichterung, etwas Schweres endlich losgeworden zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die ich-erz\u00e4hlende Leda verbringt ihre Sommerferien in einem s\u00fcditalienischen K\u00fcstenort und freut sich auf Sonne, Meer und viel Erholung mit ihren B\u00fcchern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch schon bald macht sich am Strand ganz in ihrer N\u00e4he eine aus Neapel (!) stammende Gro\u00dffamilie breit, mit all den Ger\u00e4uschen und dem L\u00e4rm, den das mit sich bringt. Teil dieser Gro\u00dffamilie sind eine junge Mutter und deren kleine Tochter. Tagelang nun wird Leda tags\u00fcber am Strand diese beiden beobachten und sich ihre Gedanken dazu machen. Zun\u00e4chst sind diese wohlwollend, stellenweise sogar fasziniert von der innigen Beziehung zwischen Mutter und Tochter, etwas was Leda, sich immer wieder an ihre Vergangenheit erinnernd, so nicht kannte in ihrer Kindheit und dann in ihrem eigenen Mutterdasein. Nach einigen Tagen jedoch sp\u00fcrt sie, wie ihre Stimmung umschl\u00e4gt, wie sich eine Mischung aus Neid, Zorn und Entt\u00e4uschung Bahn bricht und einem unverst\u00e4ndlichen Impuls folgend tut Leda dem kleinen M\u00e4dchen und mit ihm der ganzen Familie etwas an. Unbegreiflich f\u00fcr sie selbst und erst recht den Leser, w\u00e4chst sich ein zun\u00e4chst wie eine Lappalie aussehender Vorgang zu einer regelrechten Katastrophe aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie ist es dazu gekommen? Die sch\u00f6ne junge Mutter Nina ist f\u00fcr Leda ein Sinnbild f\u00fcr ihre eigene, nie erlebte Mutter. Und deren kleine Tochter Elena, die Nina \u00fcber alles liebt, ist quasi Ledas Alter Ego. Und die Puppe Elenas, die Leda verschwinden l\u00e4sst und Tochter und Mutter damit unendlichen Kummer zuf\u00fcgt, ist sozusagen das entscheidende Bindeglied.<\/p>\n<p>Elena Ferrante spielt in ihrem neuen Roman mit dem aus der Psychologie bekannten mehrgenerationalen Konflikt. \u00dcberzeugend zeigt sie am Beispiel Ledas, wie negative Verhaltensmuster aus der Vergangenheit sich zwanghaft wiederholen k\u00f6nnen und dabei das eigene Gl\u00fccksempfinden verhindern und Beziehungen zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zirkul\u00e4r erz\u00e4hlend, den Anfang des Buches als Fortsetzung des Endes beschreibend, l\u00e4sst Elena Ferrante mit einer unglaublichen emotionalen Kraft ihre Protagonistin die Erlebnisse ihrer Vergangenheit berichten, die die junge Mutter und ihre Tochter in ihr ausl\u00f6sen. Es ist nicht leicht f\u00fcr sie, wie sie am Anfang sagt: \u201eDie Dinge, die wir selbst nicht verstehen, sind\u00a0 am schwierigsten zu erz\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und was zu Beginn ihres Urlaubs voller Zuversicht begonnen hat, endet dramatisch: Elena Ferrante beschreibt Leda, die doch so vern\u00fcnftige scheinende intellektuelle Frau, als eine psychisch zutiefst gest\u00f6rte Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der bewegende, ja ersch\u00fctternde Roman stellt ohne R\u00fccksichtnahme die Frage, was es eigentlich bedeutet, eine Frau und Mutter zu sein. Mit gro\u00dfer Ehrlichkeit geht Ferrante in die Tiefe und ergr\u00fcndet die widerspr\u00fcchlichen Gef\u00fchle, die eine Mutter an ihre Kinder binden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Leda und ihre literarischen Sch\u00f6pferin unkommentiert, denkt der Leser\/die Leserin lange \u00fcber den letzten Satz des Buches nach, als Leda sagt: \u201eIch bin tot, aber es geht mir gut.\u201c<br \/>\nEin eindringlicher Roman und eine nachdenkliche Parabel \u00fcber das Leben moderner Frauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Elena Ferrante, Frau im Dunkeln, Suhrkamp 2019, ISBN 978-3-518-42870-2 &nbsp; Nach dem gro\u00dfen Erfolg der \u201eNeapolitanischen Saga\u201c ver\u00f6ffentlicht der Suhrkamp Verlag nun auch die fr\u00fcheren Romane der von Anfang unter dem Alias Elena Ferrante schreibenden italienischen Schriftstellerin. &nbsp; Ihr 2006 in Italien erschienener Roman \u201eLa figlia obscura\u201c wurde schon &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7223\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Frau im Dunkeln<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-7223","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7223","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7223"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7223\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7225,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7223\/revisions\/7225"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}