Karin Sager, Frauen auf eigenen Füßen. Spazieren, flanieren, wandern, Elisabeth Sandmann 2016, ISBN 978-3-945543-21-4
Was heute für Frauen jeden Alters und aller Schichten eine Selbstverständlichkeit ist, war in früheren Zeiten ein Affront und der Bruch von klaren Regeln.
Die Kunsthistorikerin und Germanistin Karin Sager zeigt in dem vorliegenden Buch so wie in ihren vielen früheren Publikation, wie undenkbar das Flanieren in Städten für Frauen lange war, geschweige denn das Wandern in den Bergen. Diese Aktivitäten waren den Männern vorbehalten. Wer als Frau alleine im Park spazieren ging, galt als „leichtes Mädchen“.
Am Beispiel vieler zeitgenössischer Gemälde von Boldini, Spitzweg, Segantini, Maillol und vielen anderen zeigt sie, wie seit dem 19. Jahrhundert Frauen sich sukzessive diese Männerbastion eroberten und selbst die Städte und die Park und schließlich auch die Berge unter ihre Füße nahmen.
Karin Sagner nutzt die Kunst und Literatur, um die Entwicklung des weiblichen Gehens und die Veränderung in ihrer äußerlichen Erscheinung zu veranschaulichen. Mit einer gezielten Auswahl an Kunstwerken aus drei Jahrhunderten illustriert sie die kontinuierliche Veränderung in Mode, Konvention und Körpergefühl. Texte begleiten das farbige Bildmaterial. Diese sind entweder von der Autorin selbst verfasst oder zeigen Originaltexte von Zeitzeuginnen, wie Ricarda Huch und Virginia Woolf. Am Ende des Buches sind ausführliche Quellenangaben zu finden.
Es ist ein unterhaltendes Buch, das Kunst- und Kulturgeschichte verbindet, will aber keine fundierte kulturgeschichtliche Monographie sein.
