{"id":830,"date":"2015-11-30T13:06:17","date_gmt":"2015-11-30T11:06:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=830"},"modified":"2015-11-30T13:06:17","modified_gmt":"2015-11-30T11:06:17","slug":"vaterhaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=830","title":{"rendered":"Vaterhaus"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/42716529z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-831\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/42716529z-186x300.jpg\" alt=\"42716529z\" width=\"186\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/42716529z-186x300.jpg 186w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/42716529z.jpg 261w\" sizes=\"auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bea Dieker, Vaterhaus, Jung und Jung 2015, ISBN 978-3-99027-074-5<\/p>\n<p>In ihrem ersten,\u00a0 wohl stark autobiographisch gepr\u00e4gten Roman geht die in Frankfurt lebende K\u00fcnstlerin Bea Dieker ihren Erinnerungen an ihre Kindheit nach. Sie tut das auf eine derart ehrliche und authentische Weise, dass jedenfalls beim Rezensenten immer wieder Bilder, Worte und Szenen aus seiner eigenen Lebensgeschichte vor das innere Auge traten.<\/p>\n<p>In einem wahren Kraftakt, dessen Sprache man die Anstrengung des ganzen literarischen Unternehmens abspuert, l\u00e4sst sie das Haus, in dem sie aufwuchs und dem sie schlussendlich in ihre pers\u00f6nliche Freiheit entfloh, wieder auferstehen. Jede detaillierte Beschreibung unz\u00e4hliger Einzelheiten wie etwa Farben, Ger\u00fcche und Einrichtungsgegenst\u00e4nde ist mit konkreten Erinnerungen verbunden. Sie nennt es nicht ohne Grund das &#8222;Vaterhaus&#8220;, weil dieser Mann so wie ihr ebenfalls im Haus lebender Gro\u00dfvater die ihre Kindheit pr\u00e4gende Figur war. Schildert sie den Gro\u00dfvater in seiner Werkstatt eher mit liebevollen und warmen Toenen, kommt der Vater selbst weniger gut weg. An einer Stelle, die Bea Diekers Sprachkunst deutlich macht, schildert sie atemlos, wie sie vor dem die Mutter schlagenden und misshandelten Vater flieht:<br \/>\n&#8222;Nicht umkommen wollen durch ihn. Es selbst tun. Er noch jenseits des Gel\u00e4nders. Drehe mich, wende mich ihm frontal entgegen. Erhobene Hand. Drohe. Einschrittnaeherundichspringe (&#8230;.) Sp\u00e4ter, viel sp\u00e4ter, ungesehene Flucht auf mein Zimmer. Abgeschlossen. Das Bett, die Eisenstange umklammert. Wissen, wenn er k\u00e4me, t\u00f6ten zu k\u00f6nnen. Den Vater t\u00f6ten k\u00f6nnen. &#8230;.&#8220;<\/p>\n<p>Es ist das Leben der Sechziger- und Siebzigerjahre, das sie beschreibt, eine Zeit, in der die Menschen wie der Vater der Ich-Erz\u00e4hlerin nicht selten betrunken waren von den Versprechungen eines immer noch besseren Lebens. Mit gro\u00dfer Sorgfalt und einem durch den zeitlichen Abstand distanzierten Blick versucht sie sich ihrer Vergangenheit zu n\u00e4hern um mit sich und ihrer Lebensgeschichte so etwas wie eine Vers\u00f6hnung herzustellen.<\/p>\n<p>Es bleibt offen, ob ihr das wirklich gelingt. Als sie viele Jahre sp\u00e4ter gegen Ende des schmalen Romans f\u00fcr einige Tage als ihr Vater im Sterben liegt f\u00fcr mehrere N\u00e4chte dort ist, da ist alles fremd. &#8222;Im Unbehagen einquartiert&#8220; nennt sie das und ruft damit auf der letzten Seite des Buches bei mir nochmals Erinnerungen wach, die zwischen Schrecken und gro\u00dfer Trauer um etwas endg\u00fcltig Verlorenes wechseln.\u00a0 Das Bild der Autorin auf der hinteren Umschlagseite tr\u00e4gt genau diesen Ausdruck. Er l\u00e4sst mich ihr in diesem Augenblick ganz nahe sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; Bea Dieker, Vaterhaus, Jung und Jung 2015, ISBN 978-3-99027-074-5 In ihrem ersten,\u00a0 wohl stark autobiographisch gepr\u00e4gten Roman geht die in Frankfurt lebende K\u00fcnstlerin Bea Dieker ihren Erinnerungen an ihre Kindheit nach. 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