{"id":7570,"date":"2019-04-23T15:56:32","date_gmt":"2019-04-23T13:56:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7570"},"modified":"2019-04-23T15:56:32","modified_gmt":"2019-04-23T13:56:32","slug":"geistergeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7570","title":{"rendered":"Geistergeschichte"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/54570380n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7571\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/54570380n-186x300.jpg\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/54570380n-186x300.jpg 186w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/54570380n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Laura Freudenthaler, Geistergeschichte, Droschl 2019, ISBN 978-3-99059-025-6<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu ihrem mit dem Bremer Literaturpreis 2018 augezeichneten letzten 2017 erschienenen Roman \u201eDie K\u00f6nigin schweigt\u201c schrieb die Jury vor einem Jahr:<\/p>\n<p>\u201eMit dem F\u00f6rderpreis des Bremer Literaturpreises wird Laura Freudenthaler fu\u0308r \u201eDie K\u00f6nigin schweigt\u201c ausgezeichnet. Ein stiller, konzentrierter Roman, der eine alte Frau, die sich gegen das Erinnern und das Erz\u00e4hlen sperrt, auf ihr von Verlusten bestimmtes Leben zuru\u0308ckblicken l\u00e4sst. Freudenthaler zeichnet das eindringliche Portr\u00e4t einer Generation, die ein scheinbar unspektakul\u00e4res Dasein fu\u0308hrte, in dem sich aber tats\u00e4chlich die gro\u00dfe Geschichte verbirgt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch der neue Roman von Laura Freudenthaler, der wieder beim kleinen ambitionierten Droschl Literaturverlag in \u00d6sterreich erschienen ist, entzieht sich auffallend deutlich dem literarischen Mainstream der Gegenwartsliteratur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eGeistergeschichte\u201c erz\u00e4hlt von der etwa 50 -j\u00e4hrigen Klavierlehrerin Anne. Sie hat beschlossen, sich ein Freijahr, andernorts auch \u201eSabbatjahr\u201c genannt, zu g\u00f6nnen und w\u00e4hrend dieser Zeit sich ohne Unterrichtsverpflichtungen ausschlie\u00dflich dem eigenen Klavierspiel zu widmen und nebenbei ein Lehrbuch zu verfassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch bald schon kommt sie von dem vorgezeichneten Weg ab und sie ger\u00e4t in einen Sog, in dem sie sich regelrecht aufzul\u00f6sen droht und in den die Autorin den Leser auf eine Weise mitnimmt, der er sich nicht entziehen kann. Ihre \u00fcblichen Gewohnheiten vernachl\u00e4ssigend und ihr Vorhaben aus den Augen verlierend, streift Anne tags\u00fcber durch die Stadt und \u00fcberschreitet die Grenzen des ihr bisher Bekannten. Nachts h\u00e4lt sie ihre Beobachtungen in einem Notizheft fest. Diese Aufl\u00f6sung der \u00a0bisher f\u00fcr sie gewohnten Struktur hat auch Folgen f\u00fcr das Leben mit ihrem Partner Thomas, mit dem Anne seit zwanzig Jahren schon in einer gemeinsamen Wohnung lebt. \u00dcber diese lange Zeit sind zu einem Paar zusammengewachsen, das viele gemeinsame Erinnerungen teilt und den anderen perfekt zu lesen wei\u00df.<\/p>\n<p>Doch mit Annes Verwandlung werden sie sich immer fremder. Das was Anne schon seit einiger Zeit vermutet, dass Thomas eine Aff\u00e4re hat, wird f\u00fcr sie nun\u00a0 zur Gewissheit.\u00a0 Ihre Wahrnehmung ver\u00e4ndert sich mit jedem Tag mehr, f\u00fcr den Leser eine ebenso interessante wie irritierende Wendung. Immer mehr (ver)f\u00fchrt Laura Freudenthaler ihre Leser hinein in eine verfremdete Welt voller Spiegelungen und doppelten Bedeutungen, eine Wahrnehmungswelt von Anne, in der ihre Wirklichkeit und ihre Phantasie (oder soll man es anders nennen?) mehr und mehr sich vermischen. Zwischendrin taucht das M\u00e4dchen, mit dem Thomas sie angeblich betr\u00fcgt, wie ein Geist auf, Anne h\u00f6rt Ger\u00e4usche und nimmt Dinge wahr, die sie (und auch der Leser) nicht mehr eindeutig zuordnen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine fragile Welt ist das, in der sich Freudenthalers Protagonistin da zunehmend bewegt. Die Grenzen von Wirklichkeit und Traum, das was Realit\u00e4t ist und was Einbildung, verschwimmen auch f\u00fcr den irritierten Leser, dem zwischendurch immer erschreckender deutlicher wird und werden soll, wie zerbrechlich und knapp von einer f\u00fcrchterlich Grenze entfernt sein eigenes Leben und seine eigene Existenz verl\u00e4uft. Das Lesen dieses Buches ist eine fast k\u00f6rperliche und auf jeden Fall seelische Grenzerfahrung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte eine solche Entfremdung, wie sie Anne erlebt, nicht schon einmal selbst erfahren, oder hat zumindest Angst davor?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Laura Freudenthaler, Geistergeschichte, Droschl 2019, ISBN 978-3-99059-025-6 &nbsp; Zu ihrem mit dem Bremer Literaturpreis 2018 augezeichneten letzten 2017 erschienenen Roman \u201eDie K\u00f6nigin schweigt\u201c schrieb die Jury vor einem Jahr: \u201eMit dem F\u00f6rderpreis des Bremer Literaturpreises wird Laura Freudenthaler fu\u0308r \u201eDie K\u00f6nigin schweigt\u201c ausgezeichnet. 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