Schlagwort-Archiv: Autos

Leica and Zagato

 

 

 

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Der italienische Karosseriegestalter Zagato präsentiert im Vorfeld seines 100-jährigen Bestehens eine außergewöhnliche und aufwändige Bildband-Trilogie. Leica and Zagato – USA Collectibles ist das erste von drei Coffee-Table-Books und stellt berühmte Zagato-Design-Kunstwerke, die derzeit in den USA zu Hause sind, vor. Die USA bietet mit ihren vielen unterschiedlichen Landschaften auch die Bühne, auf der Fotograf Winston S. Goodfellow die Zagato-Autos mit seinen Leica-Kameras festhält.

Zusätzlich zu den emotionalen Fotoreportagen widmet das Buch den gemeinsamen Design-Projekten von Leica und Zagato ein Kapitel. Und auch die Geschichte des Familienunternehmens Zagato wird anhand der porträtierten Autos beleuchtet. 1919 von Ugo Zagato gegründet, im Jahr 2016 von Andrea Zagato geführt, ist Zagato vor allem für seine Karosseriedesigns für die großen italienischen Marken wie Lancia, Fiat und Alfa Romeo bekannt.

Für historisch oder technisch interessierte Leser ist das Buch nicht geeignet, es geht letztlich nur um schöne Autos im interessanten Ambiente. Sozusagen im Vorgriff auf das 100-jährige Jubiläum von Zagato, das in drei Jahren fällig ist, hat man die Zusammenarbeit mit der renommierten Marke Leica als Anlass genommen, diese Reihe zu produzieren. Winston Goodfellow hat 33 in den USA existierende Zagato-Schöpfungen ausgewählt und an diversen Schauplätzen fotografiert. Die schönsten Alfa Romeo, Aston Martin, Ferrari, Lancia, Lamborghini, Maserati, aber auch je ein Jaguar, Abarth oder AC wurden abgelichtet. Jeweils ein Foto mit viel Landschaft sowie zwei Bilder, die näher am Auto sind, ergeben einen faszinierenden Bildband. Die meisten Fotos sind von größter Qualität,. Garniert ist das Ganze von Zitaten mehr oder weniger wichtiger Menschen ohne wirklichen Zusammenhang. Wie gesagt, meist tolle Bilder, wenig Text (in Englisch), kein Buch für Historiker, aber für Ästheten, die Freude an schönen Büchern von tollen Autos haben. Zwei weitere Bände werden sich Zagtao-Creationen in Europa und Japan widmen.

 

 

Muscle Cars

 

 

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Darwin Holmstrom, Muscle Cars. Die fettesten Karren der Sechziger, Delius Klasing 2015, ISBN 978-3-667-10309-3

 

 

Nie wieder wird es eine Zeit geben wie die, in der die Muscle Cars ihren Höhepunkt erlebten. Als John Zachary DeLorean und seine enthusiastischen Mitstreiter auf eigene Kappe die fetteste Pontiac-Maschine in eine Mittelklasse-Karosse fallen ließen, schufen sie etwas, was es nach dem Willen der Bosse niemals hätte geben dürfen. Und was es niemals wieder geben wird: das Muscle Car.

Wer diese Projektile auf Rädern liebt, ist froh, dass sich auch die Unvernunft einmal durchsetzen durfte. Und dass es jetzt dieses Buch gibt. „Muscle Cars. Die fettesten Karren der Sechziger“ feiert die besten und seltensten Muscle Cars.

Indem er unter verschiedenen Lichtverhältnissen entstandene Aufnahmen übereinanderlegte, erschuf der Fotograf Randy Leffingwell für dieses Buch mit dem sogenannten Light Painting großartige, multidimensional wirkende Aufnahmen – jedes seiner Bilder ein Kunstwerk, so wie die Autos selbst. Und Autor Darwin Holmstrom liefert dazu nicht nur die Geschichte und die technischen Daten der Muscle Cars, sondern vielmehr Maschinen-Portraits, die den Fotografien ebenbürtig sind. Was braucht es mehr?

Zwei absolute Cracks auf ihrem Gebiet zeigen unter anderem:

• von General Motors: 1970 Buick GSX STAGE 1, 1970 Chevrolet LS6 Chevelle SS454, 1968 YENKO SUPER Camaro, 1970 Oldsmobile 442 W-30 Convertible, 1969 Pontiac GTO JUDGE Convertible, …
• von MoPar (Chrysler): 1970 AMC Javelin TRANS AM, 1969 Dodge Charger DAYTONA, 1963 Plymouth Sport Fury 426 MAX WEDGE, 1971 Plymouth ’Cuda HEMI Convertible, …
• von Ford: 1966 Ford Lightweight 427 Fairlane, 1968 Shelby GT500KR, 1969 Ford Mustang BOSS 429, 1968 Mercury Cougar GT-E 427, …

Dieser Bildband enthält die seltensten, absoluten Top-Modelle, die heute kaum noch auf der Straße zu sehen sind.

Für Fans dieser Autos ist das Anschauen und das Durchblättern durch dieses Buch ein wahrer Genuss. Für den kritischen Zeitgenossen sind sie Symbole einer Zeit, in der das Benzin billig, der Gedanken an die Umwelt noch weit entfernt und das Fahren einer solchen Kanone noch nicht mit schlechtem ökologischem Gewissen verbunden war. Wie auch immer. Heute ist sind es die großen und kleinen SUVs , die den Zorn der Ökologen hervorrufen und insbesondere bei Frauen immer mehr Anhänger finden. Insofern bleiben die Spleens der Autonarren und die Kritik der Umweltschützer immer gleich. Es soll ja Leute geben, die die Autos ernsthaft abschaffen wollen ….

 

Die Karmann-Story

 

 

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Bernd Wiersch, Die Karmann – Story. Haute Couture aus Osnabrück, Delius Klasing 2015, ISBN 978-3-667-10330-7

 

Wie der Autor bereits im Vorwort erwähnt, stand ihm das Unternehmensarchiv nicht zur Verfügung. Um so mehr ist anzuerkennen, wieviel historisches Material und Fakten Bernd Wiersch, ein profunder VW-Kenner, zusammentragen konnte. Wer allerdings eine Aufstellung aller jemals von Karmann gebauten Fahrzeuge und Prototypen in Form eines Catalogue Raisonée erwartet, wird enttäuscht sein. Hauptziel des Buches ist die Darstellung der über 100-jährigen Geschichte des Hauses.

Entsprechend beginnt das Werk mit dem Lebensweg des Gründers Wilhelm Karmann senior (1871-1952), der bereits 1901 eine Wagenbaufabrik übernahm und damit selbständig wurde. Hauptgeschäftszweig war der Kutschenbau, aber bereits 1902 entstand die erste Automobilkarosse auf einem Dürkopp-Fahrgestell. Es ging schnell aufwärts, selbst die Folgen des Ersten Weltkriegs wurden durch geschickte Produktwahl wie Handwagen, Pferdekarren und ähnliches überbrückt. In den zwanziger Jahren reiste Wilhelm Karmann in die USA. Die dort aufgenommenen Impulse führten zu einer starken Modernisierung seiner Werke. In den dreißiger Jahren prägte die Zusammenarbeit mit Adler in Frankfurt die Produktion, außerdem übernahm der Sohn Wilhelm Karmann junior zunehmend Verantwortung im Unternehmen.

Auch von Hanomag und Ford konnte man Aufträge bekommen. Leider zerstörte der Zweite Weltkrieg und seine Folgen erst einmal jegliche Hoffnung. Aber man gab nicht auf, kam über Ford zu einer Verbindung mit dem Volkswagenwerk und damit zu einem großen Auftragsvolumen über viele Jahre. Käfer Cabrio, Karmann Ghia, Golf Cabrio, Scirocco und Corrado wurden in erheblichen Stückzahlen produziert.

Aber auch für die Auto Union, Porsche, BMW, Mercedes und Opel, um nur einige zu nennen, fertigte man Karosserien und ganze Autos. Weitere Standbeine waren die Werkzeugfertigung, die Konstruktion von Cabrioverdecken, Wohnmobile und der Prototypenbau. So war man eigentlich bestens aufgestellt, zusätzlich existierten noch Betriebe im Ausland, Karmann do Brasil wurde bereits 1960 gegründet, in den 90ern und später kamen noch Werke in den USA, Mexiko, Portugal und Polen aufgebaut. Das 100-jährige Jubiläum feierte man 2001, die Zeichen standen noch voll auf Erfolg. Hauptaufträge waren zu dieser Zeit das Mercedes SLK Cabrio, das Audi Cabrio und das Renault Mégane Cabrio. Leider war man nicht erfolgreich beim Akquirieren von Neuaufträgen, die Produktion sank dramatisch, was im April 2009 zum Insolvenzverfahren führte. Verhandlungen mit VW führten im November des gleichen Jahres zur Gründung der Volkswagen Osnabrück GmbH, so dass immerhin rund 2.000 Mitarbeiter im neuen Unternehmen Beschäftigung fanden, wenn auch zu schlechteren Bedingungen.

Bernd Wiersch hat diese Geschichte gut nachrecherchiert und das Buch lässt sich flüssig lesen. Statt streng chronologisch vorzugehen, wird in manchen Kapiteln das Geschehen parallel nach Themen dokumentiert, so zum Beispiel die Zusammenarbeit mit verschiedenen Automarken. Auch der zeitliche und wirtschaftliche Kontext wird gut erklärt.