{"id":912,"date":"2015-12-09T14:32:13","date_gmt":"2015-12-09T12:32:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=912"},"modified":"2015-12-09T14:32:13","modified_gmt":"2015-12-09T12:32:13","slug":"trauer-ist-das-ding-mit-federn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=912","title":{"rendered":"Trauer ist das Ding mit Federn"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/42716749z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-913\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/42716749z-182x300.jpg\" alt=\"42716749z\" width=\"182\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/42716749z-182x300.jpg 182w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/42716749z.jpg 289w\" sizes=\"auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Max Porter, Trauer ist das Ding mit Federn, Hanser Berlin 2015, ISBN 978-3-446-24956-1<\/p>\n<p>Es gibt viele B\u00fccher \u00fcber den Tod. Romane, die erz\u00e4hlen von Verlust und Schmerz, von der uns\u00e4glichen Leere, die der Tod nahestehender Menschen verursacht, von Trauer und Orientierungslosigkeit und von dem verzweifelten Versuch von Menschen, sowohl den Verstorbenen in ihrer Erinnerung zu behalten, als auch erste Schritte der Neuorientierung zu tun in ein Leben ohne den geliebten Menschen.<\/p>\n<p>Auch in vielen Bilderb\u00fcchern wird das Thema f\u00fcr Kinder aufgearbeitet, die ihre Gro\u00dfeltern oder gar einen Elternteil verloren haben.<\/p>\n<p>Das hier vorliegende Buch des 1981 geborenen Buchh\u00e4ndlers Max Porter geht (durch eigene Erfahrungen gepr\u00e4gt?) dieses Thema auf eine Weise an, die ungew\u00f6hnlich und literarisch einzigartig ist.<br \/>\nIn knappen Texten erz\u00e4hlt er von einem Mann und seinen beiden S\u00f6hnen,\u00a0 denen die Frau und Mutter von heute auf morgen weggestorben ist. Er erz\u00e4hlt von der Leere, dem Schmerz und auch der Wut, die sich einnisten ins Leben wie ein Geschw\u00fcr.<\/p>\n<p>Max Porter erfindet eine \u00fcberlebensgrosse Kr\u00e4he, die wenige Tage nach dem Tod der Mutter vor der Haust\u00fcr steht und sich ohne gro\u00df zu fragen Einlass nicht nur in das Haus verschafft, sondern sich in den Alltag der Familie einnistet. Sie tut das auf eine laute, regelrecht unversch\u00e4mte und vulg\u00e4re Weise. Sie bringt damit Lebendigkeit in die Familie zur\u00fcck und wird insbesondere f\u00fcr die beiden Jungs zu einem wahren Segen. Aber auch dem Vater zeigt sie wie eine Art subversiver Therapeut Wege und M\u00f6glichkeiten auf, nicht in der Trauer zu versinken.<\/p>\n<p>Am Ende-wie lange die Kr\u00e4he zu Gast war bleibt unbestimmt- sind Vater und S\u00f6hne in der Lage, die Asche der Mutter zu verstreuen, und die Kr\u00e4he verabschiedet sich mit den Worten:\u00a0 &#8222;Bitte um Erlaubnis, wegtreten zu d\u00fcrfen, ich bin hier fertig.&#8220;<\/p>\n<p>Ihre Mission ist beendet. Das Leben gewinnt wieder Oberhand gegen den Tod. Wie Max Porter das erz\u00e4hlt, ist wild und ungez\u00fcgelt, mit einer Sprache, der es gelingt, etwas einzufangen von der Verwirrung und dem Durcheinander, in die der Tod die Familie gest\u00fcrzt hat, komisch an vielen Stellen und ohne Erbarmen mit dem Leser.<\/p>\n<p>Vielleicht steht die Kr\u00e4he als literarisches Bild f\u00fcr Menschen, deren tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung so n\u00f6tig ist f\u00fcr andere, die in ihrer Trauer zu versinken drohen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Max Porter, Trauer ist das Ding mit Federn, Hanser Berlin 2015, ISBN 978-3-446-24956-1 Es gibt viele B\u00fccher \u00fcber den Tod. 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