{"id":7358,"date":"2019-03-12T12:00:37","date_gmt":"2019-03-12T10:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7358"},"modified":"2019-03-12T12:00:37","modified_gmt":"2019-03-12T10:00:37","slug":"rheinblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7358","title":{"rendered":"Rheinblick"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/54461783n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7359\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/54461783n-183x300.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/54461783n-183x300.jpg 183w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/54461783n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Brigitte Glaser, Rheinblick, List Verlag 2019, ISBN 978-3-471-35180-2<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In ihrem Roman \u201eB\u00fchlerh\u00f6he\u201c entf\u00fchrte Brigitte Glaser ihre Leser 2016 in das Deutschland der fr\u00fchen f\u00fcnfziger Jahre, in die Zeit der Debatten \u00fcber die Wiederbewaffnung und der Wiedergutmachungszahlungen an Israel. Dem gelungenen Roman gelang eine sehr gute Mischung aus dem Portr\u00e4t zweier starker Frauen und ihren Lebensgeschichten und \u2013 tr\u00e4umen und einer spannenden Handlung auf dem Hintergrund der innenpolitischen Debatten der fr\u00fchen f\u00fcnfziger Jahre in der BRD, die die meisten der heutigen Leser nicht selbst miterlebt haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wohl auch durch den Erfolg dieses Buches ermutigt, hat Brigitte Glaser f\u00fcr ihr neues Buch einen \u00e4hnlichen Plot gew\u00e4hlt. Und wieder sind zwei starke Frauen die Hauptfiguren. Es ist das Jahr 1972. Nachdem Rainer Barzel mit einem Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Willy Brandt gescheitert ist, wobei ein sp\u00e4ter aufgekl\u00e4rter Bestechungsskandal eine wichtige Rolle spielte, hat Willy Brandt am 19.11. 1972 nach einem fulminanten und kr\u00e4ftezehrenden Wahlkampf (\u201eWilly muss Kanzler bleiben\u201c) mit einem sensationellen Ergebnis f\u00fcr die SPD die Wahl gewonnen. Koalitionsgespr\u00e4che mit der FDP stehen an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch Willy Brandt hat seine Stimme verloren und wird in einer Bonner Klinik an den Stimmb\u00e4ndern operiert. F\u00fcr die n\u00e4chsten beiden Wochen muss er in der Klinik bleiben und darf nicht sprechen. Die Logop\u00e4din Sonja Engel soll sich neben dem medizinischen Personal um seine Genesung k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist in der Bonner Traditionsgastst\u00e4tte \u201eRheinblick\u201c der Teufel los. Seit vielen Jahren schon ist die Wirtin Hilde Kessel dort der Mittelpunkt einer bunten G\u00e4steschar aus Abgeordneten und Regierungsmitarbeitern. Sie kennt sie alle, und bewahrt \u00fcber all das, was ihr zu Ohren kommt, Stillschweigen. Seit ihr Mann Arnold vor drei Jahren gestorben ist, f\u00fchrt sie die Gastst\u00e4tte mit einem treuen Mitarbeiter alleine.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sonja, die stundenlang im Vorraum zu Brandts Zimmer auf ihre knapp bemessenen \u00dcbungszeiten mit dem Kanzler wartet, bekommt zwangsl\u00e4ufig mit, wie bei Brandt nicht nur sein Kanzleramtsminister Ehmke und sein Vertrauter Egon Bahr hektisch ein und aus gehen, weil sie ihn, letztlich vergeblich, versuchen, in die Koalitionsverhandlungen und in die Postenvergabe einzubinden. \u00a0Hier hat sich Helmut Schmidt schon l\u00e4ngst Vorteile verschafft, die den Anfang von Ende der Kanzlerschaft Brandts einl\u00e4uten werden. Er wird sich von seinem Klinikaufenthalt politisch jedenfalls nie mehr wirklich erholen und bald schon Helmut Schmidt Platz machen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In dem Roman gibt es neben der Klinik, in der Sonja arbeitet, zwei Zentren: zum einen den \u201eRheinblick\u201c und Hilde Kessel mit ihrer verwickelten Geschichte und eine Wohngemeinschaft, in der Sonja mit anderen zusammenwohnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sonja ist mit einem SPD- Abgeordneten verwandt, der zusammen mit seinen Genossen nicht nur Stammgast bei Hilde Kessel ist, sondern auch in den politischen Auseinandersetzung\u00a0 nach der gewonnenen Wahl eine wichtige Rolle spielt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch der Taxifahrer und Student Max Dorando, Mitbewohner der WG, wird eine wichtige Rolle spielen, bekommt er doch in seinem Taxi Vorg\u00e4nge mit, die zu tun haben mit dem Verschwinden eines M\u00e4dchens aus der Provinz, mit dem sich die in der WG vor\u00fcbergehend untergekommene junge Journalistin Lotti aus Baden-W\u00fcrttemberg befasst. Sie wird w\u00e4hrend ihres Aufenthaltes in Bonn Wolfgang Sch\u00e4uble interviewen, sich in Max verlieben und Wesentliches zur Aufkl\u00e4rung eines Verbrechens beitragen, das zun\u00e4chst mit dem politischen Bonn in Verbindung gebracht wird und auch in Hilde Kessels Rheinblick Unruhe\u00a0 ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer hat damit zu tun und wer war vor dem Misstrauensvotum in die Bestechungen verwickelt? Auch Hildes m\u00fchsam geheim gehaltene Vergangenheit kommt durch einen Abgeordneten wieder ans Tageslicht und gef\u00e4hrdet ihre Zukunft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Brigitte Glaser hat auf eine geniale Weise die Lebensgeschichten der handelnden Personen miteinander verwoben und daraus einen nicht nur spannenden Roman gemacht, sondern sie erm\u00f6glicht dem j\u00fcngeren Leser, der diese Zeit nicht pers\u00f6nlich erlebt hat, einen wichtigen Einblick in eine Zeit, die zentral war f\u00fcr die Geschichte der Bundesrepublik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die gesamte Handlung umfasst nur den Zeitraum zwischen dem 18.11.1972 und dem 4.12.1972, eine Zeit, in dem politisch die Weichen f\u00fcr ein ganzes Jahrzehnt gestellt wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Brigitte Glaser zeigt sich erneut als eine gro\u00dfartige Erz\u00e4hlerin. Sie ist sehr geschickt darin, die einzelnen Geschichten zu verweben und ihre Charaktere beinahe beil\u00e4ufig in die anderen Handlungsstr\u00e4nge treten zu lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Roman.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Brigitte Glaser, Rheinblick, List Verlag 2019, ISBN 978-3-471-35180-2 &nbsp; In ihrem Roman \u201eB\u00fchlerh\u00f6he\u201c entf\u00fchrte Brigitte Glaser ihre Leser 2016 in das Deutschland der fr\u00fchen f\u00fcnfziger Jahre, in die Zeit der Debatten \u00fcber die Wiederbewaffnung und der Wiedergutmachungszahlungen an Israel. 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