{"id":7561,"date":"2019-04-23T15:54:45","date_gmt":"2019-04-23T13:54:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7561"},"modified":"2019-04-23T15:54:45","modified_gmt":"2019-04-23T13:54:45","slug":"gott-wohnt-im-wedding","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7561","title":{"rendered":"Gott wohnt im Wedding"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/54464776n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7562\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/54464776n-189x300.jpg\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/54464776n-189x300.jpg 189w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/54464776n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Regina Scheer, Gott wohnt im Wedding, Penguin 2019, ISBN 978-3-328-60016-9<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon zuvor sei es gesagt: der neue Roman von Regina Scheer ist meiner Meinung nach ein Meisterwerk. Noch besser als in ihrem ersten Roman \u201eMachandel\u201c gelingt es ihr, Gegenwart und\u00a0 Vergangenheit auf dem Hintergrund deutscher Geschichte am Beispiel von Einzelschicksalen miteinander zu verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf \u00fcber 400 Seiten geht es um ein Haus im Berliner Stadtteil Wedding und seine Geschichte im 20. Jahrhundert und in den ersten 15 Jahren des 21. Jahrhunderts. Die Lebensgeschichten der Menschen, die mit diesem Haus verkn\u00fcpft sind, sind alle quasi schicksalhaft miteinander verbunden und erz\u00e4hlen eindrucksvoll von deutscher, j\u00fcdischer und ziganer Vergangenheit und Gegenwart.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leo Lehmann kehrt nach 70 Jahren, die er in Israel in einem Kibbuz gewohnt hat, zusammen mit seiner Enkel Nira nach Berlin zur\u00fcck, um mit seinem Anwalt Anspr\u00fcche nach R\u00fcckgaben von Eigentum zu kl\u00e4ren, das seiner Familie von den Nazis gestohlen wurde. Eigentlich wollte er nie wieder zur\u00fcckkehren, doch nun steht er vor dem Haus in der Utrechter Stra\u00dfe im ehemals roten Wedding und erinnert sich. W\u00e4hrend die Autorin Leo w\u00e4hrend seines Aufenthaltes seine ehemalige Heimat erkunden l\u00e4sst und in vielen R\u00fcckblicken nicht nur seine Geschichte erz\u00e4hlt, sondern auch die seines ebenfalls j\u00fcdischen Freundes Manfred, verliebt sich seine Enkelin Nira in Amir und wird am Ende ihren Gro\u00dfvater nicht mehr zur\u00fcck nach Israel begleiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In dem alten Haus, das von Spekulanten heruntergewirtschaftet wurde, wohnt noch die \u00fcber neunzigj\u00e4hrige Gertrud, die mit der Geschichte von Manfred und Leo w\u00e4hrend der Nazizeit eng verbunden ist. Auch sie wird sich in vielen R\u00fcckblicken erinnern. Der Roman ist so konstruiert, dass sich Leos und Gertruds Erinnerungen fast zwangsl\u00e4ufig aufeinander zu bewegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch nicht nur dieser Strang j\u00fcdischer Verfolgungsgeschichte durchzieht das Buch, sondern auch die der Sinti und Roma. Laila, die seit einiger Zeit in dem verfallenden Haus wohnt, lernt erst im Laufe des Buches, dass ihre Sintifamilie einst auch in diesem Haus gewohnt hat.<\/p>\n<p>Regina Scheer ist deren Verfolgungsgeschichte bis auf den heutigen Tag (in dem Haus wohnen aktuell viele Sinti und Roma aus Rum\u00e4nien und Bulgarien, die sich in Berlin ein bessere Leben erhoffen und schamlos ausgebeutet werden) sehr wichtig und sie nimmt neben den Erinnerungen von Leo und Gertrud sehr viel Platz ein. Tats\u00e4chlich ist dieser Roman der erste dieser Art, der mir zur Kenntnis gelangt ist, der den Sinti und Roma in Vergangenheit und Gegenwart eine angemessene W\u00fcrdigung zukommen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>All diese Geschichten b\u00fcndeln sich in einem Haus, das Regina Scheer durch einen literarischen Kunstgriff immer wieder selbst von seiner bewegten Geschichte und die ihrer unterschiedlichen Bewohner in Vergangenheit und Gegenwart erz\u00e4hlen l\u00e4sst. All diese Leben hat Regina Scheer zu einem gro\u00dfen literarischen Epos verwoben, ein Epos voller Wahrhaftigkeit und menschlicher W\u00e4rme.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es sind diese vielen unterschiedlichen Menschen, die sich trotz allem etwas bewahrt haben von ihrer tiefen Menschlichkeit, die den Leser ber\u00fchren und bewegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Roman, vielschichtig konstruiert und mit viel Herzblut geschrieben. Mit diesem Buch empfiehlt sich Regina Scheer schon jetzt f\u00fcr eine Nominierung f\u00fcr den Deutschen Buchpreis 2019.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Regina Scheer, Gott wohnt im Wedding, Penguin 2019, ISBN 978-3-328-60016-9 &nbsp; Schon zuvor sei es gesagt: der neue Roman von Regina Scheer ist meiner Meinung nach ein Meisterwerk. 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