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Endlich mein

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Donna Leon, Endlich mein, Diogenes 2015, ISBN 978-3-257-06943-3

In ihrem neuen, nunmehr 24. Fall für den venezianischen Commissario Guido Brunetti kehrt die Autorin Donna Leon, mittlerweile auch schon 74 Jahre alt, mit einer Hauptfigur an die Ursprünge ihrer nicht nur in Deutschland sehr erfolgreichen und immer wieder verfilmten Krimireihe zurück.

In dem 1993 veröffentlichten Debütroman „Venezianisches Finale“ ging es um einen mysteriösen Todesfall im Opernhaus „La Fenice“, als der Stardirigent Helmut Wellauer in der Pause vor dem letzten Akt von „La Traviata“ tot aufgefunden wird. Unter anderem unter Verdacht des damals erstmals ermittelnden Guido Brunetti geriet die Sängerin Flavia Petrelli, die aber auch wegen der sauberen Arbeit des Commissario von jedem Tatverdacht freigesprochen werden konnte.

Nun, 23 Bände und 22 Jahre danach macht Donna Leon Flavia Petrelli zur Hautfigur eines Romans, der in der Zeitebene der Serie nur „einige Jahre“ danach spielt. Flavia Petrelli ist nach Venedig zurückgekehrt, noch berühmter und verehrter als je zuvor, um im Opernhaus die Titelrolle von „Tosca“ zu singen.

Guido Brunetti sieht die Petrelli mit seiner Frau in einer Aufführung und in einem kurzen Gespräch nach der Vorstellung laden sie die Sängerin zu einem Essen bei den adligen Eltern von Brunettis Frau ein.

Dort macht die Sängerin einen gehetzten, fast panischen Eindruck, und auf Nachhaken von Brunetti gesteht sie, dass sie sich von einem Stalker verfolgt sieht, der ihr nicht nur in Venedig, sondern zuvor auch in anderen Städten Hunderte von gelben Rosen schickte. Oder ist es gar kein männlicher Verehrer, der die berühmte Sängerin in Angst und Schrecken versetzt und auch vor körperlichen Attacken gegen andere Menschen nicht zurückschreckt, die engen Kontakt mit Flavia Petrelli haben?

Mit vielen Informationen aus der Innenwelt der Oper gespickt, hat Donna Leon, zum wiederholten Mal das Stalking zum Thema eines ihrer Romane gemacht. „Endlich mein“ hat mir wieder mehr Freude beim Lesen gemacht, als die letzten Folgen der Reihe, wenn ich auch meine ständige Kritik aufrechterhalte: Brunetti und seine Familie sind seit vielen Jahren (die Zeitebene der Serie) bzw. Jahrzehnten (die Zeitebene des Erscheinens der Bücher) kuschelweich krisenlos. Keine einzige Fachliche oder menschliche Schwäche ist mir aus einem der 24 Bücher in Erinnerung.

Im neuen Buch läuft seine Sekretärin Signorina Elletra nicht ganz so in der Spur. Aber das ist auch das einzige wirkliche Veränderung in einer Reihe, die für mich seit vielen Jahren mehr Unterhaltungsromane mit venezianischem Hintergrund produziert als echte Kriminalromane.

Tod zwischen den Zeilen

Donna Leon, Tod zwischen den Zeilen,
Diogenes 2015, ISBN 978-3-257-06929-7

Dreiundzwanzig Fälle, ohne dass die handelnden Personen auch nur ein Jahr älter werden oder sich entwickeln, das ist einfach zu viel. Die Grenzen der Serie von Donna Leon mit ihrem Commissario Brunetti sind schon seit vielen Jahren und Folgen offensichtlich. Und dennoch gelingt es ihr, mit jedem weiteren Buch sozusagen noch eine Stufe in der literarischen und krimimäßigen Qualität abzusteigen.

Spielten die ersten Bände noch in der Championsleague, bewegen sich die letzten und erst recht der neue vorliegende nur noch auf dem Niveau einer fünfklassigen Verbandsliga.

Dieses Mal geht es um verschwundene resp. gestohlene Bücher. In der alten ehrwürdigen Biblioteca Merula, in der sich Brunetti in seiner Studienzeit (wann das wohl war?) oft aufhielt werden einzelne Seiten aus einem Buch vermisst, Es handelt sich um wertvolle Reisebeschreibungen aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Unter Verdacht gerät ein amerikanischer Wissenschaftler, doch der ist unauffindbar. Brunetti versichert der Unterstützung seiner Schwiegereltern, doch der einzige der etwas wissen könnte ist der ehemalige Priester Aldo Franchini, der sich in der Bibliothek mit den Werken von Tertullian befasst.

Als dieser Priester tot aufgefunden wird, kommt so etwas wie eine kleine Spannung in ein Buch, das bis dahin dahingeplätschert war wie ein Fußballspiel in der Sommerpause. Der Bruder des Priester hat keinen guten Leumund für ihn und so ganz nebenbei mit einem für Leon gewohnten kleinen Schuss Sozialkritik gelingt die Lösung eines eher langweiligen Falles.

Das Buch ist schwach, die Reihe ausgelutscht, doch ich freue mich für den durch die Frankenaufwertung arg gebeutelten Diogenes Verlag, dass er damit richtig Geld verdienen und dafür wiederum viele wirklich gute Bücher verlegen kann.