Bäume

 

 

 

 

Piotr Socha, Wojciech Grajkowski, Bäume, Gerstenberg 2018, ISBN 978-3. 8369-5654-3

 

Der preisgekrönte polnische Illustrator hat mit seinem neuen Buch „Bäume“ ein erstaunliches Werk geschaffen, das als Sachbilderbuch nicht nur für Kinder ab der Grundschule von großem Interesse ist, sondern auch für Erwachsenen eine Fülle neuer Erkenntnisse und so zuvor nicht bewusster Zusammenhänge bietet.

 

Mit einer Vielzahl von Variationen und Perspektiven wir in diesem Buch die Vielfalt der Bäume gezeigt, ob im Regenwald, in der Savanne oder bei uns in Wirtschaftswäldern.

 

Es geht um viele biologische Details und vor allem um die vielfältige Nutzung der Bäume durch den Menschen durch die Verwendung von Holz und was man alles daraus machen kann. Auch kulturgeschichtliche Bedeutungen von Bäume (wie etwa den Bam im Paradies) kommen vor.

 

Aber vor allen Dingen wird immer wieder betont: Bäume sind für unser Ökosystem unverzichtbar. Der Geschichte  von Menschen und Bäumen wird mit diesem schönen und großen Buch ein farbenprächtiges Denkmal gesetzt.

 

 

 

Das Meer

 

 

 

Wolfram Fleischhauer, Das Meer, Droemer 2018, ISBN 978-3-426-19855-1

 

Wieder einmal gelingt es Wolfram Fleischhauer ein aktuelles brisantes Thema zu verknüpfen mit einer Handlung, die den Leser in atemlose Spannung versetzt.  Es geht in „Das Meer“ um die aktuelle Praxis der Fischerei auf den Weltmeeren, wie diese skrupellose Ausbeutung der Meere von der Politik unterstützt wird, und es geht um Menschen, die versuchen, sich dagegen mit verschiedenen Mitteln zur Wehr zu setzen.

Wolfram Fleischhauer antwortet in einem Interview auf die Frage, wie realistisch sein Roman sei:

„Ich schreibe Faction, also eine Mischung aus Fact und Fiction. Ich gehe in die Welt bzw. ins Archiv, finde meine Inspiration und bin selbstverständlich bemüht, keine sachlichen Fehler zu machen. Aber ein Roman ist kein Sachbuch. Die zentrale Frage ist nicht, ob irgendein Detail real oder plausibel erfunden ist, sondern immer nur der Werte-Konflikt zwischen den handelnden Figuren.“

 

Das Buch erzählt von der Portugiesin Teresa. Die EU in Brüssel hat sie als Fischerei-Beobachterin auf ein modernes Fischfangschiff auf hoher See entsandt. Als sie eines Tages verschwindet, kann ihr Liebhaber John, der sie einst bei der EU ausgebildet hat, nicht glauben, dass Teresas Tod ein Unfall war. Er ist davon überzeugt, dass hier die Fischereimafia ihre Hände im Spiel hat und versucht herauszufinden, was geschehen ist.

 

Zur gleichen Zeit versucht der dieser Mafia nahestehende Schweizer Lobbyist Alessandro di Melo seine Tochter Ragna zu finden. Ragna ist mit Teresa befreundet und Teil einer radikalen, auch Gewalt nicht ablehnenden Gruppe von Ökoaktivisten. Als Alessandro von diesen Aktivitäten seiner Tochter erfährt, die seine Interessen und seinen Ruf bedrohen, reist er selbst nach Südostasien, wo er seine Tochter vermutet und beauftragt zudem den nichtsahnenden Adrian mit der Suche nach ihr. Adrian arbeitet als Konferenzdolmetscher häufig für die EU und war Ragnas Jugendliebe.

 

Nun beginnt in wechselnden Blickwinkeln aus der Sicht der jeweiligen Figuren eine spannende und verzweifelte Suche von drei Männern nach zwei Frauen in Todesgefahr. Dazwischen immer wieder der Einfluss der globalen Fischereimafia, eine gleichgültige Öffentlichkeit und eine handlungsunfähige Politik.

Wolfram Fleischhauers Buch ist ein erschreckend realistisches Katastrophenszenario und erzählt zugleich von den Grenzen der Liebe und unserer Sehnsucht nach einem neuen Umgang mit der Natur. Spannend harte Kost für jeden Leser, der gerne Fisch isst.

 

 

 

 

 

Der Abgrund in dir

 

 

 

Dennis Lehane, Der Abgrund in dir, Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-07039-2

 

Dennis Lehane, irischer Abstammung und 1965 in Dorchester, Massachusetts geborener Autor, zählt zu den ganz großen Krimiautoren der Gegenwart. Viele seiner Bücher sind mittlerweile verfilmt, und auch das neue hier vorliegende Buch „Der Abgrund in dir“, mit dem er erneut seine Kunst unter Beweis stellt, eignet sich hervorragend für eine Verfilmung.

Das Buch erzählt von Rachel Childs, zunächst in einer längeren Vorgeschichte. Sie berichtet davon, wie Rachel bei ihrer Mutter aufwächst. Diese hat mit Eheratgebern ein Vermögen gemacht, obwohl sie selbst kaum Erfahrung mit Beziehungen hat. Das Verhältnis zur Mutter ist schwierig, dennoch fehlt Rachel ein Vater kaum. Aber sie will wissen, wer ihr Erzeuger ist. Ihre Mutter, obwohl sie ihr versprochen hat, die Wahrheit zu sagen, schiebt das solange hinaus, bis sie bei einem Unfall ums Leben kommt.

Rachel macht sich auf die Suche nach ihrem Vater und engagiert den Privatdetektiv Brian Delacroix. Der rät ihr ab. Warum, wird sich viel später herausstellen, als Rachel nach vielen Jahren Brian wiederbegegnet und sich in ihn verliebt.

 

Doch zunächst begleitet Dennis Lehane Rachel Childs bei der Suche nach ihrem Vater und der steilen Karriere, die Rachel als Journalistin macht. Ihre Heirat mit dem ebenfalls erfolgreichen Journalisten Sebastian scheint Rachel endlich privat zur Ruhe finden zu lassen. Doch es kommt anders. Nach einem verheerenden Erdbeben wird sie nach Haiti geschickt und erlebt während einer TV-Liveschaltung aus dem Katastrophengebiet einen totalen Nervenzusammenbruch, der ihre Karriere sofort beendet. Ihre Ehe mit Sebastian wird geschieden und es geht ihr sehr schlecht. Fürchterliche Panikattacken fesseln sie tatenlos ans Haus.

 

Die verzweifelte Suche nach ihrem Vater hat sie nicht aufgegeben, als sie nach vielen Jahren wieder auf Brian trifft, sich in ihn verliebt und ihn bald heiratet. Brian gelingt es auf liebevolle Weise, über eine lange Zeit Rachel in ihrer Panik beizustehen und sie langsam an ein normales Leben heranzuführen. Da er auch beruflich erfolgreich ist, scheint er der Mann ihres Lebens zu sein. Doch bald schon beschleichen sie seltsame Gefühle des Misstrauens und bald stellt sich Stück für Stück heraus, dass Brian offenbar nicht der Mann ist, den sie glaubt geheiratet zu haben.

 

Es ist genau diese Stelle, etwa in der Mitte des Buches, als die Handlung eine Wendung nimmt. Gerade noch hatte man gedacht, Rachels Panikattacken kommen wieder ins Lot, der Kampf mit ihrer sie lähmenden Vergangenheit sei entschieden, verwandelt Lehane sein zunächst eher gemächlich daherkommendes Buch in einen echten Psychothriller, der in immer neuen Wendungen und einem hohen Tempo bis zum überraschenden Ende den Leser in Atem hält.

 

Sehr gut und durchdacht konstruiert, lässt Lehane, seine therapeutischen Erfahrungen einfließen lassend, die einzelnen Teile des Buches ineinandergreifen, was dem Leser zunächst verborgen bleibt und manchmal für eine leise Verwirrung und Verunsicherung sorgt. Es ist immer wieder Rachel und ihre Psyche das Thema, wie sie sich sozusagen selbst aus dem Elend ihrer Vergangenheit zieht.

 

„Der Abgrund in dir“ (im Original“ Since we fell“) ist ein psychologischer Thriller, der nach langsamem Beginn immer mehr Fahrt aufnimmt. Der Roman ist das Porträt einer mutigen Frau, die sich trotz aller Niederlagen in ihrem Leben nicht den Mut nehmen lässt.

 

Auf die sicher kommende Verfilmung darf man gespannt sein. Vieler seiner Szene zeigen, dass Lehane den zum Buch passenden Film beim Schreiben schon vor Augen hatte.

 

 

Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt

 

 

 

 

 

 

Peter Stamm, Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt, S. Fischer 2018, ISBN 978-3-10-397259-7

 

Wer hat schon nicht einmal darüber nachgedacht, wie es wäre, das eigene Leben oder zumindest Phasen daraus noch einmal zu erleben? Wie wäre es, genau dasselbe noch einmal zu fühlen, zu denken, zu tun?

 

In seinem neuen Buch „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“ erzählt Peter Stamm von einem Mann namens Christoph. Er ist Schriftsteller und ihm begegnet Seltsames, das ihn fast zur Verzweiflung bringt.

 

Christoph hält sich in Stockholm auf und verabredet sich dort zu einem Spaziergang mit der viel jüngeren Lena. Sie beginnen ihren langen Weg bezeichnenderweise auf einem Friedhof.  Christoph erzählt Lena, er habe vor über zwanzig Jahren eine Frau geliebt, Magdalena, die nicht nur im Aussehen, sondern auch im Wesen, ihr, Lena, gleich gewesen sei.

Nach einer dreijährigen Beziehung habe sie ihn damals vor zwanzig Jahren in Stockholm verlassen. Oder war es genau umgekehrt, weil sie nicht so ein Leben führen wollte wie er? Als Lena ihm erzählt, ihr Mann sei Schriftsteller und schreibe gerade an seinem ersten Buch, weiß Christoph schon Bescheid. Er kennt ihr Leben, und weiß genau, was ihr bevorsteht.

 

So beginnen ein langer Spaziergang und ein wahrhaftiges Spiel der Vergangenheit mit der Gegenwart. Und immer wieder stellt sich zwischen den Zeilen die Frage, ob wir Menschen unserem Schicksal entgehen können, oder müssen wir uns abfinden mit der „sanften Gleichgültigkeit der Welt“?

Peter Stamm, der große Erzähler existentieller menschlicher Erfahrung, erzählt auf kleinstem Raum eine andere Geschichte der unerklärlichen Nähe, die einen von dem trennt, der man früher war. Der Glaube an die Einmaligkeit der eigenen Biographie verschwimmt. Der Leser ist ähnlich irritiert wie der Protagonist und sieht sich existentiellen Fragen ausgesetzt. Es geht um  Liebe, Vergänglichkeit, Schmerz, Verlust, Trennung, Erzählen und Schreiben und Einsamkeit.

 

Peter Stamms novellenartiges Buch bietet ein spannendes  Verwirrspiel um die Identitäten seiner Figuren. Sehr feinfühlig, mit einer poetischen Sprache geht es mit sanfter Melancholie um die großen Sinnfragen des Lebens, ein Leben, das sich nicht wirklich fassen lässt und stetig in Frage steht.  Es vergeht zwischen Vergeblichkeit und Vorbestimmung.

 

Wunderbare Prosa vom Feinsten.

 

 

Für immer ist die längste Zeit

 

 

 

Abby Fabiaschi, Für immer ist die längste Zeit, Krüger 2018, ISBN 978-3-8105-2479-9

 

Mit dem vorliegenden Roman „Für immer ist die längste Zeit“ (im Original „I liked my life“) hat die Amerikanerin Abby Fabiaschi ein ganz erstaunliches Debüt vorgelegt. Es ist ein Buch voller Gefühle, voller Freude und Trauer, ein Roman, der den Leser zum Lachen und zum Weinen gleichzeitig bringen kann.

Madeleine ist die Stütze ihrer Familie, Hausfrau und Mutter aus Leidenschaft, perfekte Gastgeberin toller Partys und für ihre Familie und viele Freunde die Quelle vieler hilfreicher Ratschläge und Inspirationen.

Bis zu dem Tag, als sie für alle unerklärlich vom Dach der Bibliothek stürzt und ihren Ehemann Brady und ihre pubertierende Tochter Eve völlig verzweifelt und mit gebrochenem Herzen zurücklässt.  Schon in kleinen Alltagsdingen scheinen die beiden völlig überfordert und die quälende Frage nach dem Warum droht sie zu zerstören.

Warum ist Madeleine scheinbar ohne Grund aus ihrem Leben verschwunden? Und wie können sie ohne Madeleine weiter machen? Auf der Suche nach Antworten sind Brady und Eve gezwungen, sich mit beunruhigen Wahrheiten auseinanderzusetzen.

 

Madeleine ihrerseits ist noch lange nicht bereit, sich für immer zu verabschieden. Und so beginnt das Buch mit dem Satz: „Ich habe genau die richtige Frau für meinen Mann gefunden.“ Aus dem Jenseits hat sie ein Auge auf ihre Familie, auf Brady und Eve, die abwechselnd mit Madeleine jeweils ich-erzählend die Handlung vorantreiben.

 

In Rory, einer hübschen und fürsorglichen Grundschullehrerin, glaubt sie einen Ersatz für sich gefunden zu haben. Doch auch diese Frau trägt an einer schweren Last.

 

Abby Fabiaschi gelingt es hervorragend, auf ernste und dennoch humorvolle Weise zu beschreiben, wie ein Vater und eine Tochter auf unterschiedliche Weise auf das plötzliche und vollkommen unerklärliche Ableben der Ehefrau und Mutter reagieren. Die Darstellung ihrer Gefühle, ihrer Ohnmacht und Wut und ihrer tiefen Trauer, ihrer Verzweiflung und ihrer Schuldgefühle angesichts der Möglichkeit, dass der Tod von Madeleine ein selbst gewählter gewesen sein könnte, ist ihr meisterhaft gelungen. Man spürt, dass die Autorin hier auf viele eigene Erfahrungen und Erlebnisse mit Trauer und Verlust zurückgreift.

 

Dennoch ist „Für immer ist die längste Zeit“ ein kurzweiliger Roman. Eine emotionale  Geschichte, in die man sich als Leser schnell hineinversetzt, eine Geschichte, die berührt. Denn der Verlust eines geliebten Menschen ist eine Erfahrung, die viele schon gemacht haben und vor denen andere sich fürchten. Trotz allem aber ist die Geschichte nicht schwermütig erzählt, sondern immer zeigt sich wie ein roter Faden Hoffnung auf neues Leben.

 

Einen zweiten Roman dieser Autorin würde ich sofort lesen.

 

 

Die Wahrheit muss heraus. Worte genialer Philosophinnen

 

 

 

 

Stefan Knischek, Die Wahrheit muss heraus. Worte genialer Philosophinnen, Marix Verlag 2018, ISBN 978-3-7374-1105-9

 

In ihrem ebenfalls in diesem Herbst bei Marix erschienenen Buch „Denken um zu leben“ zeigten Marit Rullmann und Werner Schlegel, dass es in jedem beliebigen Zeitalter Frauen gegeben hat, die Philosophie betrieben. Sie waren, obwohl heute wenigen bekannt, Vordenkerinnen ihrer jeweiligen Epochen und bewirkten nicht unerhebliche Veränderungen. Zeitgleich und in enger Beziehung stehend erscheint, herausgegeben von Stefan Knischek, der vorliegende Band „Die Wahrheit muss heraus“, in dem Worte und Aussprüche, Weisheiten und Wahrheiten von Denkerinnen und Philosophinnen versammelt sind, die mit ihren Denkansprüchen, ihrer Leidenschaft und Courage seit der Antike ganze Generationen geprägt haben.

 

Lange und nicht selten vergeblich mussten sie in der akademischen Welt um Anerkennung kämpfen. Dennoch haben diese Frauen aus vielen Jahrhunderten, die in diesem Buch zu Wort kommen, Bedeutung gehabt für das Handeln, Fühlen und Denken vieler Menschen.

 

Zu allen wesentlichen philosophischen Themen hat der Hobbyphilosoph Stefan Knischek Weisheiten und Lebensweisheiten gesammelt: Sein, Freiheit, politisches Leben, Moral und Religion, Arbeit, Geld und Besitz, Bildung, Seele und Gefühle, Vernunft, Wahrheit, Glück und Tod. Es sind Gedanken, die  nie an Bedeutung verlieren werden und wertvolle Ratschläge für unser Handeln zu geben vermögen.

 

Eine Schatzkammer von Weisheiten.

Klär mich weiter auf

 

 

 

 

Katharina von der Gathen, Anke Kuhl, Klär mich weiter auf, Klett Kinderbuch 2018, ISBN 978-3-95470-191-9

 

 

Es kommt daher wie ein Kalender, dieses schöne von Anke Kuhl in ihrer unnachahmlichen Art frech illustrierte zweite Aufklärungsbuch der Sexualpädagogin Katharina von der Gathen.

 

In einem anonymen Briefkasten hat sie im Rahmen eines Projektes Grundschulkinder Fragen stellen lassen und hat sie gesammelt. Neugierige Fragen sind das, die zeigen, wie sich schon ältere Grundschulkinder mit Fragen der Sexualität beschäftigen und wie konkret und praktisch ihre Anliegen sind. Ob der herkömmliche Sexualkundeunterricht in der 4. Klasse dem gerecht wird, wage ich erst recht nach der Lektüre dieses Kalenders nicht zu beurteilen.

 

Nach dem ersten Buch, das 2014 erschien, hat sich, wie sie im Vorwort berichtet, ihre anonyme Fragenbox weiter gefüllt, sodass sie nun „noch mehr echte Kinderfragen zu einem aufregenden Thema“ vorlegt und sie  wieder verständlich und sehr einfühlsam beantwortet. Dabei verzichtet sie auf alles Technische und sprengt ab und zu auch einmal eine Prise Humor hinein, von Anke Kuhls Zeichnungen  dabei prächtig unterstützt.

Immer kindgerecht beantwortet sie Fragen, die sich auch viele Erwachsene schon gestellt haben, wie zum Beispiel: „Wie machen Rollstuhlfahrer Sex?“. Jede Frage, die Kinder interessiert, wird angesprochen und dabei gibt es keine Tabus.
Kindern wird hier vermittelt, dass es beim Thema Sexualität keine Frage gibt, die nicht gestellt werden darf und dass es für alles eine Antwort gibt.

 

Obwohl der Kalender bestückt ist mit Fragen von Grundschulkindern, halte ich ihn durchaus auch für geeignet für den Sexualkundeunterricht in der 6. Klasse.

 

Die Lichter unter uns

 

 

 

Verena Carl, Die Lichter unter uns, S. Fischer 2018, ISBN 978-3-10-397363-1

 

Nicht immer, aber nach etlichen Schicksalsschlägen in den letzten Jahren relativ oft, werden in meiner Familie die Fragen gestellt, die diesen Roman durchziehen wie ein roter Faden:

  • Was sind eigentliche meine Träume von meinem Leben
  • Wie habe ich es mir irgendwann vorgestellt und wie sieht es heute aus
  • Gibt es auch ein gelungenes Leben für mich, für uns, obwohl wir viel mehr als die Hälfte schon hinter uns haben
  • Warum geht es den anderen eigentlich meistens besser als mir

„Die Lichter unter uns“ erzählt auf hohem sprachlichem Niveau eine Geschichte von Träumen, Lebensvorstellungen, Krisen und Neuanfang.

Verena Carl erzählt in diesem neuen Roman von Anna. Sie verbringt mit ihrem Mann Jo und den beiden Kindern Judith (10) und Bruno (6) einen zweiwöchigen Urlaub in Taormina auf der italienischen Insel Sizilien. Als Anna und Jo vor langer Zeit während ihrer Hochzeitsreise dort waren, waren sie glücklich. Alles schien romantisch, die Zukunft lag offen vor ihnen.

Voller Geldsorgen und unklaren Zukunftsaussichten erlebt Anna nun, viele Jahre später, die Tage dort und ihr Lebensgefühl als brüchig. Sie schwankt von ganz innen her.

 

Als sie  Alexander kennenlernt, einen Mann, der ein aufregendes und für Anna total interessantes Leben führt, ein Leben, von dem sie immer geträumt hatte, wird Annas Schwanken existentiell. Anna sieht nicht dessen familiären und existentielle Probleme und spürt nicht, dass auch umgekehrt Alexander sie für ihre Familie bewundert.

 

Die Zweifel am eigenen Leben werden mit jedem Tag mächtiger. Werden die nächsten sieben Tag alles verändern? Wie werden die Protagonisten  aus dieser Begegnung hervorkommen?

 

Verena Carl lässt die Antwort auf diese Fragen, die sich der Leser schon bald stellt, offen, und ist damit überaus realistisch. Denn all das, was bei den Menschen, die sie genau und empathisch beschreibt, aufbricht, wird nicht schnell zu einer Lösung führen.

 

Abwechselnd aus der Sicht der jeweiligen Protagonisten beschrieben, lässt Verena Carl die Handlung vorantreiben. In der Beschreibung ihrer einzelnen Charaktere ist sie tiefgründig, sie schafft eine Atmosphäre, in der sich der Leser quasi mittendrin wähnt. Nicht nur im schönen Urlaubsort Taormina, sondern in den Seelenlandschaften der Protagonisten selbst.

 

Denn die eingangs gestellten Fragen sind nicht wenigen Menschen bekannt. Ich glaube, dass sie zumindest zeitweise schon jeden gequält haben. Deswegen zwingt der Roman den Leser auch an vielen Stellen zur Auseinandersetzung mit seinem eigenen Leben, seinen eigenen Bedürfnissen und Sehnsüchten.

 

Er lässt auch deshalb den Leser nicht los, und beschäftigt ihn lange nach Ende der Lektüre weiter.

 

 

 

 

Fahrräder aus Meisterhand

 

 

 

Christine Elliott, David Jablonka, Fahrräder aus Meisterhand, Delius Klasing 2018, ISBN 978-3-667-11054-1

 

In diesem mit tollen Fotografien bebilderten Buch werden Fahrradmanufakturen auf der ganzen Welt vorgestellt, in denen wahre Enthusiasten Rahmen und ganze Räder in Einzel-und Handanfertigen herstellen. Diese Fahrradbauer sind perfektionistische Handwerker, geniale Ingenieure und Künstler zugleich. Sie konstruieren nicht einfach neue Modelle und Fahrradrahmen. Sie erschaffen Mountainbikes für die höchsten Berge und kniffligsten Trails, Rennräder für die größten Distanzen, Trekkingräder für das nächste Abenteuer und Lastenräder für die Helden des Alltags.
Oft sind sie recht klein, diese hier vorgestellten Werkstätten, liegen versteckt in Hinterhöfen. Und dennoch kommen aus ihnen regelrechte Kunstwerke, individuelle Räder für individuelle Menschen

In ihrem Buch „Fahrräder aus Meisterhand. Modelle, Macher, Manufakturen weltweit“ stellen Christine Elliot und David Jablonka 39 dieser Manufakturen vor:

• Fahrräder aller Art: Rennrad, Mountainbike, City Bike oder Lastenrad
• Exklusive Fahrradmarken und individueller Fahrradbau
• Tolle Fotos, aufgenommen in den Ateliers und Werkstätten der Rahmenbauer

Die Autoren sind selbst passionierte Radfahrer und waren von Australien über die USA und Kanada bis nach Europa unterwegs. Sie besuchten den legendären Alex Singer in Paris, Calfee Design mit ihren ungewöhnlichen Bambusrädern in Kalifornien und die deutsche Edelstahlschmiede Marschall Framework. In ihrem Buch stellen sie nicht nur die Fahrräder und ihre besonderen Features vor. Sie erläutern auch, was die Rahmenbauer antreibt, geben Einblicke in die persönlichen Werdegänge und ergründen die Philosophie hinter den Techniken und Materialien.

Hochwertige Komponenten, exklusives Fahrrad-Design und technische Raffinesse: Das zeichnet die Fahrräder aus den Manufakturen aus. So wird das Fahrrad zum Ausdruck eines Lebensgefühls!

 

 

 

Da geht noch Watt. Segeln an der Nordseeküste

 

 

Maximilian Lessner, Da geht noch Watt. Segeln an der Nordseeküste, Delius Klasing 2018, ISBN 978-3-667-11426-6

 

Die Nordseeküste mit ihren traumhaft schönen Inselwelten, dem Auf und Ab von Ebbe und Flut und wunderschönen Orten und Städtchen entlang der Küste ist schon seit langem für Millionen von vor allem deutschen Touristen ein überaus beliebtes Urlaubsziel.

 

Segler, selbst erfahrene Skipper, meiden jedoch den ansonsten so schonen Nationalpark Wattenmeer, weil sie großen Respekt haben vor der Tiden. Zu umständlich scheint den meisten von ihnen deshalb ein genaues Timing für ihren Törn.

 

Maximilian Lessner, der bisher eher allein in der Ostsee unterwegs war, zeigt anderen  jungen Segler in dem vorliegenden Buch, wie sie ohne Probleme im Wattenmeer segeln können
Maximilian Lessner zeigt dabei nicht nur in über 100 wunderschönen Fotografien, warum die Nordsee zu Recht als eines der schönsten Segelreviere Deutschlands gilt. Er schildert auch viele Segeltörns, die Sie selbst angehen können. In diesem Band hat er versammelt:

• Segel-Mikroabenteuer vor Ihrer Haustür ohne lange Anreise
• Törns für jeden Geschmack: Tagesausflüge, Wochenendreisen, mehrwöchige Sommertörns
• über den Mut zum Lossegeln

Die Nordsee ist ein greifbares Traumziel in unmittelbarer Nähe zu den Heimathäfen der meisten deutschen Segler – kaum zu glauben, dass sie den meisten immer noch völlig unbekannt ist.

 

Für alle Hobbysegler von großen Interesse.