{"id":7897,"date":"2019-06-28T10:08:09","date_gmt":"2019-06-28T08:08:09","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7897"},"modified":"2019-06-28T10:08:09","modified_gmt":"2019-06-28T08:08:09","slug":"erfahrungsspuren-eine-autobiographische-denkreise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7897","title":{"rendered":"Erfahrungsspuren. Eine autobiographische Denkreise"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/52855043n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7898\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/52855043n-197x300.jpg\" alt=\"\" width=\"197\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/52855043n-197x300.jpg 197w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/52855043n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oskar Negt, Erfahrungsspuren. Eine autobiographische Denkreise, Steidl 2019, ISBN 978-3-95829-522-3<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesen Tagen im Juni 2019 wurde der weltweit geachtete Philosoph J\u00fcrgen Habermas 90 Jahre alt. Einer seiner Sch\u00fcler war der zehn Jahre j\u00fcngere Oskar Negt, der hier den zweiten Band seiner autobiographischen Spurensuche vorlegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie schon im ersten Band seiner Erinnerung , der 2017 unter dem Titel \u201e\u00dcberlebensgl\u00fcck\u201c erschienen ist und von den Erfahrungen seiner durch die Flucht gepr\u00e4gten Kindheit und den ersten Jahren nach dem Krieg bis zu Negts Hochschulreife handelte, wechselt er auch in dem hier vorliegenden Band \u201eErfahrungsspuren\u201c zwischen biographischen Erinnerungen tiefgehenden philosophischen und politischen Reflexionen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun, da er in Oldenburg sein Abitur abgelegt hat, zieht es ihn nach Frankfurt, wo in der sogenannten Frankfurter Schule die Philosophen Horkheimer, Adorno und Habermas\u00a0 eine gro\u00dfe Schar junger Menschen anziehen, die wie Negt nach Wahrheit suchen und die Gesellschaft ver\u00e4ndern wollen. \u00a0Dort beginnt eine in dem Buch beschriebene beeindruckende \u201eDenkreise\u201c, die auch in der Gegenwart bei dem mittlerweile 80-j\u00e4hrigen Negt l\u00e4ngst nicht an ihr Ende gekommen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oskar Negts bewegte Studienzeit endet damit, dass er als noch sehr junger Mann von J\u00fcrgen Habermas zum Assistenten gemacht wird. Neben dem Beginn eigener Lehrveranstaltungen tritt Oskar Negt in diesen Jahren weit mehr als seine philosophischen Lehrer in der sich bildenden au\u00dferparlamentarischen Opposition mit Vortr\u00e4gen und Kampfschriften auf und wird einer ihrer viel beachteten Wortf\u00fchrer. Wie kaum ein anderer sucht er schon sehr fr\u00fch die politischen Auseinandersetzungen mit der RAF, deren Weg er f\u00fcr verh\u00e4ngnisvoll und f\u00fcr die Befreiung der Gesellschaft, der auch er sich verpflichtet wei\u00df, kontraproduktiv h\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit 36 Jahren erh\u00e4lt er 1970 einen C 4 Lehrstuhl an der Universit\u00e4t Hannover, wo er bald schon eine neue Gruppe von Sch\u00fclern um sich schart, unter anderem den genialen Detlev Claussen, bei dem ich als Student in vielen selbstorganisierten Seminaren eine Menge gelernt habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber Negts Arbeit beschr\u00e4nkt sich nie nur auf die akademische Lehre, deren Praxis er in dem Buch zusammen mit seiner Ehefrau Christine Morgenroth reflektiert, sondern er engagiert sich in der gewerkschaftlichen Bildungs- und Kulturarbeit und begleitet sie mit vielen Publikationen, die noch heute lesenswert sind. Mit dem Projekt \u201eGlocksee\u201c z\u00e4hlt er mit seinem Kollegen Thomas Ziehe zu den Gr\u00fcndern eines alternativen Schulmodells, das zu gleichen Teilen auf soziale Integration und individuelle F\u00f6rderung setzt. Noten werden erst in der zehnten Klasse vergeben. An der Schule lernen bis heute etwa 210 Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich konnte als in den 70 er Jahre politisch sozialisierter Zeitgenosse, der das Wirken von Oskar Negt auch \u00fcber das damalige Sozialistische B\u00fcro in Offenbach immer aufmerksam verfolgt hat, in dem Buch von einer Mange interessanter Begegnungen und lebenslangen Freundschaften lesen und mich gefangen nehmen lassen von einer nach wie vor unersch\u00fctterlichen Wahrheitssuche und Ver\u00e4nderungshoffnung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Ende des Buches schreibt er: \u201eWir d\u00fcrfen nicht warten, bis das Gemeinwesen verrottet ist und die moralische Verkr\u00fcppelung ein gesellschaftliches Klima geschaffen hat, das die M\u00fche um Anstand und politische Urteilskraft immer beschwerliche rund vielfach aussichtslos werden l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein beeindruckendes Leben voller \u201eErfahrungsspuren\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Oskar Negt, Erfahrungsspuren. 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