{"id":7749,"date":"2019-06-05T11:50:33","date_gmt":"2019-06-05T09:50:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7749"},"modified":"2019-06-05T11:50:33","modified_gmt":"2019-06-05T09:50:33","slug":"die-einzige-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7749","title":{"rendered":"Die einzige Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/54468958n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7750\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/54468958n-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/54468958n-184x300.jpg 184w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/54468958n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Julian Barnes, Die einzige Geschichte, Kiepenheuer &amp; Witsch 2019, ISBN 978462-05154-4<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Julian Barnes neues Buch \u201eDie einzige Geschichte\u201c ist ein sensibler und kunstvoller\u00a0 Roman \u00fcber eine sehr unkonventionelle erste Liebe, die f\u00fcr den jungen m\u00e4nnlichen Ich-Erz\u00e4hler Paul lebenslange Konsequenzen und Folgen haben wird und die ihn schlie\u00dflich zu der an den Leser gerichteten Frage f\u00fchrt: \u201cW\u00fcrden Sie lieber mehr lieben und daf\u00fcr mehr leiden, oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paul ist gerade einmal 19 Jahre alt, als ihn seine Mutter Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in den traditionsreichen und auf strenge Sitten achtenden Tennisclub des Ortes schickt in der Hoffnung, er k\u00f6nne dort eine geeignete Partnern f\u00fcr sein Leben finden. Paul, der schon lange ange\u00f6det ist von dem pr\u00fcden und langweiligen b\u00fcrgerlichen Milieu, in dem er aufw\u00e4chst und das ihm nach seinem ersten Semester an der Universit\u00e4t noch mehr auf die Nerven geht, sucht aus diesen Verh\u00e4ltnissen auszubrechen und rebelliert gegen seine Eltern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genau in dieser Situation lernt er im Tennisclub Susan kenne, eine verheiratete Frau, die drei\u00dfig Jahre \u00e4lter ist er. Dass er sich sofort in sie verliebt und eine mehr und mehr sehr schwierige und komplizierte Beziehung mit ihr aufnimmt, die insgesamt sich \u00fcber zw\u00f6lf harte und lange Jahre hinzieht, ist mehr als nur Teil seines Protestes gegen gesellschaftliche Konventionen. Paul liebt Susan wirklich. Er ist sicher, in ihr die Frau f\u00fcr sein Leben gefunden zu haben. Sie ist so etwas wie der Gegenpart zum Spie\u00dferleben seiner Umgebung. Auch Susan, die zwei T\u00f6chter hat, die \u00e4lter sind als Paul, erwacht zu neuem auch sexuellen Leben und Erleben, als sie sp\u00fcrt, dass Paul sie anziehend und liebenswert empfindet und sich f\u00fcr sie verzehrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch diese ersten Schmetterlinge sind bald verschwunden, und die Geschichte der beiden verwandelt sich in die Existenz einer eher tragischen Lebensform. Das ist schon sp\u00fcrbar, als sich Susan von Mann und T\u00f6chtern trennt und mit Paul zusammenzieht. Paul schlie\u00dft sein Jurastudium ab, die Leidenschaft der ersten Zeit ist der Langeweile gewichen, zumal sich bei Susan mehr und mehr eine innere Ver\u00e4nderung zeigt, die sie bald v\u00f6llig dem Alkohol verfallen l\u00e4sst. Julian Barnes sp\u00fcrt dieser Entwicklung genau nach, versucht herauszufinden, wie es zu diesem menschlichen Absturz kommen konnte, doch dem Leser wird sie sich nicht erschlie\u00dfen, genauso wenig wie dem tapferen, mittlerweile als Anwalt arbeitenden Paul, der gewissenhaft und treu noch lange hilft, wo er kann, doch irgendwann nach zw\u00f6lf meist dunklen und traurigen Jahren aufgibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Julian Barnes reichert wie oft in seinen B\u00fcchern seine Geschichte immer wieder an mit Erkenntnissen, Weisheiten, Reflexionen und der genauen Darstellung von Gef\u00fchlen.\u00a0 Poetische Stimmungsbilder beleuchten \u00e4u\u00dfere und innere Befindlichkeiten seiner Figuren. Man ist tief bewegt und anger\u00fchrt dar\u00fcber, wie Lebenswege verlaufen k\u00f6nnen. Was ist vorherbestimmt, und was ist selbst verschuldet? Doch die Frage nach der Schuld stellt sich ihm nicht.\u00a0 Die ern\u00fcchternde, gleichwohl aber befreiende Erkenntnis von Barnes und seinem Erz\u00e4hler Paul ist die: Lebensl\u00e4ufe werden von unerwarteten \u00e4u\u00dferen und inneren Entwicklungen mitbestimmt. Entwicklungen indes, die wie diese erste Liebe Pauls sein Leben \u00fcber eine lange Zeit bestimmen werden. Und so verl\u00e4sst der Leser den Erz\u00e4hler und seine Geschichte am Ende, ohne zu wissen, was aus ihm werden wird. Er hat aber die leise Hoffnung, dass es auch f\u00fcr Paul noch einmal m\u00f6glich sein wird, Liebe zu empfinden und zu geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer selbst in seinem Leben schon einmal von einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Liebe aus der Spur geworfen wurde, wird in diesem Roman vieles wiederentdecken.<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Julian Barnes, Die einzige Geschichte, Kiepenheuer &amp; Witsch 2019, ISBN 978462-05154-4 &nbsp; Julian Barnes neues Buch \u201eDie einzige Geschichte\u201c ist ein sensibler und kunstvoller\u00a0 Roman \u00fcber eine sehr unkonventionelle erste Liebe, die f\u00fcr den jungen m\u00e4nnlichen Ich-Erz\u00e4hler Paul lebenslange Konsequenzen und Folgen haben wird und die ihn schlie\u00dflich zu der an &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7749\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Die einzige Geschichte<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-7749","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7749","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7749"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7749\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7751,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7749\/revisions\/7751"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}