{"id":7930,"date":"2019-08-02T10:41:06","date_gmt":"2019-08-02T08:41:06","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7930"},"modified":"2019-08-02T10:41:06","modified_gmt":"2019-08-02T08:41:06","slug":"all-die-unbewohnten-zimmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7930","title":{"rendered":"All die unbewohnten Zimmer"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/54340939n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7931\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/54340939n-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/54340939n-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/54340939n.jpg 242w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Friedrich Ani, All die unbewohnten Zimmer, Suhrkamp 2019, ISBN 978-3-518-42850-4<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich das neue Buch von Friedrich Ani vor einigen Wochen in H\u00e4nden hielt und auf der Umschlagseite las, dass Ani in diesem fast 500 Seiten umfassenden Werk alle seine bisherigen Ermittlerfiguren zusammenkommen l\u00e4sst um mit ihren jeweiligen\u00a0 Methoden und ihrer jeweiligen unverwechselbaren Pers\u00f6nlichkeit zwei voneinander unabh\u00e4ngige F\u00e4lle zu l\u00f6sen, da habe ich mich insbesondere auf den ehemaligen M\u00f6nch Polonius Fischer gefreut. Die beiden vor weit \u00fcber zehn Jahren erschienenen Romane Anis \u00fcber diesen stillen und ungew\u00f6hnlichen Kommissar sind nach meiner Meinung nach wie vor mit die besten, die Ani je geschrieben hat.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst nimmt Polonius Fischer die vor acht Jahren in die Provinz strafversetzte Fariza Nasri wieder in sein Dezernat K 111 auf. Sofort wird sie in einen Fall verwickelt, der ihr alles abverlangt und ihre Integrit\u00e4t auf eine harte Probe stellt. Ob es ihr gelingen wird, sie zu bewahren, l\u00e4sst Ani bis kurz vor dem Ende offen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben Polonius Fischer, der kurz vor seiner Pensionierung steht, tauchen auch der alte Jakob Franck und der schon in der Versenkung verschwunden geglaubte Tabor S\u00fcden wieder auf und beteiligen sich mit ihren je eigenen Ermittlungsmethoden an der Aufkl\u00e4rung zweier Mordf\u00e4lle, die allen zusammen zun\u00e4chst gro\u00dfe R\u00e4tsel aufgeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch Ani l\u00e4sst seinen Figuren Zeit. Scheinbar zuf\u00e4llig und am Ende dann doch ganz nachvollziehbar l\u00e4sst er Personen und Handlungsstr\u00e4nge ineinandergreifen. Nicht nur die Ermittler, sondern auch etliche andere Personen aus vielen \u00e4lteren Romanen Anis tauchen wieder auf. Immer wieder f\u00fcgt Ani Erinnerungen und R\u00fcckblenden in die laufende Handlung ein, l\u00e4sst sich Zeit mit der ausf\u00fchrlichen Beschreibung ihrer Lebensumst\u00e4nde und alle der unbewohnten Zimmer, die ihr Leben charakterisieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle vier Ermittler schickt Ani auf eine sorgf\u00e4ltige Spurensuche, l\u00e4sst sie Umwege gehen und\u00a0 Seitenwege beschreiten. Vielleicht noch mehr als in fr\u00fcheren B\u00fcchern widmet er sich der ausf\u00fchrlichen Beschreibung der Kleinigkeiten im Leben dieser meist unsichtbaren Menschen, die sich schon lange dem normalen Alltag entzogen haben. Ani hat einen Blick und eine sensible ehrliche Sprache und schenkt ihnen allen jene Beachtung, die sie selbst nicht zu verdienen glauben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ani lebt und arbeitet in M\u00fcnchen, wo alle seine Romane spielen. Er schaut politisch und gesellschaftlich auf die dunklen Seiten der Stadt, er n\u00e4hert sich den Menschen, die keiner mehr wahrnimmt und die sich schon lange selbst aufgegeben haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch seine Ermittler bewegen sich schon lange immer am Abgrund ihrer pers\u00f6nlichen Existenz. Doch gerade deshalb, weil sie immer selbst kurz vor dem eigenen Verschwinden stehen, haben sie einen unverwechselbaren Blick entwickelt, der Menschen ganz tief in die Seele blickt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ani selbst hat einen wachen Blick f\u00fcr die gegenw\u00e4rtigen politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, die er auch in seinen neuen Roman eingewoben hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wieder habe mich am Ende einer spannenden, unterhaltsamen und dennoch nachdenklichen Lekt\u00fcre gefragt, ob nun endg\u00fcltig Schluss ist mit Polonius Fischer, der nach \u00fcber vierzehnj\u00e4hriger Pause wieder aufgetaucht ist, mit Tabor S\u00fcden, der sein eigenes endg\u00fcltiges Verschwinden aus dieser Welt zu genie\u00dfen scheint, mit Jakob Franck, der in seiner \u201eGedankenf\u00fchligkeit\u201c die Toten liebt und sie achtet und mit Fariza Nasri, Jakob Francks \u201eLieblingssyrerin\u201c, deren Versetzung er vor acht Jahren nicht verhindern konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit seiner Tiefe und seinem immerw\u00e4hrenden Versuch, die Abgr\u00fcnde menschlichen Lebens und gesellschaftlicher Realit\u00e4t zu beschreiben, ohne in platte Formeln abzugleiten, hat sich Ani immer wieder als einer der besten zeitgen\u00f6ssischen Krimischriftsteller gezeigt und ist daf\u00fcr auch mehrfach ausgezeichnet worden.<\/p>\n<p>Wer Ani liest, muss viel aushalten k\u00f6nnen an Aporie, Sinnlosigkeit und Hoffnung, er muss sich konfrontieren mit Glauben und Zweifel, Philosophie und Theologie und darf sich aber auch an Menschen freuen, die versuchen gerne und froh zu leben und ihrem Leben einen kleinen, bescheidenen Sinn zu geben<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Friedrich Ani, All die unbewohnten Zimmer, Suhrkamp 2019, ISBN 978-3-518-42850-4 &nbsp; Als ich das neue Buch von Friedrich Ani vor einigen Wochen in H\u00e4nden hielt und auf der Umschlagseite las, dass Ani in diesem fast 500 Seiten umfassenden Werk alle seine bisherigen Ermittlerfiguren zusammenkommen l\u00e4sst um mit ihren jeweiligen\u00a0 Methoden und ihrer &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=7930\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">All die unbewohnten Zimmer<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-7930","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7930","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7930"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7930\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7932,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7930\/revisions\/7932"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7930"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7930"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7930"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}