{"id":7251,"date":"2019-02-27T17:36:03","date_gmt":"2019-02-27T15:36:03","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7251"},"modified":"2019-02-27T17:36:03","modified_gmt":"2019-02-27T15:36:03","slug":"eine-gewoehnliche-familie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7251","title":{"rendered":"Eine gew\u00f6hnliche Familie"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/52360797n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7252\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/52360797n-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/52360797n-184x300.jpg 184w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/52360797n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sylvie Schenk, Eine gew\u00f6hnliche Familie, Hanser b2018, ISBN 978-3-446-25996-6<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sylvie Schenk wurde in Chamb\u00e9ry, Frankreich, geboren, studierte in Lyon und lebt seit 1966 in Deutschland\u00a0 bei Aachen und zeitweise in La Roche-de-Rame, Hautes-Alpes. Sie ver\u00f6ffentlichte zun\u00e4chst Lyrik auf Franz\u00f6sisch und schreibt seit 1992 auf Deutsch.<\/p>\n<p>So richtig bekannt wurde sie nach etlichen bei anderen deutschen Verlagen ver\u00f6ffentlichten Romanen 2016 mit ihrem stark autobiographisch gepr\u00e4gten Roman \u201eSchnell, dein Leben\u201c, ihrem ersten \u00a0bei Hanser verlegten Buch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben dem \u00fcberzeugenden und bewegenden autobiographischen Zeugnis bestach dieses Buch damals durch seine feine Beobachtungsgabe \u00fcber die Entwicklungen in Deutschland und\u00a0 Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg und die vorsichtige Ann\u00e4herung der beiden L\u00e4nder nach dem Elyseevertrag zwischen de Gaulle und Adenauer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch der neue Roman ist eine Geschichte \u00fcber eine Familie, eine Geschichte von vier Geschwistern, die verschiedener nicht sein k\u00f6nnten. Celine, eine der Geschwister wohnt seit langem in Frankfurt am Main. In der Familie nennen sie sie \u201edie Deutsche\u201c. Celine erlebt seit sie nach Deutschland gegangen ist, etwas, worunter die meisten Auswanderer leiden. Zuhause in ihrem Herkunftsland f\u00fchlen sie sich immer fremder, je l\u00e4nger sie im Ausland leben und dort im neuen Land k\u00f6nnen sie nie richtig heimisch werden.<\/p>\n<p>Sylvie Schenks Sprache ist \u00a0ist knapp und pr\u00e4zise, genau beobachtet ihre Protagonistin ihre Umwelt und die Menschen, denen sie begegnet. Schon der Anfang des Buches nimmt gefangen: \u201eFrankfurt liegt schon weit zur\u00fcck, und bis Lyon ist noch gen\u00fcgend Zeit (\u2026) Sie m\u00f6chte sich auf die Begegnungen vorbereiten. Sie m\u00f6chte Worte finden, die ihre Empfindungen \u00fcbertragen, sie m\u00f6chte sich die Situation ausmalen, die sie erwartet, sie m\u00f6chte sich sammeln.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tante Tamara und Onkel Simon sind in S\u00fcdfrankreich gestorben und Celine f\u00e4hrt mit sehr gemischten Gef\u00fchlen zu ihrer Beerdigung. Denn sie wird dort seit langem einmal wieder auf ihre drei anderen Geschwister treffen. Es waren die beiden Verstorbenen, die zu Lebzeiten immer wieder die Familie zusammengehalten haben und die immer wieder aufbrechenden Gr\u00e4ben zwischen den Geschwistern notd\u00fcrftig zuschaufelten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch nun, da sie tot sind, bricht die alte Uneinigkeit wieder auf und schon auf dem Weg zur Trauerhalle fangen die Auseinandersetzungen zwischen den Geschwistern um das Erbe von Tante und Onkel an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle leiden schon seit langem an einer gef\u00fchlten gro\u00dfen Ungerechtigkeit in der Familie, jeder hat Angst, zu kurz zu kommen, wie schon so viele Male zuvor. Darin \u00e4hneln sie vielen anderen Familien in Frankreich aber auch in Deutschland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Gr\u00e4ben zwischen den Geschwistern, deren Eltern schon vor l\u00e4ngerer Zeit verstorben sind, werden sichtbar, sondern die in der ganzen gro\u00dfen Familie. Onkel Simon, seines Zeichens erfolgreicher Zahnarzt und Tante Tamara waren reich und kinderlos, Simons Bruder und Celines Vater, obwohl ebenfalls als Zahnarzt t\u00e4tig, eher kleinb\u00fcrgerlich und seine Frau eine eher graue Maus. Von ihrer Schw\u00e4gerin wurde sie auch lange Jahre entsprechend behandelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie in einer Tiefenbohrung f\u00f6rdert Sylvie Schenk immer weitere Sedimente der Familiengeschichte zu Tage, indem sie alle Beteiligten zu Wort kommen l\u00e4sst und auf wenigen Seiten auf sprachlich dichte und poetische Weise die Geheimnisse der Familie Cardin ans Licht bringt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es geht um circa eine Million\u00a0 Euro, die die vier Geschwister erben sollen, doch das Testament ist verschwunden. Aber auch viele andere \u201eErbst\u00fccke\u201c tragen schwer und sind unter den Geschwistern heftig umstritten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gegen Ende wird Celine ern\u00fcchtert sagen:<\/p>\n<p>\u201eWas ist aus dir, aus uns geworden, die wir hier nun alle um ein Verm\u00f6gen streiten, die wir der Liebe an den Kragen gegangen sind, die wir den gro\u00dfen Leidenschaften den Garaus gemacht haben, die wir alle Tr\u00e4ume \u00fcber Bord geworfen, alle Visionen zertr\u00fcmmert haben?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEine gew\u00f6hnliche Familie\u201c ist ein\u00a0 kluges und bewegendes Buch und der Leser wird das Gef\u00fchl nicht los, dass diese Familie auch seine eigene sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Sylvie Schenk, Eine gew\u00f6hnliche Familie, Hanser b2018, ISBN 978-3-446-25996-6 &nbsp; Sylvie Schenk wurde in Chamb\u00e9ry, Frankreich, geboren, studierte in Lyon und lebt seit 1966 in Deutschland\u00a0 bei Aachen und zeitweise in La Roche-de-Rame, Hautes-Alpes. 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