{"id":7917,"date":"2019-07-02T15:03:50","date_gmt":"2019-07-02T13:03:50","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7917"},"modified":"2019-07-02T15:03:50","modified_gmt":"2019-07-02T13:03:50","slug":"freiraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7917","title":{"rendered":"Freiraum"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/54461817n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7918\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/54461817n-183x300.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/54461817n-183x300.jpg 183w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/54461817n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Svenja Gr\u00e4fen, Freiraum, Ullstein f\u00fcnf 2019, ISBN 978-3-96101-037-0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem Svenja Gr\u00e4fens literarisches Deb\u00fct \u201eDas Rauschen in unseren K\u00f6pfen\u201c nicht nur den Rezensenten begeistert hat, sondern mit seiner kunstvollen Sprache und eigent\u00fcmlichen Sch\u00f6nheit auch andere Kritiker \u00fcberzeugte, geht es auch in ihrem nun vorliegenden zweiten Roman, der bei Ullstein f\u00fcnf erschienen ist, um die Geschichte eine Paares. Waren es im ersten Buch Lene und Hendrik, in deren zun\u00e4chst so leichte und lockere Liebesbeziehung sich immer mehr Probleme aus der Vergangenheit des jungen Mannes mischten und die Beziehung gef\u00e4hrdeten, sind es in\u00a0 der Beziehung der beiden jungen Frauen Vela und Maren eher gegenw\u00e4rtige Geschehnisse, die die Beziehung der beiden unter eine gro\u00dfe Belastungsprobe stellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber die Schilderung der privaten\u00a0 Situation der beiden Frauen n\u00e4hert sich Svenja Gr\u00e4fen zwischen den Zeilen aber immer wieder sehr schnell dem Poltischen und der Frage, die die Generation der nach 1990 geborenen Menschen umtreibt: wie wollen wir leben?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit fast z\u00e4rtlichem Mitgef\u00fchl beschreibt die Autorin ihre beiden Protagonistinnen, die seit einiger Zeit eine gl\u00fcckliche Beziehung f\u00fchren. Sie haben einen gemeinsame Kinderwunsch und suchen seit langem schon vergeblich nach einer gr\u00f6\u00dferen Wohnung, ohne die sie diesen Wunsch nicht verwirklichen k\u00f6nnen. Ihre jeweiligen Jobs sind wie die vieler in dieser Generation eher prek\u00e4r und stellen selbst kleine Mieterh\u00f6hungen sie vor ernste Probleme.<\/p>\n<p>Und so scheinen all ihre Tr\u00e4ume und Pl\u00e4ne von einem gemeinsamen Leben mit einem Kind immer mehr an den Gegebenheiten und Anforderungen der Gro\u00dfstadt zu scheitern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In dieser Situation, in die Gr\u00e4fen ihre Leser am Beginn des Romans einf\u00fchrt, macht Maren ihrer Partnerin einen unerwarteten Vorschlag, dessen Realisierung vor allem Vela im Verlauf des Romans vor schwere Probleme stellen wird. Marens Schwester Jo lebt am Rande der Stadt zusammen mit anderen Menschen in einem ambitionierten Lebensprojekt\u00a0 in einem gro\u00dfen alten Haus mit Garten, das ein Mitbewohner namens Theo geerbt hat und das er der Gemeinschaft zur Verf\u00fcgung stellt. Dort ist ein gro\u00dfes Zimmer frei geworden (\u00fcber die Umst\u00e4nde dieses Leerstandes erfahren wir sp\u00e4ter im Buch sehr Wichtiges) und Maren \u00fcberzeugt Vela davon, dass sie beide das Angebot der Gemeinschaft annehmen und dort einziehen. F\u00fcr beide bedeutet es nicht nur, mit neuen Menschen zusammenzuleben und sich in deren besondere Gemeinschaft einzuf\u00fcgen, sondern sie haben zu ihren bisherigen Arbeitspl\u00e4tzen auch viel weitere Wege. Doch durch die idyllische ruhige Lage scheint das mehr als wettgemacht zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine ganz besondere Rolle in diesem Wohn- und Lebensprojekt spiellt, das wird mit jedem Kapitel mehr deutlich, der Eigent\u00fcmer des Hauses, Theo, der als Gartenarchitekt gutes Geld verdient und sich als so etwa wie er ideologische spiritus rector der Gemeinschaft herausstellt. Ein Menschen, dessen wahren Beweggr\u00fcnde eher im Dunkeln bleiben (falls sie ihm selbst denn je bewusst geworden sind) und der insbesondere Vela von Anfang an suspekt ist. Es ist auch Vela, die sich mit dem Einleben in der Gruppe schwerer tut als Maren,mit ihrem Zweifeln und Gef\u00fchlen aber alleine bleibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Theo sich als Samenspender f\u00fcr Maren anbietet, als diese ihren Kinderwunsch nun in der neuen Umgebung umsetzen m\u00f6chte und Maren darauf positiv reagiert, da st\u00fcrzt f\u00fcr Vela die ganze gemeinsame Zukunftshoffnung eines Lebens mit Maren scheinbar zusammen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach und nach werden Velas Vorahnungen \u00fcber Theos Rolle im Projekt und \u00fcber dessen inneren Zustand best\u00e4tigt und sie f\u00fchlt sich immer einsamer. Lediglich mit Darek, der sie mit seinem Auto oft mit in die Stadt nimmt, hat sie so etwas wie eine warme Beziehung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eFreiraum\u201c spielt auf zwei Zeitebenen. In einer Ebene beschreibt Svenja Gr\u00e4fen fortlaufend in R\u00fcckblicken, wie Vela Maren kennenlernt, wie sie sich ineinander verlieben. Der Leser erf\u00e4hrt von vor\u00fcbergehenden Jobs, die sich als prek\u00e4rer Dauerzustand entpuppen, davon, wie sich Tr\u00e4ume junger Menschen einfach nicht verwirklichen lassen angesichts mangelndem sicheren Einkommen, steigender Mieten und erfolgloser Wohnungssuche. Diese R\u00fcckblicke bis zu dem Zeitpunkt , an dem sich Vela mit widerspr\u00fcchlichen Gef\u00fchlen auf das Wohnprojekt einl\u00e4sst, zeigen am Beispiel zweier Frauen, in welcher beruflichen und pers\u00f6nlichen Situation sich gegenw\u00e4rtig viele Millenials befinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der anderen Ebene des Romans beschreibt Svenja Gr\u00e4fen die Menschen und ihr Zusammenleben im Haus. Ihr Versuch anders zu leben und ihr jeweiligen ganz pers\u00f6nlichen Probleme, sich auf ein solches Leben einzulassen. Immer mehr wird auch die besondere und nicht immer sympathische Rolle von Theo dabei klarer und so manches bisher geh\u00fctete Geheimnis kommt ans Tageslicht und bringt Unruhe in die langsam br\u00f6ckelnde Gemeinschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfer Sprachkunst gelingt es Svenja Gr\u00e4fen, der wohl auch biografisch konnotierten Frage nachzugehen, wie das ist mit Lebenstr\u00e4umen, wie es passiert, dass als Provisorium gedachte Zust\u00e4nde ein traumvernichtenden Endg\u00fcltigkeit bekommen. Wann sollte man sich mit Realit\u00e4ten abfinden und sich eingestehen, dass eben manche ertr\u00e4umte Lebenst\u00fcren geschlossen bleiben werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eFreiraum\u201c (so ist die Bezeichnung Theos f\u00fcr das gemeinsame Leben im Haus) ist ein nachdenklicher Roman, der am Ende trotz aller Entt\u00e4uschungen einen gewissen Spielraum l\u00e4sst f\u00fcr ein gutes Ende von Vela und Maren. Aber es bleibt unklar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Svenja Gr\u00e4fen zeichnet ihre Figuren mit gro\u00dfem und warmherzigem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und scharfer Beobachtungsgabe und konnte mir als 1954 Geborenem einen Eindruck vermitteln \u00fcber das Lebensgef\u00fchl vieler junger gro\u00dfst\u00e4dtischer Menschen in der Gegenwart, ihrem Lebensgef\u00fchl und ihren Tr\u00e4umen von einem selbstbestimmten Leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich freue mich auf den n\u00e4chsten Roman dieser sprachbegabten Schriftstellerin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Svenja Gr\u00e4fen, Freiraum, Ullstein f\u00fcnf 2019, ISBN 978-3-96101-037-0 &nbsp; Nachdem Svenja Gr\u00e4fens literarisches Deb\u00fct \u201eDas Rauschen in unseren K\u00f6pfen\u201c nicht nur den Rezensenten begeistert hat, sondern mit seiner kunstvollen Sprache und eigent\u00fcmlichen Sch\u00f6nheit auch andere Kritiker \u00fcberzeugte, geht es auch in ihrem nun vorliegenden zweiten Roman, der bei Ullstein f\u00fcnf erschienen ist, um die &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7917\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Freiraum<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-7917","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7917","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7917"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7917\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7919,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7917\/revisions\/7919"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7917"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7917"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7917"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}