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Arctica. The Vanishing North

 

 

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Sebastian Copeland, Arctica. The Vanishing North, Te Neues 2015, ISBN 978-3-8327-3281-3

 

Der Fotograf Sebastian Copeland spricht schon im Titel seines neuen Buches an, worum es ihm geht. Er will mit seinen Aufnahmen aufmerksam machen auf die Verletzlichkeit einer einzigartig schönen Region dieser Erde. 1964 geboren, macht sich Sebastian Copeland immer wieder auf zu langen Expeditionen in eine traumhaft schöne Landschaft, die durch die Erderwärmung schon jetzt jedes Jahr in ihrer Größe abnimmt und in einigen Jahrzehnten ganz verschwunden sein wird.

Über seinen ersten Besuch in der Arktis im Jahr 2005 sagt er in einem Interview:

„Die Arktis hat mich vom ersten Moment an gefesselt. Ich kannte Kälte, aber nicht solche Kälte. Aus der praktischen Perspektive finde ich es super, dass das Eis grenzenlose Wassermengen bereithält und ich es einfach nur schmelzen muss. So brauche ich keine Wasservorräte tragen. Das ist der Vorteil gegenüber anderen Wüsten.

Künstlerisch gesehen gefällt mir sehr, wie sauber die Landschaft ist, visuell vollkommen frei von menschlichen Einflüssen und vom Chaos, das organisches Leben mit sich bringt. Das Eis ist leer – wie eine weiße Leinwand. Optisch und philosophisch lädt mich solch eine weiße Leinwand zum Interpretieren und Reflektieren ein.“

Seine faszinierende Bilder sind ein Aufruf zum Handeln, doch er schätzt die Bereitschaft der Regierung dazu pessimistisch ein: „Gewählte Politiker sollten Anführer sein. Viele kümmern sich nur um wählerfreundliche Themen und setzen den Klimawandel ganz unten auf die Tagesordnung, weil diese Problematik über einzelne Legislaturperioden hinausgeht. Es ärgert mich auch, dass Wissenschaftlern, die den Klimawandel leugnen, eine so laute Stimme gegeben wird. Wie fortschrittlich eine Zivilisation ist, zeigt sich nicht zuletzt an ihrem Wissen. Wenn uns die vermeintlichen Experten aber nicht lehren, im Einklang mit der Natur zu leben, bringt uns das Wissen gar nichts. Warum sollte man die Forschung solcher Wissenschaftler dann überhaupt finanzieren?“

Es macht traurig und nachdenklich zu wissen, dass es irgendwann Bücher wie das hier vorliegende von Sebastian Copeland sein werden, die unsere Enkel anschauen werden, um zu verstehen, was die Arktis einmal war.