500 einmalige Erlebnisse in Deutschland

 

 

 

 

 

Lonely Planets, 500 einmalige Erlebnisse in Deutschland, Mairdumont 2017, ISBN 978-3-8297-2663-4

 

Dieser Band beschreibt in kurzen, aber äußerst informativen Texten 500 besondere Orte oder Veranstaltungen in Deutschland und illustriert sie mit schönen, eindrucksvollen Bildern. Es zeigt eindrucksvoll, dass man keine weiten Reisen unternehmen muss, um etwas Besonderes oder gar Abenteuerliches zu erleben.

 

Gegliedert sind die verschiedenen „Erlebnisse“ nach Themenbereichen und nicht nach Regionen. Doch über das Ortsverzeichnis, in dem auch die einzelnen Bundesländern genannt werden, kann man auch durchaus Ziele in der Nähe des eigenen Wohnortes finden.

 

Das Buch mit unzähligen wirklich außergewöhnlichen Zielen verführt zum Entdecken und zum Ausprobieren. Mal was ganz Anderes!

 

Tanz der Tiefseequalle

 

 

 

 

Stefanie Höfler, Tanz der Tiefseequalle, Beltz & Gelberg 2017, ISBN 978-3-407-82215-4

 

Stefanie Höfler weiß wovon sie schreibt. Selbst  als Lehrerin arbeitend, kann sie sich auf eine bewegende und überzeugende Weise in die jugendlichen Protagonisten ihres hier vorliegenden preisgekrönten Romans hineinversetzen.

 

Es ist eine Geschichte, in der es geht um Vorurteile, Mut und strake Charaktere, eine Geschichte von Jugendlichen mitten in den Wehen der Pubertät. Spannend und mit einer überzeugenden und nüchternen Sprache lässt sie die hübsche Sera und den dicken Niko aus deren Sicht erzählen, wie sie nach etlichen  Mobbingerfahrungen vorsichtig eine gewissen Faszination füreinander entdecken und sich näherkommen.

 

Stefanie Höfler schenkt den beiden Jugendlichen eine eigene Sprache, in der sie warmherzig und gefühlvoll eine Geschichte erzählt, die wie gemacht ist für jugendliche Leser. Vielleicht wird dieses Buch in einigen Jahren ebenso als Unterrichtstoff in der 8. Klasse verwendet, wie zum Beispiel Bauers „Nennt mich nicht Ismael“ und andere.

 

 

Systemisch unterrichten

 

 

 

Johannes Schwehm, Systemisch unterrichten, Carl Auer Verlag 2017, ISBN 978-3-8497-01809-2

 

Das vorliegende Buch eignet sich für alle Lehrer, die sich für den systemischen Ansatz als einen für ihre Unterrichtspraxis hilfreiche Methode interessieren. Je nach Vorkenntnissen ist allerdings wohl einigen Zeit nötig, um sich in dieses grundlegenden Buch einzuarbeiten, das nach einem Eingangskapitel über die Bedeutung des systemischen Denken und Handelns, das die erkenntnistheoretischen Grundlagen setzt, sich im zweiten Kapitel mit diesem Denken und Handeln im pädagogischen Kontext befasst.

 

Insgesamt zwölf praktisch erprobte Moderationsverfahren für ein  systemischeres Unterrichten führen in die Praxis ein und laden zum Erproben ein.

 

Überlegungen für die Förderung von systemischen Denken im jeweiligen Schulsystem vor Ort beenden ein anspruchsvolles Buch, das als Motivation für eine weitere, intensivere Beschäftigung mit systemischen Denken geeignet ist. Auf seine Webseite bietet der Autor zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen an, die man nutzen kann um weiterzukommen.

Magnus und der Nachtlöwe

 

 

 

 

Sanne Dufft, Magnus und der Nachtlöwe, Urachhaus 2017, ISBN 978-3-8251-5113-3

 

Mit einem warmherzig und einfühlsam geschriebenen knappen Text und sehr realistischen Aquarellbildern nähert sich Sanne Dufft in den vorliegenden Bilderbuch aus dem Urachhaus Verlag dem Thema kleinkindlicher Angst vor der Nacht und ihren phantasierten Gestakten wie Räubern oder Monstern unter dem Bett.

 

Es handelt von dem kleinen Magnus, der gerne Ritter spielt. Eines Nachts träumt er von einem bösen Räuber, der ihm sein Schwert und seinen Hut wegnehmen will. Seine Mutter muss den weinenden Magnus trösten als er aufwacht.

Natürlich hört seine Großmutter davon und bringt ihm am nächsten Tag einen kleinen Stofflöwen mit, den er sofort mit ins Bett nimmt. Als er erneut von dem Räuber träumt, sagt der „Nachtlöwe“ zu ihm: „Sei kein Hasenfuß. Du bist doch ein Ritter. Setz deinen Hut auf, nimm dein Schwert und schwing dich auf meinen Rücken“.

Gemeinsam verjagen sie den Räuber, was mit einigem Lärm verbunden ist. Als der Vater nachschaut, erklärt ihm Magnus, wie sein Löwe und er den Räuber verjagt haben, und nun die Eltern ihn Ruhe schlafen können…

 

Eines der schönsten „Nachtangst“ – Bilderbücher, die ich in den letzten zehn Jahren gelesen habe.

 

 

 

 

Stille Wasser (Hörbuch)

 

 

 

 

Donna Leon, Stille Wasser. Commissario Brunettis sechsundzwanzigster Fall (Hörbuch), Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-80380-8

 

In ihren neuen, dem mittlerweile sechsundzwanzigsten Fall ihres venezianischen Commissarios Guido Brunetti, findet Donna Leon nach dem schon viel besseren letzten Fall wieder zu alter literarischer Stärke zurück. Zwar wird wieder, wie das in Italien eher die Regel zu sein scheint, der Schuldige nicht gefunden und verurteilt, aber daran hat man sich mittlerweile auch bei anderen Autoren wie etwa bei Camilleris Montalbano, schon gewöhnt.

 

„Stille Wasser“ zeigt Donna Leon, ihren Brunetti und auch die Lagune von Venedig von einer anderen, sehr nachdenklichen und philosophischen Seite.

 

Nachdem Brunetti bei einem Verhör eines hochrangigen Bürgers, der natürlich am Ende nicht für das Verantwortung übernehmen muss, was er offensichtlich getan hat, seinem Kollegen zur Hilfe kommt, der aus Wut kurz davor ist, dem Verdächtigen, dem Anwalt Antonio Ruggieri an den Kragen zu gehen, indem er einen Schwächeanfall vortäuscht. Das Verhör wird abgebrochen, Brunetti mit Verdacht auf Herzinfarkt in die Klinik gebracht und von dort mit dem dringenden Rat für eine berufliche Auszeit wieder entlassen.

 

Da es seinem schon lange gespürten Bedürfnis entgegenkommt, nimmt Brunetti diesen Rat an, und verbringt unter Vermittlung seiner Frau Paola zwei Wochen in einem Haus von Paola Verwandten auf der Insel Sant`Erasmo in der Lagune von Venedig.

 

Dort wohnt auch der alte Davide Casati, ein Mann, mit den Brunettis Vater schon ruderte und ein legendäres rennen gewann. Brunetti und Casati kommen sich bei zahlreichen Rudertouren durch die Lagune näher. Auf diesen Touren erfährt er viel über das bedrohte und  schon stellenweise zerstörte Ökosystem der Lagune  und das rätselhafte Sterben von vielen von Casati Bienenvölkern, die er auf vielen verschiedenen Inseln der Lagune aufgebaut hat.

 

Man ahnt als jemand, der vor Jahrzehnten genau die Nachrichten verfolgt hat, schon etwas davon, dass es wahrscheinlich um irgendeinen Umweltskandal gehen wird.

 

Und als Casati, dessen Frau vor einigen Jahren an Krebs gestorben ist, wofür er sich die Schuld gibt, eines Tages nicht mehr auftaucht und verschwindet, überredet Brunetti seinen Kollegen Vianello, sich kran k schrieben zu lassen und sozusagen undercover mit ihm nach Casati zu suchen.

 

Und sie kommen auf ganz alte Spuren und einen unglaublichen Skandal.

 

Donna Leon betont schon in ihren letzten Romanen immer wieder, in welch schrecklichem Zustand Venedig und seine Umgebung durch immer mehr Touristen und Umweltsünden sich befinden. Man spürt ihrem Buch ab, wie sehr sie unter dieser immer negativeren Entwicklung leidet und sie lässt auch ihren Commissario an ihrer Skepsis teilhaben.

 

„Stille Wasser“ ist trotz seiner klug aufgebauten Spannung ein nachdenkliches Buch.

 

Die hier vorliegende ungekürzte Lesung von Joachim Schönfeld besticht durch ihren ruhigen Duktus und eine Stimme, die sich hervorragend in die handelnden Personen hineinversetzt und das Hörbuch so zu einem wirklichen Erlebnis macht.

 

 

 

 

 

 

Die Spur des Lichts (Hörbuch)

 

 

 

 

Andrea Camilleri, Die Spur des Lichts. Commissario Montalbano stellt sich der Vergangenheit (Hörbuch), Lübbe Audio 2017, ISBN 978-3-7857-5469-6

 

Der vorliegende Roman mit Commissario Montalbano aus Vigata in Sizilien ist der nunmehr 19. ins Deutsche übersetzte einer Reihe, die ihr Schöpfer Andrea Camilleri, mittlerweile 92 Jahre alt, in Italien schon auf 24 Bände ausgeweitet hat.

 

Ich habe alle bisher erschienenen Bände vom ersten Band „Die Form des Wassers“ bis zum dem aktuellen vorliegenden in Italien zuerst 2011 erschienenen gelesen, und ich muss sagen, dass ich selten in einer Krimireihe (die meisten mit deutlich weniger Bänden) so wenig qualitative Unterschiede gesehen habe wie bei Camilleri.

 

Obwohl die Besetzung bis auf unwesentliche Veränderungen in seinem Ermittlerteam immer gleich bleibt, ist es jedes Mal ein Genuss zu lesen, wie Montalbano etwa seinen Vorgesetzten mit dessen eigenen Mitteln austrickst oder wie sein tolpatschiger Assistent Catarella jeden Namen verwechselt, der ihm unter die Nase kommt.

 

In den letzten Bänden spielt Camilleri immer wieder mit dem Thema Alter. Montalbanos Zwiegespräche mit seinem Alter Ego deren sich immer mehr um seine Vergesslichkeit und seine abnehmende Energie.

Doch dann zeigt sich der auf sie sechzig zugehende Commissario wieder wie im vorliegenden Band von seiner besten Seite, lässt sich von ermittlungstechnischen Sackgassen nicht entmutigen und stellt wieder einmal fest, dass seine Libido noch nicht erloschen ist.

 

Lange habe ich mich in den letzten Jahren gefragt, warum Montalbano  immer noch jeden Abend mit seiner Freundin Livia telefoniert, obwohl er jedes Mal mit ihr in einen  Streit gerät. Man spürt, dass Montalbano sie durch die Zeiten aufrichtig liebt. Und nach der Lektüre dieses Buches, in dem Camilleri viel Einblick gibt in Montalbanos Vergangenheit, auch seine Geschichte mit Livia, weiß man auch warum. Ich glaube jedenfalls mittlerweile nicht mehr daran, dass Camilleri an dem Beziehungsstand der beiden in den insgesamt fünf in Italien schon erschienenen, aber noch nicht ins  Deutsche übersetzte Bände, etwas ändern wird, auf die  sich alle Freunde dieses Commissarios, der nach wie vor gutes Essen und guten  Wein goutiert, in den nächsten Jahren freuen können.

 

Wider mit viel Sprachwitz hat der Schauspieler Bodo Wolf auch dieses Hörbuch eingelesen und begeistert seine Hörer erneut mit seinem Gespür für die lauten und die leisen  Zwischentöne Andrea Camilleris.

 

 

Wetter macht Liebe

 

 

 

Axel Bojanowski, Wetter macht Liebe, DVA 2017, ISBN 978-3-421-04763-2

 

„Wie Wind und Wolken unsere Gefühle verändern und anderen rätselhafte Phänomen der Erde“ – das soll nach dem Untertitel das Thema dieses Buches des Wissenschaftsjournalisten Axel Bojanowski sein.

 

Doch der Einfluss des Wetters auf unsere Gefühle wird in den insgesamt 50, jeweils nur wenige Seiten umfassenden Kapiteln des Buches, nur an einigen Stellen beschrieben, was dem Lesegenuss aber keinen Abbruch tut. Man darf sich nur nicht vom Cover in die Irre führen lassen.

 

Bojanowski beschreibt interessante Phänomene über die Erde, den Klimawandel, das Wetter, die Eiszeiten und vielen anderen verwunderlichen wettertechnischen Dingen auf der Erde.

 

Dabei erzählt er immer kurzweilig und mit Humor, präzise und tiefschürfend,  auch die Sache mit dem Wetter und der Liebe kommt zur Sprache, wenn auch nicht so ausführlich, wie das Buchcover vorgeben mag. Hier wird Naturwissen spannend und geistreich vermittelt. Man kann das Buch von vorne bis hinten lesen, aber auch einfach blättern und sich einzelne Themen heraussuchen. Fündig wird man sicher.

Cuba Cars

 

 

 

 

Harri Morick, Rainer Floer, Cuba Cars. Oldtimer in der Karibik, Delius Klasing 2017, ISBN 978-3-667-10837-1

 

 

Kuba ist für alle Automobilfreunde, erst recht für Liebhaber alter und besonderer amerikanischer Autos ein Mekka und ein regelrechtes Freilichtmuseum.

 

Harri Morick und Rainer Floer teilen diese Begeisterung und haben auf mehrerer Reisen in die Karibik nicht nur wunderbare Autos aufgespürt, sondern auch mit ihren Eigentümern gesprochen und mit Betreibern von Werkstätten, die mit viel Geschick und Phantasie alte Schlitten wieder auf Vordermann bringen.

 

Für Liebhaber alter amerikanischer Autos ist dieser schöne Fotoband ein Leckerbissen.

Berge unter Sternen

 

 

 

 

Bernd Willinger, Norbert Span, Berge unter Sternen, Knesebeck 2017, ISBN 978-3-95728-033-6

 

In mehr als 250 Nächten haben die beiden Alpenfreunde und Fotografen Bernd Willinger und Norbert Span  sich mit ihren Kameras in den Höhen der Alpen aufgehalten und dabei in verschiedenen Phasen der Nacht von der ruhigen Stimmung der goldenen Stunde, der Dämmerung mit ersten erkennbaren Sternbildern, der tiefen Nacht mit besonders hellen Sternen bis zur Morgendämmerung Aufnahmen von Bergen, Sternen und Lichtphänomenen gemacht, die einen beim Anschauen ein ganz ehrfürchtiges Gefühl machen.

 

Durch den Einsatz verschiedener besonderer Techniken (es gibt in diesem Buch auch Tipps für eigenes Fotografieren in den Bergen) sind Bilder von eine einzigartigen und berührenden Schönheit entstanden.

 

Ein Augengenuss der besonderen Art.

Eskapaden

 

 

 

Martin Walker, Eskapaden, Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-24394-9

 

In seinen bisherigen Büchern mit dem sympathischen Bruno Courreges, dem Chef de Police in dem kleinen Städtchen St. Denis im Perigord ist es dem Engländer Martin Walker jedes Mal sehr gut gelungen, ein aktuelles Thema in einem konkreten Kriminalfall zu verbinden mit sehr aufschlussreichen Rückblicken in die dunklen Kapitel der französischen Geschichte.

 

Während es im letzten Band meines Erachtens zu viele verschiedene Handlungsebenen gab und das Buch deshalb etwas durcheinander wirkte, ist ihm im vorliegenden achten band wieder eine tolle Mischung aus aktuellen politischen Themen und in die Gegenwart reichender Hypotheken französischer Vergangenheit gelungen.

 

Da geht es zum einen um eine radikale Tierschützerin, die für viel Unruhe in St. Denis sorgt, zum anderen um die Rolle des legendären Kriegshelden Marco Desaix, einst ein Idol des jugendlichen Bruno und seine Verwicklungen in vergangenen  und aktuelle Geheimdienstaffären.

 

Und natürlich geht es wieder um viel leckeres Essen und große Weine und um das Liebesleben Brunos. Schon kurz nach Beginn des Buches beendet seine Freundin Isabelle die sich nun schon über mehrere Bände hinziehende Beziehung, weil sie unabhängig bleiben will und Brunos Traum von einer Familie mit Kindern nicht im Wege stehen will.

 

Wann und ob  Martin Walker seinem Bruno diesen Traum erfüllt, steht allerdings in den Sternen.

Eine leidenschaftliche Nacht, die Bruno mit einer der Hauptfiguren des Buches verbringt, kostet ihn fast den Job, den er dann doch in gewohnter Manier erfolgreich erledigt.

 

Diesen Band habe ich wieder mit großer Freude und fast ohne eine wesentliche Unterbrechung gelesen und freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung in 2017.