{"id":78,"date":"2015-05-26T16:04:18","date_gmt":"2015-05-26T14:04:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=78"},"modified":"2015-05-26T16:16:32","modified_gmt":"2015-05-26T14:16:32","slug":"zum-weltfrieden-ein-politischer-entwurf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=78","title":{"rendered":"Zum Weltfrieden. Ein politischer Entwurf"},"content":{"rendered":"<p>Michael Wolffsohn, <strong>Zum Weltfrieden. Ein politischer Entwurf<\/strong><br \/>\nDTV 2015, ISBN 978-3-423-26075-6<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der hat dieser Tage in einem Interview daf\u00fcr pl\u00e4diert, in der Ukraine zur Stabilisierung der Lage ein f\u00f6deralistisches System einzuf\u00fchren:<\/p>\n<p>\u201eIch glaube, dass das Abkommen von Minsk die gro\u00dfe Chance ist, den Konflikt friedlich zu regeln. Dazu sind aber auch weitreichende Reformen in der Ukraine erforderlich \u2013 im Sinne eines F\u00f6deralismus wie in der Schweiz oder in Deutschland. Das bedeutet dann zum Beispiel auch, dass die Polizei regional organisiert ist.\u201c<\/p>\n<p>Fast zeitgleich bringt der neue israelische Pr\u00e4sident Reuven Rivlin in einem Interview mit der S\u00fcddeutschen Zeitung eine F\u00f6deration mit den Pal\u00e4stinensern ins Gespr\u00e4ch \u00fcber die festgefahrene Debatte \u00fcber eine Zweistaatenl\u00f6sung.<\/p>\n<p>\u00dcberall, wo im Augenblick in der Welt Konflikte schwelen oder offen ausgebrochen sind, sei es in Libyen, in Syrien und vielen L\u00e4ndern Afrikas und Asiens zeigt sich Folgendes: Staaten zerbrechen, B\u00fcrgerkriege breiten sich aus. Terroristen wie Staatschefs sto\u00dfen in die L\u00fccken vor, die sich durch scheiternde Staaten auftun, und nutzen sie. Viele Staaten sind gescheitert oder werden noch scheitern. Jede neue Krise l\u00f6st hektische Aktivit\u00e4ten aus, einen Tourismus der Friedens\u00adpolitik auf allerh\u00f6chstem Niveau, der zu keiner L\u00f6sung f\u00fchrt. Warum ist das so?<\/p>\n<p>Michael Wolffsohn zeigt in seinem lesenswerten Buch, dass es damit zusammenh\u00e4ngt, dass sich das V\u00f6lkerecht immer am Nationalstaatsgedanken orientiert hat. Doch die Grenzen vieler Staaten gerade von denen, um es aktuell immer geht, sind Ergebnis reiner Willk\u00fcr. Oft mit dem Lineal gezogen nach Weltkriegen und Entkolonialisierung, ohne R\u00fccksicht auf Stammesgrenzen, Religionen und Kulturen.<\/p>\n<p>Wolffsohn zeigt das an Beispielen unz\u00e4hliger L\u00e4nder und Regionen dieser Welt und macht einen gro\u00dfen Wurf, der noch unsere politische Vorstellungskraft zu sprengen scheint: Er will weg vom traditionellen Staatenmodel und hin zu f\u00f6derativen Systemen.<\/p>\n<p>Die vielen gedanklichen Abers, die sich mir beim Lesen immer wieder stellten, zeigten mir nur eines auf: wie stark mein politisches Bewusstsein mit dem Gedanken und der Idee eines souver\u00e4n handelnden Nationalstaates verkn\u00fcpft ist. Wie kann bei Wolffsohns Idee verhindert werden, dass es zu einer r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Kleinstaaterei kommt, in dem keine wirklichen obrigkeitlichen Aufgaben mehr zentral durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hat das Buch die Debatte er\u00f6ffnet. Ich w\u00fcnsche ihm eine breite Diskussion.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Wolffsohn, Zum Weltfrieden. Ein politischer Entwurf DTV 2015, ISBN 978-3-423-26075-6 &nbsp; Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der hat dieser Tage in einem Interview daf\u00fcr pl\u00e4diert, in der Ukraine zur Stabilisierung der Lage ein f\u00f6deralistisches System einzuf\u00fchren: \u201eIch glaube, dass das Abkommen von Minsk die gro\u00dfe Chance ist, den Konflikt friedlich zu regeln. Dazu sind aber &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=78\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zum Weltfrieden. 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