{"id":7788,"date":"2019-06-14T17:03:28","date_gmt":"2019-06-14T15:03:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7788"},"modified":"2019-06-14T17:03:28","modified_gmt":"2019-06-14T15:03:28","slug":"all-das-zu-verlieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7788","title":{"rendered":"All das zu verlieren"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/54464826n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7789\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/54464826n-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/54464826n-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/54464826n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leila Slimani, All das zu verlieren, Luchterhand Verlag 2019, ISBN 978-3-630-87553-8<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach ihrem gro\u00dfen Erfolg \u201eDann schlaf auch du\u201c hat sich der Luchterhand Verlag in M\u00fcnchen entschlossen, nun auch Leila Slimanis ersten in Frankreich schon 2015 erschienenen Roman unter dem deutschen Titel \u201eAlles zu verlieren\u201c zu ver\u00f6ffentlichen. Schon in diesem Erstling zeigt sich die enorme erz\u00e4hlerische Kraft der 1981 in Rabat in Marokko geborenen und nun mit ihrer Familie in Paris lebenden Schriftstellerin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Selten zuvor hat eine Schriftstellerin die weibliche Perspektive einer destruktiven und gewaltbreiten Sexualit\u00e4t mit ihren selbstzerst\u00f6rerischen Folgen so \u00fcberzeugend, aber schockierend zu Papier gebracht und beschrieben. Zu lesen, was sich die Protagonistin Adele in ihrem suchthaften Begehren, das man kaum mehr als solches akzeptieren mag, antut, ist\u00a0 \u00fcber weite Strecken verst\u00f6rend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Adele ist eine Journalistin, die den Job in ihrer Redaktion durch Beziehungen ihres Ehemannes bekommen hat. Ihr Arbeitsleben und auch ihr Ehe- und Familienleben \u00f6den sie an. In einer \u00e4rmlichen Arbeiterfamilie aufgewachsen, hat sie immer von dem getr\u00e4umt, was sie jetzt hat. Einen erfolgreichen Arzt als Ehemann, einen s\u00fc\u00dfen und gesunden kleinen Sohn und genug Geld, sich alle Tr\u00e4ume zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch sie langweilt sich hier wie dort und gibt sich einer selbstzerst\u00f6rerischen Sexsucht hin. Sie muss zwanghaft mit m\u00f6glichst vielen, oft ihr auch v\u00f6llig fremden M\u00e4nnern schaffen, nicht selten brutal und ungesch\u00fctzt und meist unter erheblichem Konsum von Alkohol. Sie tut das alles hinter dem R\u00fccken ihres Mannes w\u00e4hrend dessen Nachtdiensten und unter erheblicher Vernachl\u00e4ssigung ihres kleinen Sohns. Was sie da treibt ist absto\u00dfend und man fragt sich, wieso sie so geworden ist. Etliche R\u00fcckblicke in ihre Kindheit und Jugend geben aber f\u00fcr die Entstehung ihrer Sucht kaum Aufschluss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Adele regelrecht l\u00e4ufig durch Paris streift auf der Suche nach dem n\u00e4chsten beliebigen Mann, der sie benutzen darf, tr\u00e4umt ihr als Arzt sehr erfolgreicher Mann Richard davon, aufs Land zu ziehen und sich in eine Klinik einzukaufen und mit Adele ein weiteres Kind zu haben. Es ist ihm nicht klar, dass er seine Frau mit diesen immer wieder verbindlich vorgetragenen Pl\u00e4nen immer weiter in die Einsamkeit ihrer Sucht dr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Sucht wird st\u00e4rker und st\u00e4rker, der Sohn und die Arbeit l\u00e4stig, das L\u00fcgenkonstrukt immer br\u00fcchiger und irgendwann\u00a0 bricht es in sich zusammen. Alles fliegt auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann macht Leila Slimani in der Handlung einen radikalen Schnitt. Wo der Leser erwartet hatte, der Arzt h\u00e4tte Adele den Laufpass gegeben, leben sie jetzt alle in einem sch\u00f6nen Haus auf dem Land und Adele bem\u00fcht sich, eine ordentliche Ehefrau zu sein. Er kontrolliert sie Tag und Nacht, was sie akzeptiert, weil sie Angst hat, \u201eall das zu verlieren\u201c, was ihr eben auch wichtig ist, ihren Sohn und ihre Familie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ihr Vater stirbt, erlaubt Richard Adele, alleine zu dessen Beerdigung zu reisen. Schon als sie aufbricht, ahnt man, dass nichts vorbei ist, dass sie wieder r\u00fcckf\u00e4llig werden und den lange erfolgreichen Kampf gegen ihre Sucht verlieren wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Schluss des Buches l\u00e4sst offen, wie das Leben von Adele weitergehen wird und deutet an, dass es auch in dieser Form der Sexsucht eine Co-Abh\u00e4ngigkeit gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur\u00fcckbleibt ein ersch\u00fctterter Leser, der angesichts der Ausweglosigkeit des Schicksals der Protagonistin und ihrer Familie sich fragt, ob es f\u00fcr eine solche Sucht wirklich keine Heilung gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leila Slimani jedoch enth\u00e4lt sich jeglichen Urteils. N\u00fcchtern und schmerzhaft beschreibt sie Adeles Schicksal aus einer streng weiblichen Perspektive. Das Portr\u00e4t einer zerrissenen Frau. Wie viele von m\u00f6gen unsichtbar unter uns leben?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Leila Slimani, All das zu verlieren, Luchterhand Verlag 2019, ISBN 978-3-630-87553-8 &nbsp; Nach ihrem gro\u00dfen Erfolg \u201eDann schlaf auch du\u201c hat sich der Luchterhand Verlag in M\u00fcnchen entschlossen, nun auch Leila Slimanis ersten in Frankreich schon 2015 erschienenen Roman unter dem deutschen Titel \u201eAlles zu verlieren\u201c zu ver\u00f6ffentlichen. 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