{"id":7779,"date":"2019-06-14T17:00:10","date_gmt":"2019-06-14T15:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7779"},"modified":"2019-06-14T17:00:10","modified_gmt":"2019-06-14T15:00:10","slug":"die-gesellschaft-der-unfreiwilligen-traeumer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7779","title":{"rendered":"Die Gesellschaft der unfreiwilligen Tr\u00e4umer"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/54488570n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7780\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/54488570n-184x300.jpg\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/54488570n-184x300.jpg 184w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/54488570n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Jose Eduardo Agualusa, Die Gesellschaft der unfreiwilligen Tr\u00e4umer, C.H. Beck 2019, ISBN 978-3-406-73374-1<\/p>\n<p>Nachdem sein Roman \u201eEine allgemeine Theorie des Vergessens\u201c, nominiert f\u00fcr den International Man Booker Price, im Jahr 2017 bei C.H. Beck erschienen ist, pr\u00e4sentiert der M\u00fcnchner Traditionsverlag nun das neue Buch des angolanischen Autors Jose Eduardo Agualusa. Seit vielen Jahren schon gilt er nicht nur als ein wichtiger portugiesischsprachiger Schriftsteller, sondern wird auch als einer der wichtigsten zeitgen\u00f6ssischen literarischen Stimmen Afrikas gesch\u00e4tzt und geachtet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon im\u00a0 allerersten Satz des aus vielen unterschiedlichen, vom Autor \u00a0schlie\u00dflich hervorragend zusammengef\u00fchrter Erz\u00e4hlstr\u00e4ngen bestehenden Romans wird das Hauptthema formuliert, das Tr\u00e4umen: <em>&#8222;Ich wachte fr\u00fch auf. Durch das schmale Fenster sah ich l\u00e4ngliche, schwarze V\u00f6gel ziehen. Ich hatte von ihnen getr\u00e4umt. Als w\u00e4ren sie nun aus dem Traum in den Himmel geflohen, ein feuchtes Blatt Seidenpapier, dunkelblau und mit bitteren, stockigen R\u00e4ndern.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Der da tr\u00e4umt und immer wieder als Ich-Erz\u00e4hler die Geschichte weitertreibt, ist der geschiedene Journalist Daniel Benchimol, der schon im Vorg\u00e4ngerroman auftauchte. Er tr\u00e4umt immer wieder von Menschen, die er erst in der Zukunft kennenlernen wird.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Als er wieder einmal sich im Strandhotel seines alten Bekannten Hossi aufh\u00e4lt, findet Daniel eine Kamera im Meer. Ihre unzerst\u00f6rten Bilder zeigen eine Frau, die ihm schon in seinen Tr\u00e4umen erschienen ist und die er als Moira, eine in Kapstadt lebende K\u00fcnstlerin identifiziert.<\/em><\/p>\n<p><em>Auch Moira tr\u00e4umt intensiv und l\u00e4sst ihre Werke von ihren Tr\u00e4umen inspirieren. So wie Daniel ihre Bilder beschreibt, ist bald klar, dass die beiden sich begegnen werden:<\/em><br \/>\n<em>&#8222;Ich war von den Fotografien besessen. Ich lie\u00df sie ausdrucken, schaute sie mir vor dem Einschlafen an. Und gleich nach dem Aufwachen wieder. Verbrachte viele verlorene Augenblicke damit, diese nackte Frau anzuschauen, so entr\u00fcckt, so sch\u00f6n. Ich strich mit den Fingern \u00fcber ihre kleinen Br\u00fcste, ihre langen Beine. Und wenn ich einschlief, traf ich sie in meinen Tr\u00e4umen wieder, nur zog sie nun in der Ferne vorbei, nicht wie ein Mensch, sondern wie eine Landschaft. Nur die schlafwandelnden V\u00f6gel redeten mit mir.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Hossi hingegen, ehemaliger UNITA-K\u00e4mpfer, leidet darunter, dass er gegen seinen Willen anderen Menschen im Traum erscheint, was teilweise drastische Folgen hat.<\/em><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Daniels Tochter indes tr\u00e4umt davon, den korrupten Staat zu st\u00fcrzen. Sie schlie\u00dft sich einer Aktivistengruppe an, die sich die friedliche St\u00fcrmung des Parlaments in Luanda als Ziel gesetzt hat. Bei diesem Versuch wird sie verhaftet. Ihren Traum von einer fairen, unkorrupten Regierung gibt sie dennoch nicht auf.<\/p>\n<p>Dieser Strang des Romans basiert auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 2015, als eine Gruppe jugendlicher Aktivisten um den <em>Rapper<\/em> Luaty Beir\u00e3o genau das versucht hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine wichtige Rolle spielt auch noch ein brasilianischer Neurowissenschaftler, der in seinem Labor Tr\u00e4ume in Bilder verwandelt. Daniel wird dorthin fliegen, um ihn kennenlernen und die Tr\u00e4ume der Menschen besser verstehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch die nichtchronologische Erz\u00e4hlweise Agualusas und die vielen unterschiedlichen Personen und die mit ihnen verbundenen Erz\u00e4hlstr\u00e4nge in Vergangenheit und Gegenwart ist die Lekt\u00fcre des Buches nicht ganz unanstrengend, jedenfalls solange bis er gekonnt die Str\u00e4nge zusammenf\u00fcgt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie Gesellschaft der unfreiwilligen Tr\u00e4umer\u201c, im Original, das Michael Kegler gekonnt ins Deutsche \u00fcbersetzt hat, schon 2017 in Lissabon erschienen, ist ein rebellischer und gleichwohl komischer Roman voller Poesie. Er handelt von der enormen Sprengkraft von Tr\u00e4umen und ihrem Zauber, die, wenn viele Menschen tr\u00e4umen, sogar, wie in Angola tats\u00e4chlich geschehen, ein Regime zum Abtreten zwingen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es geht um private, politische und utopische Tr\u00e4ume und um die traumhaft verschlungene, r\u00e4tselhafte Realit\u00e4t des Lebens selbst.\u00a0 Ein erz\u00e4hlerisches Gesamtkunstwerk.<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Jose Eduardo Agualusa, Die Gesellschaft der unfreiwilligen Tr\u00e4umer, C.H. Beck 2019, ISBN 978-3-406-73374-1 Nachdem sein Roman \u201eEine allgemeine Theorie des Vergessens\u201c, nominiert f\u00fcr den International Man Booker Price, im Jahr 2017 bei C.H. Beck erschienen ist, pr\u00e4sentiert der M\u00fcnchner Traditionsverlag nun das neue Buch des angolanischen Autors Jose Eduardo Agualusa. 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