{"id":973,"date":"2015-12-16T11:53:37","date_gmt":"2015-12-16T09:53:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=973"},"modified":"2015-12-16T11:53:37","modified_gmt":"2015-12-16T09:53:37","slug":"chuzpe-anarchie-und-koschere-muslime","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.liesdoch.de\/?p=973","title":{"rendered":"Chuzpe, Anarchie und koschere Muslime"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/42690491z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-974\" src=\"http:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/42690491z-188x300.jpg\" alt=\"42690491z\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/42690491z-188x300.jpg 188w, https:\/\/blog.liesdoch.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/42690491z.jpg 298w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Johannes C. Bockenheimer, Chuzpe, Anarchie und koschere Muslime, Pantheon 2015, ISBN 978-3-570-55276-6<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In vielen in den vergangenen Jahren erschienen B\u00fcchern haben Autoren versucht zu verstehen und zu beschreiben, was in Israel innenpolitisch und gesellschaftlich vor sich geht. Sie haben Urspr\u00fcnge lebendig gemacht und Perspektiven f\u00fcr die Zukunft aufgezeigt. Von all diesen B\u00fcchern sei Carlo Strengers 2011 erschienenes Buch \u201eIsrael\u201c genannt. Darin wurde folgendes deutlich:<\/p>\n<p>Israel geht seit einigen Jahren durch eine der schwersten Krisen seit der Staatsgr\u00fcndung 1948. Nach au\u00dfen ist das Land isoliert, selbst bei wohlwollenden Politikern und Intellektuellen in Europa rufen die Entscheidungen der Regierung nicht nur gro\u00dfes Unverst\u00e4ndnis, sondern mehr und mehr unverhohlene Ablehnung hervor.<\/p>\n<p>Vom Friedensprozess mit den Pal\u00e4stinensern ist keine Rede mehr, Araber und Juden leben im Alltag mit gegenseitiger Verachtung nebeneinander her und der eskalierende, hier in Europa kaum wahrgenommene Kampf zwischen den religi\u00f6sen und den s\u00e4kularen Juden nimmt Formen an, die nicht erst seit gestern die Grundfesten der israelischen Gesellschaft bedrohen, die innerlich mehr und mehr zerrei\u00dft.<\/p>\n<p>Mit Hilfe der Psychohistorie und mit unz\u00e4hligen Beobachtungen aus dem Alltag versuchte Carlo Strenger in diesem nach wie vor lesenswerten Buch den deutschen Lesern Einsichten zu vermitteln in die auch historisch gewachsene Mentalit\u00e4t des Landes und sich damit jenseits der weltweit eingefahrenen Wahrnehmungen Israels zwischen D\u00e4monisierung und Idealisierung zu verorten.<\/p>\n<p>Er pl\u00e4diert f\u00fcr die mentale Abr\u00fcstung der Projektionen auf allen Seiten, die er nachvollziehbar und transparent darstellt. Dabei versucht er, das menschliche Bed\u00fcrfnis nach Sinnsuche nicht zu \u00fcbersehen. Diese Kategorie taucht in seinem Buch immer wieder auf. Er kommt zu dem Schluss, dass nur eine Politik jenseits des Erl\u00f6sungsbed\u00fcrfnisses, die mit der Unvollst\u00e4ndigkeit der menschlichen Existenz Frieden geschlossen hat, Israel und dem Nahen Osten Frieden bringen kann.<\/p>\n<p>Ganz anders, aber mit dem gleichen leidenschaftlichen Impetus, Israel, das er durchaus auch als sein Land versteht, versucht der deutsche Journalist Johannes C. Bockenheimer das aktuelle Israel zu beschreiben und zu einem pers\u00f6nlichen, f\u00fcr den Leser nachvollziehbaren Verst\u00e4ndnis zu kommen. Er begegnet Schriftstellern wie Amos Oz, f\u00fchrt Gespr\u00e4che mit Politikern, Rabbis und Managern, aber auch mit ganz normalen Menschen, die sonst niemand um ihre Meinung bittet \u00fcber ihr Land.<\/p>\n<p>Er konfrontiert diese ern\u00fcchternden Bestandsaufnahmen immer wieder mit der Gr\u00fcndungsidee von Theodor Herzl und mit dem, was die vielen Menschen bewegte, die teilweise schon vor dem Zweiten Weltkrieg in Pal\u00e4stina einwanderten und vor und nach der Staatsgr\u00fcndung das Land trotz immer st\u00e4rker werdenden milit\u00e4rischen Bedrohungen durch die Araber und Kriege mit ihnen das Land zum Bl\u00fchen brachten.<\/p>\n<p>Doch Bockenheimer res\u00fcmiert: \u201eDer Staat Israel existiert zwar, Herzls Versprechen aber, dass mit dem Judenstaat auch der Judenhass Geschichte sein w\u00fcrde, hat sich als M\u00e4rchen erwiesen. Herzl ist nicht an den Zionisten gescheitert, sondern an den Antisemiten.\u201c<\/p>\n<p>Johannes Bockenheimer ist mit einer lockeren Sprache ein Buch gelungen, das nicht nur ein wichtiges Panorama der gegenw\u00e4rtigen israelischen Gesellschaft liefert, sondern auch eine unterhaltsame und stellenweise regelrecht witzige Lekt\u00fcre ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Johannes C. Bockenheimer, Chuzpe, Anarchie und koschere Muslime, Pantheon 2015, ISBN 978-3-570-55276-6 &nbsp; In vielen in den vergangenen Jahren erschienen B\u00fcchern haben Autoren versucht zu verstehen und zu beschreiben, was in Israel innenpolitisch und gesellschaftlich vor sich geht. Sie haben Urspr\u00fcnge lebendig gemacht und Perspektiven f\u00fcr die Zukunft aufgezeigt. 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