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Lehrerdämmerung

 

 

 

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Christoph Türcke, Lehrerdämmerung. Was die neue Lernkultur in den Schulen anrichtet, C.H. Beck 2016, ISBN 978-3-406-68882-9

 

„Es geht um weit mehr als einen Schulstreit. Mit der Rolle der Lehrer stehen zugleich entscheidende politische Grundeinstellungen zur Debatte“, schriebt der emeritierte Philosophieprofessor Christoph Türcke am Ende seiner wichtigen Streitschrift. „Man kann das Wort „Lehrerdämmerung“ depressiv verstehen: Lehrer erübrigen sich; Lernbegleiter genügen. Man kann es aber auch hoffnungsvoll lesen: Den Lehrern dämmert, dass sie sich das nicht gefallen lassen müssen. Wenn sie für den Erhalt und das Ethos ihre Berufes wirklich kämpfen, werden sie eine Orientierungsdebatte auslösen, die an die Grundfesten der neoliberalen Welt rüttelt.“

Große Worte nach einer vernichtenden Kritik der sogenannten neuen Lernkultur in unseren Schulen. An vielen Beispielen beschreibt Türcke die einer neoliberalen Ideologie angelehnte Reduktion der Schule und deren Lerninhalte auf reine Sach- und Fachkompetenzen. Persönlichkeitsentwicklung und Charakterbildung, Kritikfähigkeit und politisches (Selbst)bewusstein, musische Neigungen und künstlerisches Ausdruck, all das soll in der schönen neuen Lernwelt der Arbeitsblätter und Lernbegleiter keinen Platz und Ort mehr haben. Junge Menschen werden, lediglich auf ihre Kompetenzen reduziert, angesehen wie Maschinen. Und die Lehrer werden ihrer Würde beraubt, wenn man sie nur noch als „Kompetenzbeschaffungsgehilfen“ definiert.

Türckes Buch ist an flammender Aufruf an alle Lehrer, sich diese Selbstdegradierung und -abschaffung nicht mehr länger bieten zu lassen.

Rückbesinnung tut not auf das, was „Lehren“ eigentlich ist. Ich wünsche dem Buch und seinem Geist eine starke Verbreitung innerhalb der Lehrerschaft und der Kultusbürokratie.

 

 

 

 

Lehrer-Geheimnisse

 

 

 

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Heiko Haupt, Lehrergeheimnisse, Riva 2015, ISBN 978-3-86883-708-7

Insgesamt 40 Lehrerinnen und  Lehrer aus unterschiedlichen Schularten, unterschiedlichen Bundesländern, mit unterschiedlichen Fächerkombinationen und unterschiedlichen Alters hat Heiko Haupt für dieses Buch interviewt und ihre Geschichten zu verschiedenen Themen, die ihnen ein Anliegen waren, aufgeschrieben.

Herausgekommen ist ein Kaleidoskop bundesdeutschen Schul- und Lehreralltags, das offenbart, dass es hinter den Kulissen meist anders aussieht, als nach vorne von Schulleitungen und  Bildungspolitikern behauptet wird.

Was mir allerdings nicht gut gefallen hat, ist das Sensationsheischige, die Schlüssellochperspektive, in die der Leser mit hineingezogen wird. Es fehlen in einer langen Kette von anstößigen, unglaublichen und manches Mal auch lustigen Geschichten die, die es sicher auch in der Schule und unter Lehrern gibt und die ebenfalls gehütet werden wie Geheimnisse. Geschichten von guten Lehrern, von gelungenen Lernpartnerschaften und von Lehrern, von denen Erwachsene noch heute sagen, dass sie sie für ihr Leben geprägt haben.

In meiner 13 –jährigen Schulzeit gab es mindestens 5-8 davon. Sollte es das heute nicht mehr geben?