Romantische Gartenreisen in den Niederlanden und Belgien

 

 

 

Anja Birne, Elke Borkowski, Romantische Gartenreisen in den Niederlanden und Belgien, Callwey 2019, ISBN 978-3-7667-2395-6

 

Nicht nur wegen ihrer jahrhundertelangen Traditionen der Tulpenzucht und des Tulpenanbaus sind die Niederlande seit langem eine der großen Gartennationen Europas. Das benachbarte Belgien ist es nicht weniger.

 

In der erfolgreichen Reihe der „Romantischen Gartenreisen“ des Callwey Verlags aus München haben die Bestsellerautorin Anja Birne und ihre Fotografin Elke Borkowski die schönsten Gärten in den Niederlande und Belgien besucht und in Wort und Bild porträtiert. Bekannte und weniger bekannte Gärten, die jeder Gartenfreund gesehen haben sollte.

 

Das Konzept der Reihe ist so aufgebaut, dass der Leser dieses Buches sich von ihm ermutigen lassen soll, in einer oder mehreren Teilreisen diese Gärten selbst aufzusuchen und zu besichtigen.

 

Genaue Reisebeschreibungen und Ortsangaben machen zusammen mit zahlreichen anderen Reisetipps und Wissenswertem das Buch zu einem idealen Reiseführer für jeden Gartenfreund.

 

Porträts besonderer Persönlichkeiten, Einblicke in die junge begeisternde Gartenszene dieser beiden Länder sowie ein umfassender Serviceteil machen das Buch zu einem Leckerbissen für alle Gartenfans.

 

30 beliebte Rezepte aus der Region schließen ein wunderbares Buch ab, das auch für Gartenfreunde von Interesse ist, die keine Gartenreise unternehmen, für die Menschen allerdings, die sich solchen Reisen als Hobby verschrieben haben und die Gärten der Niederlanden und Belgiens kennenlernen wollen, ist es unverzichtbar.

 

 

Eine gewöhnliche Familie

 

 

Sylvie Schenk, Eine gewöhnliche Familie, Hanser b2018, ISBN 978-3-446-25996-6

 

Sylvie Schenk wurde in Chambéry, Frankreich, geboren, studierte in Lyon und lebt seit 1966 in Deutschland  bei Aachen und zeitweise in La Roche-de-Rame, Hautes-Alpes. Sie veröffentlichte zunächst Lyrik auf Französisch und schreibt seit 1992 auf Deutsch.

So richtig bekannt wurde sie nach etlichen bei anderen deutschen Verlagen veröffentlichten Romanen 2016 mit ihrem stark autobiographisch geprägten Roman „Schnell, dein Leben“, ihrem ersten  bei Hanser verlegten Buch.

 

Neben dem überzeugenden und bewegenden autobiographischen Zeugnis bestach dieses Buch damals durch seine feine Beobachtungsgabe über die Entwicklungen in Deutschland und  Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg und die vorsichtige Annäherung der beiden Länder nach dem Elyseevertrag zwischen de Gaulle und Adenauer.

 

Auch der neue Roman ist eine Geschichte über eine Familie, eine Geschichte von vier Geschwistern, die verschiedener nicht sein könnten. Celine, eine der Geschwister wohnt seit langem in Frankfurt am Main. In der Familie nennen sie sie „die Deutsche“. Celine erlebt seit sie nach Deutschland gegangen ist, etwas, worunter die meisten Auswanderer leiden. Zuhause in ihrem Herkunftsland fühlen sie sich immer fremder, je länger sie im Ausland leben und dort im neuen Land können sie nie richtig heimisch werden.

Sylvie Schenks Sprache ist  ist knapp und präzise, genau beobachtet ihre Protagonistin ihre Umwelt und die Menschen, denen sie begegnet. Schon der Anfang des Buches nimmt gefangen: „Frankfurt liegt schon weit zurück, und bis Lyon ist noch genügend Zeit (…) Sie möchte sich auf die Begegnungen vorbereiten. Sie möchte Worte finden, die ihre Empfindungen übertragen, sie möchte sich die Situation ausmalen, die sie erwartet, sie möchte sich sammeln.“

 

Tante Tamara und Onkel Simon sind in Südfrankreich gestorben und Celine fährt mit sehr gemischten Gefühlen zu ihrer Beerdigung. Denn sie wird dort seit langem einmal wieder auf ihre drei anderen Geschwister treffen. Es waren die beiden Verstorbenen, die zu Lebzeiten immer wieder die Familie zusammengehalten haben und die immer wieder aufbrechenden Gräben zwischen den Geschwistern notdürftig zuschaufelten.

 

Doch nun, da sie tot sind, bricht die alte Uneinigkeit wieder auf und schon auf dem Weg zur Trauerhalle fangen die Auseinandersetzungen zwischen den Geschwistern um das Erbe von Tante und Onkel an.

 

Alle leiden schon seit langem an einer gefühlten großen Ungerechtigkeit in der Familie, jeder hat Angst, zu kurz zu kommen, wie schon so viele Male zuvor. Darin ähneln sie vielen anderen Familien in Frankreich aber auch in Deutschland.

 

Doch nicht nur die Gräben zwischen den Geschwistern, deren Eltern schon vor längerer Zeit verstorben sind, werden sichtbar, sondern die in der ganzen großen Familie. Onkel Simon, seines Zeichens erfolgreicher Zahnarzt und Tante Tamara waren reich und kinderlos, Simons Bruder und Celines Vater, obwohl ebenfalls als Zahnarzt tätig, eher kleinbürgerlich und seine Frau eine eher graue Maus. Von ihrer Schwägerin wurde sie auch lange Jahre entsprechend behandelt.

 

Wie in einer Tiefenbohrung fördert Sylvie Schenk immer weitere Sedimente der Familiengeschichte zu Tage, indem sie alle Beteiligten zu Wort kommen lässt und auf wenigen Seiten auf sprachlich dichte und poetische Weise die Geheimnisse der Familie Cardin ans Licht bringt.

 

Es geht um circa eine Million  Euro, die die vier Geschwister erben sollen, doch das Testament ist verschwunden. Aber auch viele andere „Erbstücke“ tragen schwer und sind unter den Geschwistern heftig umstritten.

 

Gegen Ende wird Celine ernüchtert sagen:

„Was ist aus dir, aus uns geworden, die wir hier nun alle um ein Vermögen streiten, die wir der Liebe an den Kragen gegangen sind, die wir den großen Leidenschaften den Garaus gemacht haben, die wir alle Träume über Bord geworfen, alle Visionen zertrümmert haben?“

 

„Eine gewöhnliche Familie“ ist ein  kluges und bewegendes Buch und der Leser wird das Gefühl nicht los, dass diese Familie auch seine eigene sein könnte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Matti Maulwurf fährt U-Bahn

 

Kirsten Gattermann, Matti Maulwurf fährt U-Bahn, Gerstenberg 2918, ISBN 978-3-8369-5640-6

 

Mit einer schönen Idee und einen sympathischen kleinen Maulwurf namens Matti bringt Kirsten Gattermann in dem vorliegenden Bilderbuch kleinen Kindern ab etwa drei Jahren alles Wissenswerte über die U-Bahn nahe, die Kinder in Großstädten schon früh in ihrem Leben kennenlernen und die auf dem Land interessant finden.

 

Als Matti Maulwurf eines Tages beim Graben wieder einmal falsch abbiegt, landet er mitten in einer U-Bahn-Station. Staunend nimmt  er dort alles wahr, die Menschen, die einfahrende U-Bahn, die Gerüche und Geräusche.

Zusammen mit dem kleinen Maulwurf begeben sich Kinder in diesem liebevoll illustrierten Bilderbuch auf eine erste Entdeckungstour durch die U-Bahn. Sie lernen alles Wichtige kennen, begleiten die Fahrerin und erleben eine riesige Tunnelbohrmaschine, die einen neuen U-Bahn Tunnel gräbt.

 

Ein  schönes Sachbilderbuch.

 

 

Ist es noch weit ?

 

Frank Viva, Ist es noch weit, Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-01230-9

 

Wenn kleine Kinder mit Ihren Eltern im Auto unterwegs sind, zum Beispiel auf Fahrten zu den Großeltern oder in den Urlaub, dann stellen sie immer wieder die Frage: „Ist es noch weit?“ , weil sie gar keine Vorstellung haben vom Verhältnis zwischen Entfernung und Zeit.

 

Sao geht es auch der kleinen Maus in diesem zauberhaften Bilderbuch von Frank Viva, die auf einem Schiff unterwegs ist. Ihr Schiff nimmt hohe Wellen, die sie seekrank machen, bringt sie zu eisigen Bergen, auf denen sich Pinguine tummeln, und zu einem unterseeischen Vulkan, der das Wasser warm macht.

 

Und obwohl die Schiffsreise sehr interessant und abwechslungsreich ist, stellt die kleine Maus immer wieder die Frage: „Ist es noch weit?“

 

Es steht zu hoffen, dass Kinder, denen man auf der nächsten Autoreise wohin auch immer dieses Buch vorliest, vielleicht nicht so oft fragen. Dennoch: das Buch ist kurz, und wenn die Reise lang ist, sollte man lieber noch weitere Bilderbücher mitnehmen.

 

 

 

Der Junge im Rock

Kerstin Brichzin, Igor Kuprin, Der Junge im Rock, minedition 2018, ISBN 978-3-86566-328-3

 

In dem vorliegenden Bilderbuch wird auf warmherzige und einfühlsame Weise eine Geschichte erzählt über Toleranz, Respekt und die Liebe, die jeden so sein lässt, wie er ist.

 

Die Eltern von Felix tun das, seit er auf der Welt ist. Etwas größer geworden, entwickelt Felix eine Vorliebe  für Röcke. Die Verkäuferin im Laden hält ihn für ein Mädchen, als er sich einen roten Rock mit Falten ausgesucht hat. Die Mutter antwortet nur: „Felix ist ein Junge, und er liebt Röcke.“

 

Doch dann wird alles anders. Die Familie zieht von der großen Stadt in eine kleine um und im dortigen Kindergarten wird er schon am zweiten Tag, als ihm sein Vater erlaubt, seinen roten Rock anzuziehen, von den anderen Jungs ausgelacht und er darf nicht mitspielen.

Als Felix wieder zu Hause ist weint er und erzählt alles seinen Eltern. Warum darf er keinen Rock anziehen und warum sind seine Eltern schlecht, wenn sie ihm das erlauben?

 

Da hat der Vater eine Idee. Er geht mit Felix in die Stadt und kauft sich einen grünen langen Rock.  Und so marschieren am nächsten Morgen der Vater im langen grünen und Felix im kurzen roten Faltenrock munter in den Kindergarten. Und seitdem heißt Felix „der Junge im Rock“ und darf wieder mitspielen.

 

Ein Buch über die Relativität der angeblich so klaren Vorstellungen davon, was männlich und was weiblich ist und wer was anziehen soll.

 

Auch Jungen dürfen anders sein und sich so anziehen wie sie wollen.  Und Eltern können sich Mühe geben, das zu respektieren.

 

 

 

 

Hase fährt Ski

 

 

Claudia Rueda, Hase fährt Ski, Gerstenberg 2018, ISBN 978-38369-5984-1

 

Der kleine weiße Hase in dem von Anja Malich aus dem Englischen übersetzten Bilderbuch für Kinder ab etwa 2-3 Jahren fährt gerne Ski. Heute will er es auch versuchen, hat schon seine Ski angeschnallt und gegen die Kälte einen strahlend roten Schal um den Hals geschwungen.

 

Doch zu seiner große Überraschung: es gibt keinen Schnee. Deshalb braucht er hier schon das erste Mal die Hilfe seiner kleinen Leser. Die müssen das Buch schütteln, dass Schnee in ihm fällt. Als der Hase aufg der nächsten Seite unter einem großen Schneeberg versunken ist, müssen die Kinder das Buch klopfen, damit der Schnee sich ordentlich verteilt.

 

Und dann geht’s los mit der Fahrt. Immer wieder die Kinder dem kleinen Hasen helfen, n dem sie etwa bei der Abfahrt das Buch schräg halten. damit der Hase Fahrt gewinnt. Doch was ist mit dem Loch, das plötzlich auftaucht?

 

Ein lustiges Buch, das besonders Kindern gefallen wird, die  sich selbst schon mit dem Skifahren versucht haben.

 

 

 

Edison. Das Rätsel des verschollenen Mäuseschatzes

 

Torben Kuhlmann, Edison. Das Rätsel des verschollenen Mäuseschatzes, NordSüd Verlag 2018, ISBN 978-3-314-10447-3

 

Nach „Armstrong“ und „Lindbergh“ legt der Kinderbuchautor und Illustrator Torben Kuhlmann mit „Edison“ nun den dritten Band seiner Mäuseabenteuer vor. Auch dieses Buch wird kleine Wissenschaftler und ihre vorlesenden Eltern oder Großeltern wieder begeistern. So wie schon in den beiden ersten Büchern, verfolgen kluge und studierte Mäuse die Erfindungen der Menschen.

 

Als der junge und wissbegierige Mäuserich Pete durch eine alte schon vergilbte Tagebuchnotiz eines Urahns von ihm von einem verschollenen Schatz erfährt, der irgendwo auf dem Meeresgrund liegen soll, da gibt es kein Halten für ihn.

 

Sein Mäuseprofessor (wie gesagt, Mäuse haben ihre eigenen Unis) wird ihm nun im Laufe des spannenden und wunderbar und fantasievoll illustrierten Buches dabei helfen, den in der Notiz des Ahnen erwähnten Schatz zu finden und ihn auch zu bergen.

 

Und ihre abenteuerliche Suche unter dem Meeresspiegel wird sie zu Edison führen, dem Erfinder der Glühlampe. Fast auf jeder Seite kann man den Texten und Zeichnungen von Torben Kuhlmann dessen große Begeisterung für Science-Fiction und spannende Abenteuergeschichte abspüren.

 

Seine Bilder zeichnen sich durch Sorgfalt und große Begeisterung für das Detail aus.  Es sind wunderbare Bilder, die Kinder faszinieren werden, wie schon in den beiden ersten  Büchern, die hier noch einmal empfohlen sein sollen.

Torben Kuhlmanns ausdrucksstark illustrierte Bilderbücher bilden eine eigene Kategorie,  in der er eine Tiergeschichte verbindet mit der kindgerechten Darstellung von Technik- und Wissenschaftsgeschichte.

Torben Kuhlmann erzählt mit wunderbaren und eindrucksvollen Bildern eine spannende Geschichte zweier  sympathischen Mäuse und wie nebenbei vermittelt er wichtige Daten der Wissenschaftsgeschichte. Wie er das miteinander verbindet ist genial.

 

 

 

 

Opa Rainer weiß nicht mehr

 

 

Kirsten Jahn, Katja Gehrmann, Opa Rainer weiß nicht mehr, Knesebeck 2018, ISBN 978-3-95728-064-0

 

Das vorliegende Bilderbuch von Kirsten Jahn, das Katja Gehrmann sehr warmherzig illustriert hat, erzählt davon, wie die Grundschülerin Mia und ihr kleiner Bruder Paul erleben, wie ihr geliebter Opa immer vergesslicher wird und sich verändert.

 

Früher hat Mia mit ihm Wettläufe gemacht, wenn er sie in die Schule gebracht hat. Aber seit einiger Zeit ist der Opa komisch geworden, er weiß die einfachsten Sachen nicht mehr, wo seine Schuhe sind, warum der Wasserkocher einen Stecker hat, oder wie man ein Unterhemd anziehen soll. Und schließlich erkennt er Mia und Paul nicht mehr…

 

In diesem sehr gut gemachten Buch lernt Mia schrittweise mit der Krankheit des Großvaters umzugehen. Sie lernt ihn zu unterstützen und auch etwas darüber, was die Krankheit für den Opa selbst bedeutet.

 

Auf eine einfühlsame Weise schafft es das Buch in Wort und Bild, Kindern dieses aktuelle und sensible Thema nahezubringen.

 

Sehr empfehlenswert.

Müll. Alles über die lästigste Sache der Welt

 

Gerda Raidt, Müll. Alles über die lästigste Sache der Welt, Beltz & Gelberg 2019, ISBN 978-3-407-81215-5

 

So wie ich als 1954 geborener Mensch in meiner Kindheit und Jugend mit den unsichtbaren Bedrohungen des Kalten Krieges aufwuchs (ich erinnere mich noch geradezu körperlich dran, wie ich die Angst meiner Familie während der Kubakrise gespürt habe), so sehen sich heute schon viel kleinere Kinder aber erst recht die Jugendlichen mit zahllosen Umweltproblemen konfrontiert, von denen der Klimawandel durch die unkontrollierte Erderwärmung nur eines von vielen ist.

 

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg ist für zahllose Schüler in aller Welt zum Vorbild geworden, wenn sie freitags für das Klima demonstrieren.

 

Doch nicht nur das steigende Klima droht der Menschheit die Lebensgrundlagen zu nehmen, sondern auch der wachsende Berg von Müll, bei dem die riesigen Menschen von Plastik in den Weltmeeren nur eines von zahllosen Problemen ist.

 

Doch was ist eigentlich Müll, wo fällt er überall an, wie wird er entsorgt und behandelt und welche Möglichkeiten des müllvermeidenden Handelns gibt es?

 

Das vorliegende Buch von Gerda Raidt, das sie auch sehr ansprechend selbst illustriert hat, gibt Kindern ab der 3. Klasse etwa und Jugendlichen alle wichtigen Informationen über „die lästigste Sache der Welt.“

 

Ein wichtiges und hervorragend gemachtes Sachbilderbuch.

Die ewigen Toten

 

 

 

Simon Beckett, Die ewigen Toten, Wunderlich Verlag 2019, ISBN 978-3-8052-5002-3

 

Das vorliegende Buch ist der mittlerweile sechste Band der Thrillerreihe um den forensischen Anthropologen David Hunter. Man kann das Buch und die Geschichte seines Protagonisten ohne weiteres gut verstehen, auch wenn man, wie der Rezensent, die ersten Bände nicht gelesen hat, was ich im Nachhinein sehr bedaure.

 

Immer wieder vermittelt Simon Beckett in kleinen Rückblicken und einzelnen Hinweisen etwas von der Vergangenheit von Simon Hunter. Wie er seine Frau und seine kleine Tochter bei einem Verkehrsunfall verloren hat, wie er selbst mehrfach bei seinen Einsätzen nur knapp dem Tod entkommen ist und vor allen Dingen, wie eine psychisch gestörte wunderschöne Frau namens Grace Strachan ihn  beinahe mit einem Messer getötet hätte.

Hunter wohnt deshalb im neuen Buch nicht mehr in seiner alten Londoner Wohnung, sondern in einem exklusiven neuen Wohnblock, wo ihm ein Bekannter vorübergehend eine möblierte Wohnung vermittelt hat. Bei ihm wohnt seine neue Partnerin Rachel, eine Meeresbiologin. Mit ihr hofft er auf eine neue private Zukunft, die ihn die traumatische Vergangenheit vergessen lässt.

 

Nur so viel sei verraten: beide Frauen  werden in dem neuen Buch für Hunter nicht unwichtige Rollen spielen. Hunter arbeitet in seinem neuen Fall wieder mit den aus den früheren Büchern bekannten Polizisten zusammen und es wird sich herausstellen, dass die Lösung des neuen Falles nicht nur für alle eine lebensgefährliche Aufgabe wird, sondern auch für den Forensiker David Hunter eine echte professionelle Herausforderung darstellt.

 

In dem seit Jahren stillgelegten Krankenhaus St. Jude im Londoner Norden, das in Kürze abgerissen werden soll um dann wohl Luxuswohnungen zu weichen, wird auf dem zugestaubten Dachboden eine in eine Plastikfolie gewickelte mumifizierte Leiche gefunden.  Beim Versuch, diese wohl schon lange in St. Jude liegende Leiche zu bergen, bricht der Dachboden an einer Stelle ein, ein Kollege von Hunter stürzt ab und verletzt sich schwer. Bei der Rettung des Kollegen entdecken die Ermittler in einem rundum verschlossenen, weil zugemauerten Raum ohne Fenster zwei weitere Leichen.

 

Auf keinen  Plänen ist dieser Raum zu finden und die Identifizierung der Toten verläuft zunächst schleppend. In einem angrenzenden Wald trifft Hunter auf eine Frau, die ihn auf seltsame Weise anzieht, obwohl sie mit dem ganzen Fall nichts zu tun haben scheint.

 

Es ist für Hunter eine schwierige Ermittlung, zumal seine Partnerin Rachel für drei Monaten  in die Ägais zu einem Projekt geflogen ist und sie auf dem Boot, auf sie mit anderen  Wissenschaftlern arbeitet, kein WLAN hat. Und auch die Angst, dass Grace Strachan zurückkehren könnte, hat seine einsamen Träume im Griff.

 

Hunter sagt über sich: „Die meisten Menschen finden meinen Beruf vermutlich seltsam, geradezu makaber. Ich verbringen mehr Zeit mit den Toten als mit den Lebenden und untersuche Verwesung und Zerfall, um menschliche Überreste zu identifizieren.“

 

Mit einer großen Sachkenntnis und vielen Fachbegriffen beschreibt Simon Beckett  auch in seinem neuen Roman die nicht immer geruchsfreie Arbeit seiner Hauptperson. Doch er macht das so, dass der Leser keinen Abscheu oder Ekel empfindet, sondern zunehmendes Interesse gepaart mit einer ungewöhnlichen Spannung.

 

David Hunter ist ein ungewöhnlicher, vom Schicksal erheblich gebeutelter Forensiker, der mir schnell sehr sympathisch wurde und es bis zum Ende blieb. Das nächste Buch werde ich sicher nicht verpassen.