{"id":834,"date":"2015-11-30T13:57:53","date_gmt":"2015-11-30T11:57:53","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=834"},"modified":"2015-11-30T13:57:53","modified_gmt":"2015-11-30T11:57:53","slug":"rosaleens-fest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=834","title":{"rendered":"Rosaleens Fest"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/43682356z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-835\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/43682356z-188x300.jpg\" alt=\"43682356z\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/43682356z-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/43682356z.jpg 264w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anne Enright, Rosaleens Fest,\u00a0 DVA 2015, ISBN 978-3-421-04700-7<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In ihrem neuen Roman &#8222;Rosaleens Fest&#8220;, der f\u00fcr die Auszeichnung des Booker -Preises 2015 nominiert war, den sie vor Jahren mit ihrem Buch &#8222;Familientreffen&#8220; schon einmal gewann,\u00a0 geht es wieder einmal um eines der Lieblingsthemen und -sujets der irischen Schriftstellerin Anne Enright. Die Familie,\u00a0 was sie zusammenh\u00e4lt und charakterisiert,\u00a0 wie Kinder von ihr gepr\u00e4gt werden, vor allen Dingen von starken Mutterfiguren, wie sie versuchen,\u00a0 ihr in ein eigenes Leben zu entfliehen und wie sie am Ende doch anerkennen m\u00fcssen,\u00a0 dass das Zuhause nicht nur der Ort ist, wo die unterschiedlichen Lebensprobleme begannen,\u00a0 sondern erstaunlicherweise auch der, wo sie gel\u00f6st werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Rosaleen ist in der Gegenwartsebene des Buches, also im Jahr 2005, als sie ihre vier Kinder zu Weihnachten nach Hause ruft,\u00a0 etwa Mitte siebzig Jahre alt.<\/p>\n<p>Sie hat zwei S\u00f6hne,\u00a0 Dan, der zun\u00e4chst Priester werden wollte und Emmet. Dan ist homosexuell und geht bald nach Amerika,\u00a0 wo ihn Anne Enright im ersten Teil des Buches in den achtziger Jahren begleitet, als Aids noch auf eine vernichtende und meist t\u00f6dliche Weise in der Schwulenszene w\u00fctete.<\/p>\n<p>Emmet hat sich der Entwicklungshilfe verschrieben. Auch ihm und seinem Leben und seinen immer wieder von bitterer Entt\u00e4uschung heimgesuchten Idealen folgt Anne Enright \u00fcber eine lange Strecke.\u00a0 Ihr gelingt es hervorragend an diesen beiden in die Ferne geflohenen S\u00f6hnen etwas zu zeigen von einer Welt,\u00a0 die in diesem Zeitraum der achtziger und neunziger Jahre schon beginnt sich zu globalisieren und an vielen Orten aus den Fugen ger\u00e4t und nicht nur in Irland sondern \u00fcberall Krisen, Chaos und Elend produziert.<\/p>\n<p>Doch die beiden T\u00f6chter Rosaleens, das Nesth\u00e4kchen Hanna, die nach entt\u00e4uschten Theaterambitionen in\u00a0 der traurigen Welt des Alkohols und Selbstmitleids hart gelandet ist und die Familienfrau und Mutter Constance, die sich leer gebrannt und in der Aufopferung f\u00fcr ihre Familie selbst verloren hat, haben sich von ihrer Mutter und Familie ebensowenig abgenabelt und selbst\u00e4ndig gemacht wie ihre Br\u00fcder, die die L\u00f6sung in einer mit Freiheit imaginierten Fremde gesucht haben.\u00a0 Jeder auf seine eigene Weise, meist nicht recht bewusst, versucht sein Leben so zu f\u00fchren,\u00a0 als ob er es als Kind der trotz allem geliebten Mutter recht machen wollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In wechselnden chronologisch geordneten R\u00fcckblicken verfolgt Anne Enright das Leben der vier Kinder und ihrer Mutter von 1980 bis zu jenem Winter 2005, als Rosaleen ihre Kinder zum Weihnachtsfest einl\u00e4dt, wo sie ihnen offenbaren will, dass sie das Haus in Ardeevin, in dem die vier Geschwister aufgewachsen sind und mit dem sie die widerspr\u00fcchlichsten Erinnerungen verbinden, verkaufen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Alle reisen p\u00fcnktlich an mit Gedanken und Hoffnungen auf so etwas wie Vers\u00f6hnung mit einer nie wirklich mit ihrem Leben zufriedenen Mutter.\u00a0 Doch was sie erleben, scheint altbekannte<br \/>\nund eingespielt. Same procedure as every year.<\/p>\n<p>&#8222;Rosaleens Fest&#8220; ist ein dichter Familienroman, der sich hinabwagt in die Gr\u00fcnde und Abgr\u00fcnde von Liebe und Hass,\u00a0 der menschliches Verhalten und Fehlverhalten schonungslos beschreibt und dennoch voller Verst\u00e4ndnis ist f\u00fcr seine allesamt irgendwie gescheiterten Figuren.\u00a0 Und vor allen Dingen voller Hochachtung daf\u00fcr, was eine Familie und was eine Mutter bei allen Schw\u00e4chen und Fehlern leisten und bedeuten.<\/p>\n<p>Mit einer enormen emotionalen Wucht will der Roman zeigen und in Erinnerung rufen, was das Leben wirklich ausmacht.<\/p>\n<p>Ein mit gro\u00dfer Meisterschaft geschriebenes Buch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Anne Enright, Rosaleens Fest,\u00a0 DVA 2015, ISBN 978-3-421-04700-7 &nbsp; In ihrem neuen Roman &#8222;Rosaleens Fest&#8220;, der f\u00fcr die Auszeichnung des Booker -Preises 2015 nominiert war, den sie vor Jahren mit ihrem Buch &#8222;Familientreffen&#8220; schon einmal gewann,\u00a0 geht es wieder einmal um eines der Lieblingsthemen und -sujets der irischen Schriftstellerin Anne Enright. 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